ERNEUERBARE ENERGIEN: Es lohnt sich wieder!

Die Förderbedingungen für Strom aus erneuerbaren Energiequellen sind Anfang des Jahres stark verbessert worden. Die Möglichkeiten, privat oder unternehmerisch tätig zu werden, sind vielfältig.

Photovoltaik im Siedlungsbereich – ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

Acht Jahre ist es her, dass zur Ökofoire der damalige Umweltminister Charles Goerens ankündigte, den BürgerInnen 25 Franken pro Kilowattstunde für Strom aus Solaranlagen zu zahlen. Dieser Einspeisetarif von umgerechnet 0,63 Euro war damals der höchste in Europa. Seither ist vieles passiert: Der Solarstromtarif wurde gesenkt, andere Fördermechanismen verbessert, neue hinzugefügt. Trotzdem erhöht sich der Anteil der erneuerbaren Energien (EE) am Stromverbrauch nur langsam – auch wegen des steigenden Gesamtverbrauchs. Der EE-Sektor – also spezialisierte Handwerker und Beratungsfirmen – hat sich noch nicht vom Schock von 2005 erholt, als die Fördermaßnahmen drastisch zurückgefahren wurden. Acht Jahre nach dem Startschuss für eine Energiewende ist es in Luxemburg immer noch nicht selbstverständlich, dass bei Neubauten Dach-Solaranlagen mitgeplant werden: ein klarer Fehlstart.

Die Chancen für einen Ausbau stehen dennoch gar nicht so schlecht. Die jüngsten Förderprogramme bieten wieder genügend finanzielle Anreize für Hausbesitzer und Bauherren. Das Bewusstsein des drohenden Klimawandels dürften die Bereitschaft vieler BürgerInnen erhöht haben, eine CO2-sparende Solaranlage auf dem Hausdach installieren zu lassen. Eher schon stellt sich die Qual der Wahl: Solarwärme oder Solarstrom? Beteiligung bei Wind oder Biogas? Wärmedämmung oder Ökostrom?

Erneuerbare Aufrüstung

„Ganz klar: Als erstes muss man den Energieverbrauch so weit wie möglich senken“, sagt Gérard Anzia, ein Ingenieur und Sekundarlehrer, der sich seit langem mit Energietechnik beschäftigt. „Dann kommt die thermische Solaranlage für die Warmwasserzubereitung: Das braucht man immer.“ 13 Quadratmeter der Dachfläche seines Hauses werden von Anzia hierfür genutzt, der Rest für eine 400-Watt-Photovoltaikanlage. „Die Rechnung geht auf“, sagt er. Durch die auch zum Heizen genutzte Warmwasseranlage spart er im Jahr über 500 Liter Heizöl. Und die neuen Einspeisetarife für Solarstrom hält er für „ausreichend“.

Anzia hat seine EE-Installationen immer wieder angepasst, damit sie ökologisch und wirtschaftlich Sinn machen. Als ihn die woxx 2001 besuchte, nutzte er die Photovoltaikanlage noch für eine Inselanlage. In Verbindung mit einem Windrad und einer Speicherbatterie sollte sie genügend Strom für seinen Büroraum liefern. „Das war recht kompliziert. Angesichts der günstigen Förderbedingungen damals, entschloss ich mich, den Solarstrom ins Netz einzuspeisen“, erzählt Anzia. Zusätzlich hat er eine 1200-Watt-Photovoltaik-Anlage hinter dem Haus errichtet, die automatisch der Sonne nachgeführt wird, was die Ausbeute erhöht. Das Windrad auf dem Dach steht dagegen still. „Einspeisen lohnt sich nicht. Im Siedlungsbereich ist nicht genügend Wind für eine Kleinanlage vorhanden“, so Anzia. Er plant, das Rad abzumontieren und es im Redinger Lycée, wo er ab Herbst unterrichtet, für ein pädagogisches Projekt zu nutzen.

