Lasst tausend Blumen blühen (2. Fortsetzung): Chancengleichheit in Freiheit und Vielfalt

Ich hoffe daher, dass unsere Regierung in dieser für die Zukunft unserer Gesellschaft so wichtigen Angelegenheit dem wachsenden Druck verschiedener Kreise nicht nachgibt, sondern im Gegenteil zur Einsicht kommt, dass diesem Gesetz noch der entscheidende Schritt fehlt, um für das pluralistische und freiheitliche Europa von morgen wirklichen Vorbildcharakter zu haben.

Die Verfasser der zahlreichen Artikel gegen das geplante Gesetz sollten doch bitte versuchen, mit sachlichen Begründungen anstatt billigen Schlagworten und Verdrehungen zu argumentieren. Ich bin aber davon überzeugt, dass sie genau wie ich in bester Absicht versuchen, ihren Beitrag für eine Verbesserung im Bildungswesen zu leisten. Die Unterzeichner des Appells müssten sich aber die Frage stellen, ob sie nicht vielleicht etwas vorschnell waren und auf Polemik und Stimmungsmache hereingefallen sind.

Zum Schluss noch ein paar Worte in eigener Sache: Bewusst habe ich bei meiner Argumentation fast gar nicht auf persönliche Erfahrungen an der Staatsschule zurückgegriffen, sondern versucht allgemeine Entwicklungen, Tendenzen und Möglichkeiten aufzuzeigen. Ich möchte nur soviel feststellen, auch um nicht missverstanden zu werden: Ich liebe meinen Beruf und unterrichte ausgesprochen gerne an meiner derzeitigen Schule. Alle Kinder und Jugendliche verdienen es, dass die Erzieher und Lehrer egal an welcher Schule ihr Bestes geben. Ich schätze die KollegInnen für ihr Engagement im Dienste der Jugendlichen. An der Schwierigkeit einer Aufgabe kann man versuchen zu wachsen, bloß muss die Aufgabe noch zu bewältigen sein. Ich habe aber den Eindruck bekommen, dass immer mehr Lehrer innerlich daran leiden, dass sie nicht gleichzeitig den Anforderungen, welche von außen (oben) an sie herangetragen werden, und den Ansprüchen und Bedürfnissen der jungen Menschen gerecht werden können. Einerseits lautet der Auftrag, eine Scheune zu füllen¬, und am Ende des Schuljahres wird man gefragt, ob die Scheune voll ist. Andererseits müsste der Erziehungsauftrag heißen, eine Flamme zu nähren¬ oder wieder neu zu entzünden. Ein Punkt macht mir zunehmend zu schaffen: Die Tatsache, dass die ständige Benotung jeden Lernprozess grundsätzlich pervertiert (dazu wäre sehr viel zu sagen, nur soviel: Auf die Standardfrage gibt es dazu noch Fragen¬ kommt meistens die Standardantwort: Ist das wichtig für die Prüfung ?¬ oder schlimmer was müssen wir unterstreichen ?¬), und dass der Missbrauch der Benotung als Instrument der Qualitätskontrolle (von der oben gesprochen wurde) letztere ad Absurdum führt. Vor allem aber komme ich nicht umhin festzustellen, dass das Unterrichtskonzept, welches der Staatsschullehrer anzuwenden hat, mit u.a. einem katastrophalen Schulrhythmus ( horreur aménagée ¯), hoffnungslos überfüllten Lehrplänen, der frühzeitigen Spezialisierung, und dem Notendruck mit der damit verbundenen Selektion, in vielen Fällen nicht imstande ist das Minimalziel jeder Erziehung zu erreichen: durch den Unterricht und die Erziehung das Heranwachsen und die gesunde Entwicklung des Jugendlichen nicht zu stören.


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