MOBILITÄTSWOCHE: „Travel Smarter, Live Better“

An der diesjährigen Europäischen Mobilitätswoche wird auch Luxemburg wieder teilnehmen. Dabei stehen insbesondere die Information und die Einbindung der Verkehrsteilnehmer in einfallsreiche Aktivitäten auf dem Plan. Doch werden einige Themen ausgeklammert.

„Park(ing) Day“ oder wie man Parkplätze sinnvoller nutzen kann. Eine Idee
aus San Francisco, die 2010 auch den Luxemburger Auto-Freaks nicht erspart bleiben wird.

Vom 16. bis zum 22. September dieses Jahres findet zum neunten Mal die Europäische Mobilitätswoche statt, an der eine Vielzahl von europäischen Städten mit von der Partie sein werden. Für die aktuelle Kampagne wurde der Slogan „Travel Smarter, Live Smarter“ gewählt, um auf die schädlichen Auswirkungen aufmerksam zu machen, die urbane Transportgewohnheiten auf die Gesundheit der Bürger und das Klima der Stadt haben. Denn die enorme Luftverschmutzung durch den städtischen Automobilverkehr führt nicht nur in zunehmendem Maße zu Atemwegserkrankungen und anderen gesundheitlichen Schäden, sondern beeinträchtigt die Lebensqualität im städtischen Raum auch in unmittelbarer Weise

Um dem entgegenzuwirken, ruft die diesjährige Mobilitätswoche alle städtischen Bewohner dazu auf, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen oder sich mit dem Fahrrad und zu Fuß fortzubewegen. Denn dadurch würde zum einen das Wohlbefinden der Stadtbewohner erhöht und zum anderen auch ein entscheidender Beitrag zur Schonung der Umwelt geleistet. „Die Mobilitätswoche 2010 ist ein Appell an alle lokalen Institutionen, ihre Verkehrspolitik vermehrt auf Umweltschutz und Lebensqualität zu richten und den Menschen zu helfen, sich für eine bessere und gesündere Verkehrsalternative zu entscheiden“, so EU-Umweltkommissar Janez Potocnik. Er ist Nachfolger der Kommissarin Margot Wallström, die 2002 aus der ursprünglich französischen Initiative „En ville sans ma voiture“ das Projekt „European Mobility Week“ schuf und auf europäischer Ebene förderte.

Luxemburg nahm erstmals 2005 an der Europäischen Mobilitätswoche teil und hat seitdem Jahr für Jahr im September eine Veranstaltungsreihe voller Aktionen und Aktivitäten rund um das Thema Mobilität hierzulande auf die Beine gestellt. Die Stadt Luxemburg und die Gemeinden präsentierten jeweils eigene Programme. Die Koordination der Woche liegt seit letztem Jahr nicht mehr in der Hand des Umweltministeriums, sondern in der des „Verkéiersverbonds“. Nachdem 2009 das Nachhaltigkeitsministerium geschaffen worden war, erwies es sich als praktischer, die Leitung der Mobilitätswoche dem Verbund zu überlassen. „Der Verbund besteht aus Operateuren der Mobilität und Akteuren der Ministerien und wurde vor fünf Jahren mit dem Ziel gegründet, das Mobilitätsverhalten der Leute zu ändern und bis zum Jahr 2020 ein Split von 25 zu 75 zu erreichen. Das heißt, dass 25 Prozent aller Bewegungen mit dem Öffentlichen Personennahverkehr gemacht werden sollen“, erklärt Gilles Dostert, der Generaldirektor des „Verkéiersverbonds“.

„Es soll ein kleines Fest im Bahnhof werden.“

Lag letztes Jahr der Schwerpunkt der Mobilitätswoche in Luxemburg darauf, fachliche Lösungen für Schwierigkeiten vorzustellen, die beispielsweise Menschen mit eingeschränkter Mobilität bei der Nutzung von öffentlichen Transportmitteln haben, so wird der Schwerpunkt dieses Jahr auf eine andere Ebene gelegt. Gilles Dostert erläutert: „Letztes Jahr haben wir während der Woche jeden Tag ein anderes Thema besprochen, zum Beispiel die sogenannte ,mobilité douce‘. Alle Themen waren aber immer an ein Publikum aus Experten gerichtet, und genau das wollen wir dieses Jahr ändern: Wir wollen unsere Kunden und auch potentielle neue Kunden in den ganzen Ablauf der Woche integrieren und ihnen Aktivitäten anbieten, die sie mehr ansprechen.“

Hierfür wurde auch eine Faltblatt-Broschüre mit den wichtigsten Informationen zu den Verkehrsanbietern und gültigen Tarifen erstellt, die während der Woche an allen wichtigen Plätzen in Luxemburg verteilt werden soll. Letztes Jahr waren am Hauptbahnhof auch Äpfel und Bananen an die Teilnehmer des öffentlichen Transports verteilt. Der Verkehrsverbund musste sich aber eingestehen, dass vielen der Sinn und Zweck der Aktion unklar blieb, sodass 2010 nun ein vollständiges Rahmenprogramm am Hauptbahnhof stattfinden wird. An Informations- und Serviceständen sollen die Verkehrsteilnehmer Angebote kostenlos in Anspruch nehmen können, die außerhalb der Aktionswoche kostenpflichtig wären. „Es soll ein kleines Fest im Bahnhof werden“, ergänzt Dostert. Genauso wird auch ein Fest – inklusive Konzert – für alle Mitarbeiter des Öffentlichen Personennahverkehrs und ihre Familien organisiert, mit dem Ziel, ihnen die Gelegenheit zum Austausch und zum gemeinsamen Nachdenken über die Mobilität zu geben, an der sie selbst tagtäglich mitwirken.

