Kulturkadaver

+++ Am Samstag standen die Tindersticks auf dem Programm des „Atelier“. Eine Entdeckung war dabei insbesondere die Vorgruppe – der irische Solokünstler David Kitt. Verglichen mit dem Aufgebot der Tindersticks war seine Bühnenpräsenz eher bescheiden: akustische Gitarre, Stimme und eine Begleitung auf dem Schlagzeug. Dafür kann Kitt eine Liebe zur Musik vorweisen, die ihn von seinem Umfeld abgrenzt: Seine melodiösen Kompositionen mit subtilen, volkstümlich irischen Elementen, seine schöne Stimme – welche zum Teil an Nick Drake erinnert – bestechen durch eine ungemein entspannte Leichtigkeit und Sensibilität. Viel ernster wurde es dann nach einer guten halben Stunde Wartezeit, als endlich die britischen Schwerenöter Tindersticks auf die Bühne traten. Vom ersten Atemzug an, der dunklen, tremolierenden Stimme des Sängers Stuart Staples bis zum Schluss zogen sie eine professionelle Show mit einem komplexen Instrumentarium durch. Neben Keyboard, Violine, E-Gitarren, E-Bass sowie Schlagzeug, kamen auch das Xylophon sowie ein Harmonium zum Einsatz. Die Band blieb ihrem chansonartigen und vielschichtigen Sound – einer Mischung aus Orchestermusik, Lounge-Jazz und Soul – treu. Auch wenn die Truppe es durchaus versteht emotionale Tiefe zu orchestrieren – wünschte man sich zum Ende hin etwas mehr Abwechslung.
+++ Am Mittwoch fand im Cercle-Cité der Film- und Diskussionsabend „Expériences d’ailleurs – défis pour le Luxembourg“ zum Thema Abtreibung statt – organisiert vom Kollektiv „Si je veux – pour l’autodétermination de la femme“. Eingeladen war die junge Regisseurin Sarah Diehl, die im Anschluss an ihren Film „Abortion democracy: Poland / South Africa“ Rede und Antwort stand. Ihr Film thematisierte die gegenläufigen Entwicklungen bezüglich des Schwangerschaftsabbruches seit den 90er Jahren in Polen und Südafrika. Sarah Diehl geht der Frage nach: Warum ist der Zugang zu einer illegalen Abtreibung in Polen leichter – als zu einer legalen in Südafrika? Obwohl der Film von Sarah Diehl bestehend aus Interviews mit Aktivistinnen, Gesundheitspersonal und betroffenen Frauen in seiner Aussage vielleicht noch geraffter hätte sein können, eröffnet er viele Fragen: Etwa warum die EU, die sich einerseits den Menschenrechten verpflichtet sieht – jedoch wenn es um die Selbstbestimmung und die Gesundheit von Frauen geht, keine europaweiten Richtlinien im Sinne einer Fristenlösung fordert? Und warum zurzeit auch auf politischer Ebene vor allem bei den sogenannten sozialen Parteien eher ein Backlash zu beobachten ist? Insgesamt ein sehr interessanter Diskussionsabend, der den Blick über den Tellerrand eröffnet hat.
+++ On attendait Arnold Schönberg et Pierre Boulez. On a été séduit par Bruno Mantovani et Peter Eötvös. Le concert de dimanche dernier à la Philharmonie avait été annoncé sur des affiches grand format montrant le grand compositeur chef d’orchestre. Quand Boulez s’est désisté pour raisons de santé, une bonne partie du public également l’a suivie. Au point qu’on pouvait craindre que les musicien-ne-s de l’Ensemble Modern – une centaine – seraient plus nombreux que les spectateur-trice-s. Finalement, un public s’est quand même trouvé, et il n’a pas été décu. Tout d’abord, Peter Eötvös, compositeur et chef (un peu) plus jeune que Boulez l’a fort bien remplacé. Ensuite, sous sa direction, l’Ensemble Modern a interprété de manière convaincante les Orchesterstücke opus 16 de Schönberg, des morceaux pré-dodécaphoniques ainsi que ses Variations pour orchestre opus 31, oeuvre-symbole de la dodécaphonie. Qu’on trouve les Variations un peu longues valide les tentatives de dépasser ce système et le sérialisme qui s’en est suivi. Cette nouvelle liberté a été illustrée en concert par des compositions de Jens Joneleit et Johannes Maria Staud, rassemblant violence de l’expression et recherches sonores. Postludium de Bruno Mantovani se situe dans le même esprit. Avec ses explosions de trombones, ses plaintes aux cordes, ses haut-bois suffoquants, ce mini-drame musical nous a conquis.


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