STANDORT LUXEMBURG: Ex und hopp

Nachhaltig ist bei der Luxemburger Wirtschaftspolitik lediglich der Trend zu immer mehr Betriebsschließungen.

Die Verweildauer ausländischer Industriebetriebe in Luxemburg wird immer kürzer. Kaum hatten sich unsere Arbeits-, Wirtschafts- und Finanzminister über die Niederlassung der TDK in Bascharage gefreut, war es ein paar Jahre später schon wieder vorbei mit dem Glück. Die jüngste Hiobsbotschaft kam vergangenen Mittwoch: Der DVD und CD-Bespieler Technicolor macht nach sieben profitablen Jahren in Luxemburg dicht und verlagert die Produktion nach Polen. Die Überraschung war umso größer, als der Betrieb weder unterbeschäftigt war, noch vor dem Konkurs stand. Im Gegenteil, kurz vor den Weihnachtsfeiertagen brummte nach Aussagen der Belegschaft der Laden so richtig.

Der Arbeitsminister tröstet sich nun mit dem Argument, das Vervielfältigen von CDs und DVDs sei kein anspruchsvolles Unterfangen, sondern lediglich „Low Tech“. Wirtschaftsfachleute beteuern zudem, die Massenproduktion an einem Ort sei einer dezentralen Produktion vorzuziehen – weshalb Thomson, der Mutterkonzern von Technicolor, auch ein Werk in Großbritannien schließt. Bei derart schlagenden Argumenten für einen Verzicht auf Technicolor fragt sich, wieso unsere Wirtschaftsminister die halbe Welt abgeklappert haben, um solche Betriebe überhaupt ins Land zu holen.

Tragisch ist die Situation vor allem für die Betroffenen, die zu 80 Prozent Frontaliers sind und nun von Existenzangst gepeinigt werden. Was nützt ihnen schon ein Sozialplan – auch wenn es den Gewerkschaften gelingen sollte, möglichst „großzügige“ Abstandszahlungen herauszuschlagen. Das Märchen vom „maintien dans l’emploi“ – also eines direkten Übergangs in eine andere Beschäftigung – glauben nach TDK, Villeroy et Boch und Monopol selbst die optimistischsten Gewerkschafter nicht mehr. Am Ende wartet die Arbeitslosigkeit.

Doch damit nicht genug: Die Standortgemeinde Schifflingen, die nach der Stahlkrise lange Jahre überwintern musste, bis es ihr finanziell wieder etwas besser ging, kann die Steuern, die ihr Technicolor jedes Jahr einbrachte, für die nächsten Jahre getrost abschreiben.

Obwohl die globalen Wirtschaftszahlen für Luxemburg so günstig aussehen wie lange nicht mehr, scheint die Serie der Betriebsschließungen nicht abzureißen. In diesem Fall wurde die Entscheidung zur Schließung während einer Vorstandssitzung von Thomson in Paris getroffen und hat die Belegschaft und die Gewerkschaften vor Ort kalt erwischt. Aus dem Wirtschaftsministerium war zu erfahren, dass man seit 2004 mit dem Unternehmen verhandelte, um wenigstens Teile der Produktion in Luxemburg zu behalten. Jetzt zeigt man sich „traurig“, dass es soweit gekommen ist. Jeannot Kreckés besonderer Draht zu seinen Amtskollegen scheint diesmal also versagt zu haben. Der französische Wirtschaftsminister Thierry Breton, der in seinem früheren Leben den Posten des Thomson-Präsidenten bekleidete und den Strategiewechsel des Konzerns, weg von der Unterhaltungselektronik, hin zum Multimedia-Geschäft, in die Wege geleitet hat, scheint sich jedenfalls um den Standort Luxemburg keine größeren Sorgen zu machen.

Bezüglich der Gründe wird von einer Sättigung des CD- und DVD-Marktes gesprochen, die Umstrukturierungen notwendig gemacht hätten. Die Produktionskapazität von Technicolor soll jedoch erhalten bleiben. Ob und wieweit der Standortvorteil bei den Lohnkosten in Polen bestimmte Nachteile, wie Transport und Logistik aufhebt, bleibt Betriebsgeheimnis von Technicolor. Volkswirtschaftlich wird immer klarer, dass unsere Wirtschaftspolitiker wohl besser daran tun, Betriebe zu unterstützen, die auch ein offensichtliches Interesse haben, in der Region zu bleiben – und denen die Leute, die mit ihrer Arbeitskraft die Gewinne erwirtschaften, mehr bedeuten als nur ein Kostenfaktor.

Auf die Gefahr hin als Idealist verschrien zu werden: Nachhaltige Wirtschaftspolitik hat nur bedingt mit günstigen Steuersätzen und kosmetisch niedrig gehaltenen Lohnnebenkosten zu tun. Es gibt auch Produkte und Dienstleistungen die in der Region gebraucht werden und bei denen niemand auf den Gedanken käme, eine Distanz von Tausenden von Kilometern überbrücken zu müssen. Zaghafte Versuche, etwa im Energiebereich, hat es gegeben. Die haben zwar öffentliche Gelder gekostet, hätten aber auf Dauer auch Unabhängigkeit gebracht.


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