Doch so sinnvoll die Anlagen an Privatwohnungen auch sind, ein konsequenter Ausbau der erneuerbaren Energien kann sich nicht hierauf beschränken. Gérard Anzia zum Beispiel betreibt in Boevange an der Attert seit 2004 mit zwei „Associés“ ein 23-Kilowatt-Wasserkraftwerk. Zum Einsatz kommt nicht etwa eine Turbine an einem Staudamm, sondern eine einfache Schnecke, die sich, vom Wasser getrieben, um die eigene Achse dreht. Hier gab es, zusätzlich zur Einspeiseprämie, eine Investitionshilfe vom Staat – und von der Cegedel: aus dem Nova-Naturstrom-Fonds für Neuanlagen.

Die Beteiligung an solchen Projekten ist zurzeit allerdings Insidern vorbehalten. „Bei den neuen Wasser- oder Windprojekten ist es schwierig, reinzukommen“, sagt Anzia. „Große Windanlagen an guten Standorten, die zweistellige Renditen versprechen, werden meist von den Stromfirmen Cegedel und SEO betrieben. Und für kleinere, weniger lohnende Projekte, ist es schwierig, das Kapital zusammen zu bekommen.“ Immerhin: An Anzias Arbeitsplatz, dem neuen Redinger Lycée, sind Hunderte von LehrerInnen und SchülerInnen an der Nutzung erneuerbarer Energie beteiligt: Neben der modernen Isolationstechnik ist das Schulgebäude auch an die nahe gelegene regionale Biogasanlage angeschlossen.

Potenzial Biogas

Die Nutzung von Biomasse als erneuerbare Energiequelle ist seit der Diskussion über Agrokraftstoffe – zu Recht – stark umstritten. Doch der erste Zweck dieser Anlagen war es, eine sinnvolle Verwendung für landwirtschaftliche Abfälle, unter anderem die Gülle, zu finden. Josy Hoeser, Landwirt in Canach, war 1998 an der Errichtung der ersten luxemburgischen Anlage beteiligt: „Wir haben klein angefangen, und dann in ein paar Schritten erweitert. Doch die ersten fünf Jahre haben wir draufgelegt.“ Sogar jetzt ist er sich nicht sicher, ob die Anlage kostendeckend arbeiten kann. Er hofft, dass die vor einiger Zeit nochmals vergrößerte Anlage von der neuen Vergütung profitieren kann, wie von Energieminister Jeannot Krecké angekündigt. So ist Hoeser hin und hergerissen zwischen dem Stolz, an einem sinnvollen Unternehmen beteiligt zu sein, und den Zweifeln, ob es sich wirklich lohnt.

Alles in allem ist klar, dass die DurchschnittsbürgerInnen vor allem auf Wärmedämmung, Energiesparen allgemein sowie thermische und eventuell photovoltaische Anlagen setzen können. Für diese Investitionen gibt es diverse Finanzhilfen vom Staat (Broschüre zum Download unter www.environnement.public.lu) und einem Teil der Gemeinden. Nur bei photovoltaischen Anlagen stellt sich die Frage der Einspeisetarife – wie viel das beim Heizen eingesparte Öl oder Erdgas wert ist, hängt von den Energiepreisen ab. Der Einspeisetarif für Strom aus 2008 installierten Kollektoren liegt bei 0,42 Euro pro Kilowattstunde – das dürfte locker ausreichen, um die Anschaffungskosten zu decken. Dieser Tarif wird über 15 Jahre hinweg garantiert – ein wichtiger Unterschied zu den Règlements von 2005, die keine langfristige Finanzplanung erlaubten. Allerdings wird der für Solarstrom bezahlte Preis jedes Jahr um drei Prozent verringert, das heißt, Anlagen, welche erst 2009 in Betrieb gehen, bringen zum Beispiel nur noch 41,74 Cent pro Kilowattstunde während 15 Jahren.

Über die Anlage auf dem Hausdach hinaus können umweltbewusste BürgerInnen natürlich versuchen, Teilhaber einer größeren EE-Anlage zu werden. Doch auch die politische Unterstützung für Projekte ist wichtig: So manche Anlage wurde nicht errichtet, weil sich die Verantwortlichen zwar von Kritikern angegriffen sahen, sich aber der Unterstützung durch die – schweigende – Mehrheit nicht sicher waren. Außerdem bieten die Chamberwahlen im Juni 2009 eine Gelegenheit, Parteien und PolitikerInnen zu unterstützen, die sich ernsthaft für erneuerbare Energien einsetzen.


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