KARIKATURENSTREIT: Cui bono?

Brennende Botschaften, inhaftierte Journalisten. Die Eskalation um die Mohammed Karikaturen passt einigen in den Kram.

Wem nützt das Ganze? Die Frage stellt sich unweigerlich, wer sich die fast schon karikaturalen Bilder von Flaggenverbrennungen, schreienden Mullahs und brandschatzendem Mob anschauen muss, die in den letzten Tagen im Zuge des so genannten Karikaturenstreits über die Mattscheibe flimmerten.

Inzwischen dürfte hinlänglich bekannt sein, wie der Streit um die erstmals in Dänemark publizierten Mohammed-Zeichnungen seinen Weg in die Metropolen der islamischen Welt gefunden hat. Dass auch einige Machthaber vor Ort sich an den Ausschreitungen delektieren und nur halbherzig – wenn überhaupt – zum Maßhalten aufrufen, wird immer offensichtlicher.

In den islamischen Ländern lassen sich die Nutznießer recht einfach ausmachen: Korrupte Regime, die von internen Problemen ablenken und die große Gefahr von Außen heraufbeschwören, oder fundamentalistische Gruppen, die sich jetzt als Bewahrer von Mohammeds Heilslehre aufspielen können. Auf diese Weise lässt sich Profit aus der Verelendung großer Teile der Bevölkerung ziehen. Das entschuldigt nichts, erklärt aber so manches.

Dazwischen stehen, wie so oft, jene, die für Verständnis auf beiden Seiten werben. Dass eine Botschaft geplündert und in Brand gesetzt wird, steht auf der internationalen politischen Werteskala zu recht ziemlich weit oben. Botschaften waren selbst in Zeiten des kalten Krieges absolute Tabuzonen. Schon etwas weniger laut erklingen die Stimmen, wenn JournalistInnen wegen angeblich respektlosem Verhalten gefeuert werden oder sogar ins Gefängnis kommen.

Die Pressefreiheit – inklusive der Freiheit am Thema vorbei zu schreiben oder zu zeichnen – ist ein Gut, das auch in der westlichen Welt bis vor noch nicht all zu langer Zeit alles andere als selbstverständlich war. Es wird immer genügend dumme Karikaturen und schlechte Artikel geben, die bei den Visierten echtes oder gespieltes Beleidigtsein hervorrufen. Die Klischees, die hier bedient werden, sind aber nicht das Resultat freier Meinungsäußerung, sondern finden gerade ihren Ursprung in der Unwissenheit die die einen von den anderen haben. Zensur hat hier noch nie geholfen.

Aber auch in unseren Breiten gibt es Nutznießer des „Clash of the Cultures“ der derzeit medienwirksam inszeniert wird. Das Spektakel erfüllt dabei zwei Funktionen. Einmal passt der rebellierende Mob nur allzu gut in das Klischee eines mittelalterlichen, unverbesserlichen Islam, bei dem jede Anstrengung, sich ihm zu nähern zum Scheitern verurteilt ist. Da wo die Stimmung einmal aufgeheizt ist – ob in den Straßen der muslimischen Welt oder an den hiesigen Stammtischen – braucht es keiner großen Anstrengung um das Trennende hervor zu streichen.

Zum anderen mehren sich die erhobenen Zeigefinger, die einen respektvollen Umgang mit den religiösen Gefühlen anmahnen. Gemeint ist allerdings all zu oft ein Verzicht auf jegliche Kritik an Religion und ihren Repräsentanten. Toleranz heißt aber nicht Verzicht auf Kritik, im Gegenteil. Toleranz bedeutet auch, sich in Frage stellen zu lassen.

Doch zurück zur Eingangsfrage: Der Westen wird sich ein Stück weiter von der islamischen Welt abwenden, die islamistischen Hardliner es umso einfacher haben, auf die Eigenständigkeit wenn nicht sogar Überlegenheit der eigenen Religion und Kultur zu pochen. Am wenigsten nützt diese Isolation aber jenen, die nach Jahrzehnten einer für sie enttäuschenden Globalisierung in Fänge einer Ideologie gelangen, als deren Resultat außer Tod und Vernichtung nichts mehr übrig bleibt.


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