BUCHVORSTELLUNG: „Melusina Rediscovered“

Das CID-femmes geht mit dem Sammelband „Melusina Rediscovered  – Not the Girl You’re Looking For“ der Frage nach, in welcher Form Weiblichkeit und Feminismus die zeitgenössische Kultur geprägt haben. Als Leitmotiv dient der Mythos Melusinas, der „geheimnisvollen Mitbegründerin der Stadt Luxemburg“. Die woxx sprach mit Danielle Roster, der konzeptionellen Betreuerin des Bandes.

woxx: Wie sind Ideen und Konzept dieses Bandes entstanden?

Danielle Roster: Wir wollten schon länger ein Projekt zu Wasserfrauen machen und haben 2007 an einem ersten Konzept gearbeitet. Der damalige Ausgangspunktpunkt ist eigentlich der gleiche wie heute: Die Melusinen, die Wasserfrauen, die Sirenen, die Undinen beflügeln die Phantasie der Geisteswissenschaftler, Künstler und Komponisten schon seit Jahrhunderten, aber der Blick ist ein ausgesprochen männlicher. Damals war es uns schon wichtig, den Blick zu erweitern, zu verweiblichen und vor allem die Melusinenfigur nach versteckten feministischen Aspekten zu untersuchen. Beim Buchprojekt haben wir uns auf die Melusina konzentriert, weil wir uns mit Frauenbildern aus Luxemburg beschäftigen wollten. Durch die Analyse, wie die Melusina über die Jahrhunderte hinweg in der Literatur, in der Kunst, in Geschichtsbüchern dargestellt wird, haben wir sehr viel über den Umgang und die Rezeption des Weiblichen in Luxemburg erfahren.

Wie stellt sich denn die Situation der Luxemburger Frauen dar?

Es gibt gerade in Luxemburg eine gewisse Zögerlichkeit gegenüber dem Feminismus. Die hat bereits Tradi-tion: Auch eine erste Frauenbewegung meldete sich hierzulande im Vergleich beispielsweise zu Deutschland oder England erst mit Verspätung zu Wort. Uns ist es ein wichtiges Anliegen gewesen, das Thema Feminismus, feministische Kunst wieder ins Gespräch zu bringen. Weil das Themen sind, die leider an Aktualität verlieren.

Birgt das nicht die Gefahr einer gewissen Etikettierung?

Natürlich. Aber wir wollten gerade den Begriff des Feminismus aufbrechen. Man hat ja vor allem Angst vor „dem“ Feminismus, und den gibt es ja in dem Sinne gar nicht mehr. Eine ähnliche Vielfalt zeigt sich übrigens auch in der Kunst, die sich mit feministischen Themen beschäftigt. Warum muss, wenn es um diese Themen geht, sofort etikettiert werden? In der Literatur der letzten zwanzig Jahre wird sichtbar, dass es sehr viele verschiedene Positionen innerhalb des Feminismus gibt, und diese Vielfalt wollten wir auch durch unser Buch deutlich machen. Dazu passt, dass das Buch in kollektiver Zusammenarbeit entstand: Insgesamt 31 Personen haben daran inhaltlich mitgearbeitet. Ein von uns ausgearbeitetes Konzeptpapier diente als Ausgangspunkt ? es gab allen MitarbeiterInnen zugleich die Freiheit, diesem Thema in unterschiedlichen Richtungen und Facetten nachzuspüren.

Um das Klischee der Feministinnen und des Feminismus bewusst zu brechen?

Absolut. Bei den „Carte Blanches“, die wir daneben an Künstlerinnen und Schriftstellerinnen vergeben haben, gaben wir überhaupt keine Vorgaben, außer dass sie sich mit der Figur der Melusina oder ihrer Weiblichkeit beschäftigen sollten. Und sie sind eigentlich sehr weit gegangen in ihren Recherchen.

An wen richtet sich „Not the Girl You’re Looking For“? Haben Sie eine konkrete Zielgruppe vor Augen, oder ist der Band bewusst gesamt gesellschaftlich ausgerichtet?

Wir möchten mit diesem Buch ein möglichst breites Publikum erreichen. Dazu trägt hoffentlich seine interdisziplinäre Ausrichtung bei. Zumal wir sowohl die Bereiche Kunst, Film und Literatur wie auch Geschichte und „Luxembourg Studies“ abdecken.

Und was wollen Sie mit diesem Band erreichen?

Wir würden uns wünschen, dass solche Themen und Fragen wie „Gibt es eine feministische Kunst in Luxemburg?“ wieder aufgegriffen werden. Wir wollen kein Buch herausbringen, das im stillen Kämmerlein gelesen wird, sondern Fragen zu Kunst und Feminismus in den öffentlichen Diskurs hineinbringen.


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