UNI LETZEBUERG: Klassische Studienwahl

Die Zahlen zur Rentrée académique zeigen: LuxemburgerInnen wählen ihr Studium nach altbewährtem Muster aus. Frau Ingenieur ist nach wie vor ebenso eine Seltenheit wie der Herr Französischlehrer.

262 junge Männer machten sich im Studienjahr 2006/2007 auf, ein Ingenieursstudium zu absolvieren, darunter mischten sich gerade einmal 30 weibliche Kommilitoninnen. Auch in der Informatik bleibt die männliche Bastion uneinnehmbar: Unter den 301 Studierenden tummelten sich lediglich 36 Frauen. Ähnlich, nur umgedreht ist das Verhältnis beim Pädagogik-Studium: Mit 670 zu 192 führten die Frauen hier das Feld an. Im Bereich der Sprachen und der Literatur kommen auf 415 Frauen nur 142 männliche Studenten. Unter Luxemburgs Studierenden ist die Welt der Geschlechterverhältnisse noch in Ordnung. Reproduziert wird das, was die Erwachsenen vorgemacht haben.

„In den vergangenen Jahren hat sich daran nicht viel geändert“, bestätigt Fari Khabirpour, Direktor des Centre de psychologie et d´orientation scolaires. Trotz zahlreicher Informations-Kampagnen herrschten oft die alten Vorurteile gegenüber bestimmten Berufssparten vor. „Die Klischees werden weiterhin von Eltern und Lehrpersonal weitergegeben“, so Khabirpour. „So lange das so ist, können punktuelle Aktionen wie der Girls/Boys day nicht viel ausrichten.“ Um eine fundamentale Änderung in der Berufsorientierung von Jugendlichen auszulösen, muss ihnen nach Meinung des Psychologen etwas anderes vorgelebt werden.

Vorbilder ändern

„Man sollte beispielweise dafür sorgen, dass mehr Frauen in den Naturwissenschaften unterrichten, und mehr Männer in den Sprachen“, so Khabirpour. Abseits solcher geschlechtsspezifischen Diskussionen unterstrich der christliche Gewerkschaftsbund am Mittwoch in einer Pressemitteilung seine Forderung, die Berufsorientierung solle Pflichtteil des Schulprogramms werden und sprach von einer besorgniserregenden Tendenz, dass immer „mehr Jugendliche die Schule ohne Abschluss oder mit ‚falschen Diplomen‘ verlassen“. Die Studienempfehlungen müssten den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes entsprechen. „Diese wechseln jedoch sehr schnell“, sagt dazu Fari Khabirpour, „die Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt sind nur schwer vorhersehbar.“ Überdies sei es nicht ratsam, sich alleine daran zu orientieren. „Man sollte eher auf die Stärken der Schüler bauen“, findet der Direktor des CPOS. Seine Dienststelle wird regelmäßig vom Arbeitsamt mit den neuesten Zahlen des Marktes gefüttert.

Noch sind diese in Luxemburg wenig alarmierend. Nur knapp sechs Prozent der arbeitslosen Jugendlichen zwischen 15 und 29 Jahren waren im Jahr 2006 AkademikerInnen. Dass dennoch nicht alles in der Berufsorientierung optimal läuft, hat auch die Erziehungsministerin erkannt. Um künftig mehr SchülerInnen in Richtung Naturwissenschaften zu orientieren, soll das Fach ‚Eveil aux sciences‘ eingeführt werden. Das kündigte Mady Delvaux am Donnerstag am Rande ihrer Pressekonferenz zur Ren-trée an. Darüber, ob darin auch verstärkt Mädchen angesprochen werden sollen, sagte sie nichts.


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