ELEKTRO: Wabernde Tonspuren

Fans von elektronischer Musik können demnächst mit den Solar Bears ein Stückchen abheben.

Gleißende Lichtspiegelungen auf dem Wasser, sich kräuselnde Flammen, eine Landschaft durchs Kaleidoskop betrachtet und Blumenaufnahmen in vergilbter Super8-Film-Optik – mit solchen Bildeindrücken wartet das psychedelische Video zu „She Was Coloured In“ im Internet auf. Untermalt wird die rauschhafte Bilderwelt von einem dazu passenden Soundtrack: Ein kosmisches Elektro-Intro, das zum Chillen einlädt, ein Ausflug in innere Welten. Noch spaciger und abgedrehter ist der Ambient-Klangteppich mit Vocoder-Singstimme in dem Song „Children Of the Times“, in dessen Video sich die Darsteller in Bienenkostümen in einer Biene-Maja-Welt tummeln. An Imagination fehlt es den beiden Iren John Kowalski und Rian Trench, die das Duo „Solar Bears“ bilden, also nicht. Am 6. Mai sind sie im Exit07 zu erleben.

Elektrosound vom Feinsten, ein bisschen abgehoben, mit lang ausgehaltenen Orgelklängen und dennoch oft sehr rhythmisch, ein Mäandern zwischen elektronisch Komponiertem und physisch eingespielten Rockfragmenten – das ist die Musik der Solar Bears. Schon der Name des Duos ist Programm, inspirierte es sich doch an dem russischen Science-Fiction-Film Solaris von Andrei Tarkovsky.

Bekannt wurden Solar Bears insbesondere mit ihrer Debüt-EP „Inner Sunshine“ sowie dem analog angehauchten Debütalbum „She Was Coloured In“, das beim, für seine digitalen Zukunftsvisionen bekannten, Label Planet Mu veröffentlicht wurde.

Während die EP „Inner Sunshine? in ihrem Stil belebt wirkt, haben die Klänge in der nahezu gesangsfreien Musik von „She Was Coloured In“, insbesondere dank der Verwendung von Vintage-Synthesizern und des Einsatzes alter Mehrspur-Tonband-rekorder, einen traumartig verblassten, manchmal durchaus melancholischen Appeal. Retroverwurzelte Ansätze werden hörbar – so erinnert das Stück „Primary Colours at the Back Of My Mind? mit seinen satten Gitarrenriffs an die schwülen Soundtracks der 1970er und „Head Supernova? an die kosmisch-harmonischen Synthieklänge der 1980er. Die Grenze zum Kitsch ist manchmal ziemlich nahe, zum Beispiel in dem an die englische New-Wave-Band New Order erinnernden Lied „Neon Colony?. Und auch wenn die Stücke durchweg gut gemischt sind, ähneln sie einander doch sehr stark. Das ist die hauptsächliche Kritik, die man gegen Solar Bears vorzubringen hätte. Und dass die irischen Bären zuweilen im eigenen Klangteppich zu versinken drohen.
Dennoch: Wer Elektromusik liebt, wird mit den Solar Bears im Exit07 sicher auf seine Kosten kommen. Zumindest hat er eine Gelegenheit, ein wenig abzutauchen.

Am 6. Mai im Exit07.


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