ABSCHIEBUNGEN: Was machen wir mit den Flüchtlingen?

Es ist ein reiches Land, das sich diese Frage gestellt hat, und die Frage wurde schnell, zu schnell beantwortet: Wir fangen sie einzeln ein und schicken sie zurück.

lm Moment huft still und tröpfchenweise und teilweise in Handschellen die Abschiebung unserer Flüchtlinge. Das mit den Handschellen ist uns ja peinlich, aber wenn sie partout nicht freiwillig in ihr Elend zurückkehren wollen, muß nachgeholfen werden. Für die Frauen und Kinder, die dabei sind, tut es uns ja ein wenig leid, aber die jungen Männer mit ihren Adidas-Streifen und Handys werden in Zukunft unsere Busse und Züge nicht mehr bevölkern. Alles hat halt seine Ordnung und es kann ja nicht jedem so gut gehen wie uns Luxemburgern. Sie haben nun mal die falsche Nationalität und vor allem die falsche Religion, um an unserem europäischen Wohlstand teilnehmen zu können. Da werden wir in Zukunft lieber in katholischen Ländern rekrutieren, um den akuten Mangel an Arbeitskräften im Baubereich, im Hotelgewerbe, in der Landwirtschaft zu beheben,

Am Anfang waren wir gerührt, als wir allabendlich die Züge der Flüchtlinge über die Berge ziehen sahen und wir waren auch gerührt über unsere eigene Güte, als wir sie hier in Luxemburg aufnahmen. Dieses Gefühl verflog ziemlich schnell. Es folgte das Gefühl der Irritation darüber, dass all diese jungen Männer offensichtlich nicht arbeiteten. Dass man sie nicht arbeiten ließ während den durchschnittlich zwei Jahren, in denen die meisten von ihnen hier -waren, sagte man uns nicht: Die Sozialarbeit des Familienministeriums reduzierte sich im Laufe dieser zwei Jahre mehr und mehr auf die Kontrolle, ob nicht doch einer der Flüchtlinge illegal arbeiten würde. So gab es Männer, die sich dreimal am Tag bei der Direktion eines Flüchtlingsheims melden mussten, um zu beweisen, dass sie nicht arbeiteten. Wir ließen sie in ihren kleinen schäbigen Zimmern vegetieren und nahmen ihnen ihre Würde.

Arbeit wurde zur kriminellen Tätigkeit und der Kriminalität verdächtigte man den Yugoslawen sowieso, obschon sogar der Justizminister öffentlich kundtat, dass die Kriminalität seit Ankunft der Flüchtlinge nicht angestiegen sei. Nach zwei Jahren hat sich herausgestellt, dass die wilden Messerstecher unter ihnen wohl doch eher die Ausnahme bilden und eigentlich müsste man zugeben, dass die meisten von ihnen anständige Menschen sind, die ihre Kinder genau so lieben, wie wir unsere, und die alles dransetzen würden, um diesen Kindern die Rückkehr in die Unsicherheit und das Elend zu ersparen. All die Flüchtlinge, die nicht unter die legendär großherzige Regularisierung fallen und das sind die meisten, werden in den nächsten Monaten eingefangen und abgeschoben und wir schauen zu, wie wir schon mal zugeschaut haben, als Menschen abtransportiert wurden.

Wir kennen die Schicksale nicht, die dahinter stecken, wir wissen nicht, dass ihre Kinder schon luxemburgisch sprechen und dass sie alle Luxemburg super finden, obschon sie hier mit ihren monatlich zweitausend Franken nur am Rande der luxemburgischen Wohlstandsgesellschaft geduldet waren.


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