Auch die Stadt Luxemburg hat sich für die Mobilitätswoche Einiges an Aktivitäten einfallen lassen. So wird der zweite Tag der Woche ? der 17. September ? zum „Park(ing) Day“ erklärt. Dabei handelt es sich um eine internationale Initiative, die das Problem des enormen Raumes thematisiert, der in unseren Städten den Autos zur Verfügung gestellt wird. Vor allem sind das die Parkplätze, und genau diese sollen während des „Park(ing) Days“ statt den Kraftfahrzeugen anderen Aktivitäten zur Verfügung stehen. Beispielsweise kann man einen solchen Autostellplatz in eine offene Kunstgalerie verwandeln, einfach indem man dort Kunstwerke aufstellt. Ebenso lässt sich ein Parkplatz für ein Picknick oder andere gesellige Aktivitäten und Kampagnen nutzen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, und wer eine interessante Idee hat, der kann diese vorab bei der Stadt anmelden und sich einen Parkplatz reservieren.

Eine andere innovative Aktion findet 18. September statt und nennt sich „Bring your bike“. Hier können Radfahrer auf dem Place Guillaume II. ihren alten Drahtesel gegen ein einjähriges Abonnement für das Fahrradleihsystem „Vél’Oh“ eintauschen, und damit die Nichtregierungsorganisation „Stop Aids Now / Acces (Action de coopération pour l’environnement et la santé“ bei ihrem Vorhaben unterstützen, in Rwanda eine Fahrradwerkstatt einzurichten. Alle weiteren Veranstaltungen und Themen werden das Nachhaltigkeitsministerium und der „Vérkeiersverbond“ kommende Woche auf einer Pressekonferenz bekanntgeben.

Mit nachhaltigen Pilotprojekten ist dieses Jahr weniger zu rechnen.

„Viele Städte profitieren von der Mobilitätswoche als Plattform, um ihre Pilotprojekte der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Die Stadt Luxemburg wird in dieser Woche ihre elektronischen Anzeigetafeln zur dynamischen Fahrgastinformation in Betrieb setzen“, verrät Dostert. Tatsächlich stehen diese Anzeigetafeln seit geraumer Zeit an den wichtigen Bushaltestellen in der Stadt, aber noch verhüllt und mit einem Hinweis auf die „semaine de la mobilité“. Die elektronischen Tafeln werden die Ankunftszeit der Busse auf die Minute genau anzeigen, was für die wartenden Fahrgäste den Vorteil hat, dass sie vor Ort auch über unplanmäßige Vorkommnisse informiert werden. Ob das den Missstand der Verspätungen oder Auslassungen von Haltestellen in Zukunft beseitigen wird, die gegenwärtig ein verbreitetes Phänomen in Luxemburg sind, muss man abwarten. „Die dynamischen Fahrgastinformationen sind auch für den Verkehrsverbund wichtig, da wir sie in unseren Arbeitsprozess einbeziehen können. Wir wollen auch auf der Homepage der Mobilitätszentale die Busfahrzeiten in Ist-Zeit angeben“, sagt Alex Kies, Stellvertretender Generaldirektor des „Verkéiersverbonds“ und Leiter der strategischen Planung.

Tolle Aktionen und moderne Anzeigetafeln also. Alles zwar schön und gut, doch mit wirklich nachhaltigen Pilotprojekten, wie das „Vél’Oh eines war“, ist dieses Jahr eher weniger zu rechnen. Das Konzept des sogenannten „Carsharing“ wird auch auf der diesjährigen Mobilitätswoche nicht zur Debatte stehen. Denn obwohl sich Nachhaltigkeitsminister Marco Schank im Gespräch mit der woxx deutlich für ein solches Projekt in der Hauptstadt aussprach, befürwortet der „Verkéiersverbond“ es nicht: „Wir haben schon öfters gesagt, dass der Raum in der Stadt Luxemburg zu klein ist, um so etwas umzusetzen, denn die freien Parkplätze sind begrenzt und die Strecken zu kurz“, erläutert Alex Kies. Ob es sich hierbei nicht doch um ein ziemliches Kommunikationsproblem zwischen dem Ministerium und dem Verbund handelt, ist nicht geklärt. Unklar ist ebenso, ob das Zukunftsprojekt der Tram in Luxemburg während der Woche zur Sprachen kommen wird. Der Bau an sich steht zwar schon fest, doch wann genau die Tram fertig sein soll und wie die Bauarbeiten im Einzelnen ablaufen sollen, hängt von weiteren Planungen ab. Da will sich auch der Verkehrsverbund nicht aus dem Fenster lehnen, sagt Kies: „Die Tram wird kommen, und es hat keinen Sinn, sie jetzt schon ins Fenster zu stellen“.

Sicher ist nur eines, wie Dostert bekräftigt: „Die Mobilitätswoche ist jedes Jahr immer vom 16. bis zum 22. September, unabhängig von den Wochentagen. Das sollte man sich in allen Ländern einprägen und mitmachen.“ Was genau Luxemburg für die diesjährige „European Mobility Week“ in der Überraschungskiste hat, wird sich spätestens in der kommenden Woche zeigen, genauso, ob die vielen Versprechen ? und damit sind nicht nur die elektronischen Anzeigetafeln gemeint ? gehalten werden. Zumindest erhoffen wir uns nach dieser Woche mehr Lebensqualität auf lange Sicht.

Mehr zur Europäischen Mobilitätswoche auf: www.mobiliteit.lu oder www.mobilityweek.eu


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