Nia Vardalos: My Big Fat Greek Wedding

Die Komödie „My Big Fat Greek Wedding“ hat in den USA die Kinocharts gestürmt. Zugegeben: Sie ist streckenweise recht lustig, aber gehaltvoll ist sie nicht.

Von der unattraktiven Hornbrillenschlange zur ansehnlichen Ehefrau: Nia Vardalos alias Toula Portokalos

Griechisches Aschenputtel

Die Stimme aus dem Voice-Over erklärt gleich zu Beginn des Films, wo es für griechischen Frauen lang zu gehen hat. Drei Aufgaben sollen ihr Leben bestimmen: einen Griechen zu heiraten, griechische Kinder zu gebären und die gesamte Familie bis ans Ende der Tage zu bekochen.

Kein Wunder also, dass Papa Gus Portokalos (Michael Constantine) aus Chicago verzweifelt ist, denn seine Tochter Toula ist schon dreißig und noch immer ohne Mann. Toula (Nia Vardalos) will von Heirat auch nichts wissen – das griechische Aschenputtel mit der Hornbrille besucht lieber Computerkurse und hält es mehr mit dem „American Way of Life“. Die Dinge überschlagen sich, als Toula sich in den smarten Englischlehrer Ian Miller (John Corbett) verliebt und ihn zum Mann ihres Lebens machen will. Nix Grieche, ein „Xeno“, ausgerechnet! Die Familie, allen voran Patriarch Gus, ist fassungslos. Das wird nicht besser, als er die Eltern kennen lernt. Diese Angelsachsen par excellence, hausbacken und steif, das es schmerzt, verschmähen doch glatt sein wunderbares Gyros.

Kulturelle Klischees wie diese gibt es in dem Film viele. Ob Ouzos und Fleisch en masse, 27 Cousins und Cousinen, (laute) griechische Gastfreundlichkeit und ein Familienrestaurant mit dem Namen „Dancing Zorbas“ auf der einen Seite oder steife Höflichkeitsformeln, protestantische Biederkeit und Vegetariertum auf der anderen – es gibt eigentlich kein Vorurteil, das in dieser Komödie nicht bedient und ordentlich durch den Kakao gezogen wird.

What’s new?

Die Hauptdarstellerin und Drehbuchautorin Nia Vardalos, 1962 im kanadischen Winnipeg als Tochter griechischer Einwanderer geboren, erklärte in einem Interview, dass der Film vor allem eine Liebeserklärung an ihre eigene „laute“ und „verrückte“ Familie sei. Und tatsächlich sind viele Zeitungen voll des Lobes für diese „liebevoll-ironische“ kleine Komödie. In den USA spielte der vom Regisseur Joel Zwick inszenierte und von Tom Hanks mitproduzierte Low-Budget-Film (Gesamtkosten fünf Millionen Dollar) in 37 Wochen fette 231 Millionen Dollar ein, das ist mehr als der Megaerfolg „Titanic“ im gleichen Zeitraum schaffte.

Warum dieser Film zu einem solchen Publikumshit wurde, bleibt aber trotzdem rätselhaft. Denn im Grunde ist die Geschichte vom hässlichen Entlein, das zum wunderschönen Schwan wird, uralt. Und sie wird nicht besser dadurch, dass Nia Vardalos die Story jetzt auf griechisch erzählt. Eher das Gegenteil ist der Fall: Die Gags dieser Multikulti-Komödie sind so laut und mitunter auch recht plump inszeniert, das spätestens nach der ersten halben Stunde der Lacheffekt gen Null sinkt.

Vielleicht ist der wahre Grund für den Mega-Ansturm auch eher bei den sonstigen Angeboten auf dem amerikanischen Filmmarkt zu suchen. Mit Vardalos kommt ein neues Gesicht auf die Leinwand, das eben nicht gängigen Schönheitsidealen und den Körpernormen von Hollywood entspricht. Statt blond zu sein oder wenigstens rassig, jetzt eine Frau (und ein Mann) wie Du und ich. Doch eine echte Befreiung von Hollywoodnormen gibt es auch in „My Big Fat Greek Wedding“ nicht, sie wird auch gar nicht erst versucht. Denn mal ehrlich, die Gags rund ums Thema Liebe, das schließlich mit Umwegen erreichte Eheglück irgendwo in einem Mittelschichts-Vorort in den USA haben wir doch schon 1000 Mal in anderen Hollywoodschinken gesehen.

Ines Kurschat


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