DANNY BOYLE: Das Leben ist ein Quiz

Der Regisseur, der mit jedem Film ein neues Genre entdeckt, ist zurück: diesmal begeistert Danny Boyle mit einem Blockbuster-Märchen, dessen Haupthandlung sich mittels einer indischen Fernsehshow entfaltet.

Ohne Romantik und Verklärung, trotzdem großes Kino: Slumdog Millionaire.

Schon die erste Szene von Slumdog Millionaire bereitet den Zuschauer angemessen auf die folgenden zwei Stunden vor: Der junge Jamal Malik (Dev Patel) wird unzählige Male von einem Polizisten ins Gesicht geschlagen und anschließend mit Stromschlägen bis zur Bewusstlosigkeit gefoltert. Der Grund: Jamal steht vor der letzten Frage des weltweiten Quotenschlagers „Wer wird Millionär“. Der Moderator der Show ist überzeugt, dass ein Slumdog wie Jamal ohne zu spicken unmöglich bis zur 20 Millionen Rupien Frage kommen kann, und will sein Geständnis erzwingen. Doch Jamal gibt nicht auf, er erträgt die Schmerzen ohne auch nur ans Aufgeben zu denken, denn schließlich wusste er alle Antworten. Sie erinnerten ihn durch Zufall an bestimmte, prägende Momente seines Lebens und bei jeder neuen Frage in der Quizshow wird dem Zuschauer ein Blick in Jamal’s Vergangenheit gewährt.

Nachdem ihre Mutter bei einem Hindu Aufstand brutal erschlagen wurde, waren die Gebrüder Jamal und Salim (Madhur Mittal) auf sich alleine gestellt. Zusammen mit Latika (Freida Pinto), einem ebenfalls verwaisten Mädchen, geraten sie in die Fänge von Maman (Ankur Viakl), dem Leiter eines Waisenhauses, der Kinder auf den Müllhalden abholt und sie dann zum Betteln zwingt. Als Jamal he-rausfindet, dass Maman vor hat das Mädchen zu prostituieren, um seine Gewinne zu steigern, fliehen die zwei Brüder. Jamal muss zusehen, wie die kleine Latika zurückbleibt.

Die Brüder überleben, in dem sie in Zügen hausen und als Touristenführer am Taj Mahal naive Besucher verwirren und bestehlen. Jamal kann Latika nicht vergessen und macht sie ein paar Jahre später in einem Bordell in Mumbai ausfindig. Sie arbeitet noch immer für Maman. Die Brüder fliehen mit Latika, doch die Gruppe trennt sich nach einem Streit.

Salim ist getrieben vom Traum des leichten Geldes und driftet, zusammen mit Latika, immer weiter in die Unterwelt von Mumbai ab. Jamal, der sich mit einem Job in einer Telefonzentrale über Wasser hält, macht Latika durch einen Anruf ausfindig. Da sein Bruder und dessen Gefolge es ihm jedoch unmöglich machen, sie zu sehen, findet Jamal einen eher außergewöhnlichen Weg um Latika auf sich aufmerksam zu machen …

Zu Recht war „Slumdog Millionaire“ der große Abräumer der diesjährigen Golden Globe Awards. Danny Boyle hat aus Vikas Swarup’s Roman „Q and A“ einen Film geschaffen, der von der ersten bis zur letzten Sekunde spannender und bewegender ist als jede Quizshow. Dabei zeigt Boyle Indien, wie es eher selten in großen Filmproduktionen dargestellt wird: Sowohl Bollywood Kitsch als auch westliche Stereotypisierung hat der Regisseur vermieden, indem er Mumbai und seine Einwohner realitätsgetreu darstellt ohne über sie zu urteilen. Hinzu kommen die atemberaubenden Darbietungen der jungen Hauptdarsteller (Freida Pinto ist mit ihren 24 Jahren die Älteste)? die „Slumdog Millionaire“ die Authentizität eines Dokumentarfilmes verleihen.

Der rhythmische Schnitt und der Soundtrack, den das World-Electro Wunder M.I.A beigesteuert hat, malen ein modernes Bild des aufsteigenden Vielvölkerstaats, dessen Einwohner in den selben Quizshows knobeln wie der Rest der Welt.

„Slumdog Millionaire“ ist daher ein sehr empfehlenswerter Film, obwohl man beachten sollte, dass er nicht für Menschen mit schwachen Nerven geeignet ist. Kinogänger, die nicht sonderlich von Romantik oder Quizshows begeistert sind, werden trotzdem auf ihre Kosten kommen!

„Slumdog Millionaire“, im Utopolis.


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