MALEREI: Abdrücke

Pfingsten gab schon einen Vorgeschmack. Der Himmel ist blau, die Sonne strahlt, der Sommer kommt. Mit dem Sommer kommt die Freibadsaison und viele werden sich in das kühlende Nass stürzen, um der Hitze Herr zu werden. Nach der Toberei im Wasser kommt die Ruhephase. Manch einer trocknet sich ab und wird es sich auf seinem Handtuch gemütlich machen. Andere legen sich noch klatschnass direkt auf die asphaltierten Wege oder Steinplatten neben dem Becken und lassen sich lufttrocknen.

Irgendwann beginnt das Spiel von neuem. Und was bleibt – wenn auch nur kurz – sind die feuchten Schatten auf dem Asphalt, die Konturen derjenigen, die vor fünf Minuten noch hier gelegen haben. Dies entspricht auch den Arbeiten von Duron Jackson, die derzeit in seiner ersten Einzelausstellung in Europa in der kleinen, aber feinen Galerie Nordine Zidoun in Luxembourg gezeigt werden – wenn da nicht diese Verrenkungen wären und die fehlenden Köpfe.

Die Technik ist im Prinzip uralt. Wie der archaische Mensch, der seine Hand bemalt und gegen die Höhlenwand drückt, oder die Polizei Fingerabdrücke nimmt, bestreicht Jackson Menschen mit Farbe und platziert sie auf einem großen Blatt Papier. Auch wenn er in der Regel Farben wie rot oder blau benutzt, sind die hier ausgestellten Arbeiten alle schwarz auf weiß, ohne Grautöne, ohne Verwaschungen.

Wie seine Modelle die gezeigten Posen ohne Schmerzen einnehmen konnten steht auf einem anderen Blatt, doch Jacksons schlichte Darstellung eines menschlichen Körpers schreit geradezu nach der Frage: Wozu das Alles?

Konsequent lässt Jackson seine „Drucke“ unbetitelt und den Betrachter sich seinen eigenen Reim darauf machen. Liegen diese Menschen nur im Bett oder laufen, tanzen, fliegen sie, hängen sie an einem Baum oder wie ein Zombie an den Fäden eines Marionettenspielers, fallen sie von einer Brücke oder treiben sie leblos im Wasser? Schwarz und Weiß liegen hier eng beieinander. Gut und Böse. Durch den großen Kontrast schafft der aus Brooklyn stammende Amerikaner Duron Jackson Schablonen, in denen sich der Mensch wieder erkennen kann. Seine Arbeiten sind das Ergebnis einer Performance, die eigentlich Teil der Ausstellung sein sollte. Dazu bemalt er seine nackten, durch eine Maske anonymisierten Modelle mit der schwarzen Farbe und hilft ihnen ihre teilweise komplizierte Position auf dem Papier einzunehmen. Großen Wert legt Jackson im Anschluss auf die Waschung, mit der er den Modellen ihre Würde wieder geben und seinen Respekt bekunden will.

Leider kann die Ausstellung allein den Hintergrund von Jacksons Arbeiten nicht wirklich veranschaulichen, da eben ihre „Entstehungsgeschichte“ fehlt. Dadurch verlieren seine besonderen Drucke an Tiefe und Aussagekraft.


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