CID-FEMMES: In 750 Umzugskisten zwei Etagen tiefer

Eine junge Frau blickt überrascht mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund in den Spion der Eingangstür – so präsentiert sich der Flyer, der zur Umzugsfeier des Cid-Femmes Ende September einlädt.

Und zum Staunen ist es tatsächlich – auch wenn der Cid oder „Centre d’information et de documention des femmes“ letztlich nur zwei Etagen tie-fer gezogen ist: Raus aus den kleinen verschachtelten Wohnräumen, die nicht mehr genügend Platz boten für die expandierende Frauenbibliothek und das Musikforum – hinein in einen großen, fast eine Etage umfassenden Raum. Einladend, geräumig und hell durch eine Innenveranda wirkt die neue Bibliothek, die nun auch genügend Platz für Lesetische, eine Kaffeeecke und diverse Veranstaltungen bietet.

„Rund sechzig Prozent mehr Fläche haben wir gewonnen. Und ein Lokal, das sich von der Struktur her besser eignet für eine öffentliche Bibliothek, um vor Ort zu lesen und zu forschen“, sagt Françoise Wagner, Cid-Verwaltungsbeauftragte. Endlich sei auch der Platz vorhanden, um die rund fünfzig verschiedenen Zeitschriften von Emma bis zu Fachzeitschriften in deutscher und französischer Sprache gebührend zu präsentieren.

Wie die Zeit vergeht und was sich binnen – demnächst fünfzehn – Jahren so alles ansammelt, bekam auch der Cid zu spüren: „Rund 750 Umzugskisten waren notwendig“, stellt Joëlle Schwinnen, Pressebeauftragte des Cid, fest. Transportiert werden musste auch eine Sammlung von rund 13.000 Büchern, die sich 1992, im Gründungsjahr des CID, vor allem aus Buchspenden gründete und im Laufe der Zeit auch Dank einer Konvention mit dem heutigen Chancengleichheitsministerium aufgestockt werden konnte. Aus einer frauenspezifischen, teils feministischen Perspektive betrachtet, befinden sich hier Werke der Kunst-, Musik- oder Literaturwissenschaft, eine Büchersammlung zum Thema Frauenbewegung, Frauenforschung und Gendertheorie, sowie Lesestoff zu Arbeits-, Politik- oder Gesundheitsaspekten.

„Von Anfang an wollten wir uns nicht nur auf Sachliteratur beschränken oder fortwährend nur von so genannten Problemthemen reden, wo Frauen mehr oder weniger als Opfer der Gesellschaft dargestellt werden – sondern den LeserInnen auch Belletristik oder Kunstbücher zur Verfügung stellen, in denen die Leistungen von Frauen sichtbar werden“, so Wagner. Im Gegensatz zu vielen Frauenbibliotheken im Ausland, hat der Cid auch von Anfang an Kinder- und Jugendliteratur in sein Angebot aufgenommen – Bücher, in denen Mädchen und Jungs ohne die üblichen Rollenklischees gezeigt werden. Ein weiterer Schwerpunkt des Cid-Dokumentationszentrums ist seine Musikabteilung: Rund 3.800 CDs und Hörbücher gehören zum Bestand. „Der größte Teil der Musiksammlung sind klassische Werke, die von Frauen komponiert wurden. In den anderen Musikbereichen wie World, Chanson, Rock und Pop zeichnen sich Frauen vor allem als Interpretinnen aus, darunter auch innovative elektronische Frauenbands mit guten Texten“, so Schwinnen. Mittlerweile hat der Cid dank seiner engagierten Musikwissenschaftlerin Danielle Roster auch ein komplexes Archiv von Musikpartituren angelegt. „Ausgangspunkt war, dass wir Partituren von Musikerinnen für Laien bekannter machen wollten, gerade weil die weibliche Musikgeschichte nach wie vor verkannt wird“, erklärt Schwinnen. So wird mittlerweile gar ein Katalogsystem entwickelt, das den Konservatorien zugänglich sein soll.

Ausleihbar ist außer den Zeitschriften alles – mittels eines geringen jährlichen Mitgliedbeitrages. Jedoch ist ein Hineinschnuppern – auch ohne Mitgliedskarte – explizit erwünscht. „Wichtig ist, dass die neuen Räumlichkeiten zu einem Ort werden, an dem sich Gleichgesinnte zum Austausch begegnen können“, meint Schwinnen. Und dass Besucher – ob Frauen, Männer, Jugendliche oder Kinder – auf verschiedene Themen neugierig werden und gerne zurückkommen. Diesem Zweck dienen auch die Veranstaltungen, die der Cid demnächst in den neuen Räumen organisieren will: So findet Ende September eine öffentliche Lesung „Sisters‘ Talk“ mit geladenen Gästen statt. Im Oktober organisiert der Cid einen Filmabend zum Thema Brustkrebs, im November eine Kriminacht mit deutschen Krimiautorinnen und im Dezember sollen Zeitzeuginnen des „Mouvement de Libération des Femmes“ zu Wort kommen.

Doch zuvor wird Ende September erst einmal mit allen BesucherInnen ausgiebig gefeiert.

Dreitägige Eröffnungsfeier mit Umtrunk, Konzerten und Lesungen
vom 27. – 29. September
im Cid-Femmes,
14, rue Beck, 2. Stockwerk, Luxemburg.
Konkrete Infos: www.cid.femmes.lu


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