SOFIA COPPOLA: Leben in einer Seifenblase

„Somewhere“ erzählt vom glamourösen Leben eines Hollywood-Stars. In gleichförmigen Bildern und mit flachem Humor schaukelt der Film an der Oberfläche und lässt den Zuschauer so gelangweilt zurück wie seinen unbedeutenden Filmhelden.

Es ist alles eitel – auch im Leben eines Hollywood-Stars …

Es beginnt vielversprechend. Etwa wie ein David Lynch-Film. Zunächst ist nur ein Surren zu hören, dann rast ein schwarzer Ferrari scheinbar ziellos durch die Pampa – eine öde Wüste irgendwo in den USA. Geschlagene 100 Minuten lang folgt die Kamera dem Sunnyboy Johnny Marco (Stephen Dorff) durch sein zielloses Leben als Hollywood-Star. So öde wie die Wüste zu Beginn des Filmes ist auch sein Leben. Zum Glück ist da noch seine anmutige Tochter Cleo (Elle Fanning), die er ab und zu verwöhnen und anhimmeln kann, andernfalls würde sich in seinem Leben gar nichts tun und wäre nicht sie, so würde ihm auch nicht irgendwann ein Licht über die Sinnlosigkeit seines Daseins aufgehen.

Denn Glamour-Parties und Empfänge, Pressekonferenzen und Foto-Shootings können ganz schön anstrengend sein, besonders wenn man so gefragt ist wie Johnny Marco, dem die Frauenwelt zu Füßen liegt. Der schöne Filmheld trottet gleichmütig und selbstverliebt durch die Welt der Schönen und Reichen und landet früher oder später in der Edelabsteige Chateau Marmont, dem berühmten Hollywood-Hotel, in dem einst der junge Billy Wilder verkehrte oder aber in irgendeinem anderen Hotelzimmer, wo er stets einschläft. Selbst dann, wenn sich zwei blonde Pin-Up-Girls im Häschen-Kostüm in seinem Zimmer lasziv an Stangen räkeln und zu trashigen Rhythmen alberne Choreographien vorführen.

Verpflichtungen gibt es im Leben Johnny Marcos nicht. Seine Agentin kontaktiert ihn übers Handy und informiert ihn über Pressetermine, teilt ihm mit, wann er wo hingehen und wem er die Hand schütteln soll. Schmerzlos vollführt der Filmheld seine Tanzschritte auf glattem Parkett. Ein Flug nach Italien zur Film-Preisverleihung einer Bronze-Katze illustriert die Oberflächlichkeit des Filmbusiness. Ein kurzer Seitenhieb auf Berlusconis Filmimpe-rium, aber nur eine kleine Spitze, denn Sofia Coppola ist Profi genug, um nicht anzuecken und gerade so viel Kritik zu üben, dass es Hollywood gefällt. Und ihre Filme entzücken in Hollywood, wie in Cannes. So sehr, dass sie für „Somewhere“ beim Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen gewann und mit ihrem Film das Publikum verzauberte, wie Jury-Präsident Quentin Tarantino einräumte.

Sozialkritische Untertöne spielt sie lediglich bei der Wahl ihres Sujets an, indem sie eine Welt wie aus dem Reagenzglas entwirft. Denn egal in welchem Hotel der Filmheld landet, überall scheint es gleich zu sein. Als Tochter einer gefragten Hollywoodgröße dürfte Coppola es wissen. In Hotelzimmern habe sie einen Großteil ihres Lebens verbracht, gesteht die ambitionierte Regisseurin freimütig in Interviews. Nach ihrem Erfolg „Lost in Translation“ scheint Einsamkeit ihr Motiv zu sein. Hatte ihr letzter Film jedoch noch einen Reiz, der maßgeblich von den charismatischen Hauptdarstellern Bill Murray und Scarlett Johansson ausging, so ist „Somewhere“ ein langweiliger Streifen mit einem nichtssagenden Hauptdarsteller und ein paar gefälligen Slapstick-Einlagen. Unbeteiligt schaut man sich den Film an und fragt sich, wen das eigentlich interessiert. Der abrupte Schluss kommt schließlich pädagogisch daher, wie mit dem Hammer. Als wollte Coppola auch dem letzten Zuschauer, der es bis dahin noch nicht kapiert hat, eintrichtern, dass so eine sinnfreie Seifenblasen-Existenz irgendwann zur Krise führt.

Am Ende dürfte sich der kluge Zuschauer fragen, wieso der sich sonst in keiner Sekunde selbst reflektierende männliche Filmheld plötzlich seine Existenz in Frage stellt und Ferrari-los von dannen zieht. Zumindest hinterlässt der Film eine Leere, die dem Alltag des Filmhelden nahe kommen dürfte. Eine Erfahrung, die man sich aber auch sparen kann.

Im Utopolis.


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