AUTOMOBILE ZUKUNFT: Sparend teilen

Nicht nur Deutschland, auch Luxemburg verfügt über eine Bestenliste der umweltfreundlichsten Autos. Hinsichtlich eines Carsharing-Konzepts hinkt das Großherzogtum seinem großen Nachbarn aber immer noch hinterher.

In zahlreichen Städten Deutschlands ist das Konzept Carsharing keine Neuheit mehr.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat am Mittwoch in Berlin seine Auto-Umweltliste 2010/2011 vorgestellt: Auf dem Siegertreppchen stehen die beiden Modelle Auris Hybrid und Prius Hybrid des japanischen Herstellers Toyota. Für Luxemburg wird das Ranking vom Mouvement Ecologique erstellt. „Es gibt die Homepage www.oekotopten.lu, auf der man auch die ökologischsten Autos findet. Wir schauen uns alle Modelle an, die es auf dem luxemburgischen Markt gibt, und stellen eine Liste zusammen. Toyota ist auch sehr gut positioniert, vor allem der Prius Hybrid“, erklärt Thierry Lagoda vom Mouvement Ecologique. Auf dieser Internetseite, die es seit 2007 gibt, erfährt man auch, wie hoch die finanzielle Unterstützung der verschiedenen Automodelle ausfällt, die der Staat in Form von Umweltprämien gewährt.

Was die Autoliste angeht, steht Luxemburg seinem Nachbarland also in nichts nach. Eine weiteres Konzept, das der VCD in Deutschland unterstützt, auf die man hierzulande jedoch noch wartet, ist das Carsharing. Per Definition ist dies die gemeinschaftliche Nutzung eines oder mehrerer Autos in organisierter Form. Anders als bei der Autovermietung sind die Fahrzeuge an Verkehrsknotenpunkten in der Stadt geparkt, und die Nutzer verpflichten sich zu einer Mitgliedschaft in der Carsharing-Organisation. Bei den Vorteilen dieser Neuerung ist nicht nur die Kosteneinsparung und die Flexibilität für die Mitglieder zu nennen. Eine gezielte Nutzung dieser Autos ist auch umweltfreundlich. Es stellt sich daher die Frage, warum gerade Luxemburg mit seiner schnellen Umsetzung von Vél’Oh nicht auch ein entsprechendes Projekt für Autos entwickelt.

Nachhaltigkeitsminister Marco Schank sagte am Donnerstag zur woxx: „Ich habe noch gestern mit Claude Wiseler über das Carsharing gesprochen, weil es Bestandteil des Mobilitätskonzepts sein soll, das in der Regierungserklärung vom letzten Jahr steht.“ Seit über einem Jahr hat sich aber auch nichts mehr getan. Das Ministerium und der Mouvement Ecologique bemühen sich zwar, eine Idee zu entwickeln, wie Carsharing in Luxemburg am besten umgesetzt werden könnte, zu einem Ergebnis oder gar einer ausgearbeiteten Projektinitiative für die Hauptstadt sind sie bislang aber nicht gekommen. „Im Zuge dieses Mobilitätskonzepts werden wir mit der Stadt Luxemburg sprechen, die auch über Carsharing nachdenkt, und zwar unter Umständen in Verbindung mit der Luxemburger Bahn“, erläutert Schank das weitere Vorgehen. Die Gemeinde Beckerich ist ihm aber schon einen Schritt voraus. „Wir arbeiten momentan an einem Carsharing-System für Beckerich. Wir werden nach Thüringen fahren, wo bereits eine kleine Gemeinde das System eingeführt hat, und wollen uns anschauen, wie es funktioniert“, sagt Thierry Lagoda, der im Umweltkommitee der Gemeinde tätig ist.

Ob Carsharing für die semaine de la mobilité zur Debatte steht, konnte der Minister nicht bestätigen. Doch genau die Woche vom 16. bis zum 22. September wäre eine gute Gelegenheit, um die Luxemburger Bevölkerung über Carsharing aufzuklären und eine Sensibilisierung in die Wege zu leiten. Noch steigt der Luxemburger unweigerlich auf sein eigenes Auto um, wenn ihm die Verbindungen und Zeiten von Bus und Zug nicht passen. Bis hierzulande Carsharing eingeführt wird, muss man daher die Hoffnungen wohl ganz auf die Autoliste setzen, welche die zukünftigen Autokäufer auf den Geschmack eines nachhaltigen Modells bringen könnte.


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