Ausstellung: Junge Kunst

Vor rund zwanzig Jahren fand die Vergabe des Kunstpreises Robert Schuman zum ersten Mal statt, seitdem kooperieren die vier teilnehmenden Städte – Luxemburg, Metz, Saarbrücken und Trier – über die Landesgrenzen hinweg. Dieses Jahr wurde der Preis mal wieder in Luxemburg vergeben, der Geburtsstätte des geistigen Vaters der Montanunion, dessen Name der Preis trägt. Dazu noch im frisch renovierten „Cercle“, der von 1952 bis 1967 Sitz des Ministerrates der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) war – auch wenn sich die Werke inhaltlich recht wenig mit der EU auseinandersetzen.

Es ist denn auch ein besonderes Erlebnis durch die verspiegelten, mit Stuck gestalteten Räume des Cercle zu wandeln und die Arbeiten von rund sechzehn unterschiedlichen, jungen KünstlerInnen der Großregion zu entdecken. Von Malerei, Skulptur über Installation und Video sind alle Genres vertreten. Die Gewinner des diesjährigen mit rund 10.000 Euro dotierten Kunstpreises stammen vor allem aus dem Bereich der Installation. So wurde der französische Performance-Künstler Mathis Collins für seine Bühne ausgezeichnet, die aus übereinander gestapelten Matratzen besteht, die auf Spazierstöcken lagern. Zweiter Preisträger ist der deutsche Klangkünstler Simon Rummel. Seinen Installationen sieht man an, dass sie in monatelanger Tüftelarbeit entstanden sind. So etwa das Mobile „Entwurf zur Harmonielehre“, bei der sich ein Dutzend im Raum hängende Orgelpfeifen teleskopartig vergrößern und verkleinern und auf diese Weise Töne erzeugen.

Für die Auswahl der Luxemburger KünstlerInnen beim Prix Schuman zeigte sich die Kuratorin Sabine Dorscheid verantwortlich: Die Parität und verschiedene Techniken von der Malerei bis zur Fotografie waren laut Dorscheid ausschlaggebend für ihre Wahl. Zu entdecken sind etwa die monumentalen Landschaftsbilder von Catherine Lorent im herrschaftlichen Treppenaufgang des Cercle, die untereinander mit violetten Textilbändern verbunden sind und als raumgreifende Gesamtinstallation verstanden werden wollen. Die Landschaften von Lorent wirken wie idyllische und verstörende Illusionen. Dieser Eindruck entsteht nicht nur durch die Wahl der Sujets – so malt Lorent brennende Wohnungen, eine Frau mit Männerbart oder thematisiert den biblischen Inzest von Lot mit seinen Töchtern – sondern auch durch die Malweise. Lorent grundiert ihre Bilder in einem ersten Arbeitsschritt mit greller Neonfarbe, wodurch sie eine besondere Leuchtkraft bekommen und setzt ihre Bildfelder in sogenannte Kartuschen, die ihre Aussagen noch verstärken.

Ebenso wie Lorent reagiert Danielle Scheuer – wenn auch in einer poppigeren Herangehensweise – auf ihre Umgebung. Die Collagen von Scheuer bestehen aus Versatzstücken einer scheinbar heilen Welt, die sie in Zeitschriften der 1960er und 1970er Jahre oder in alten Bildbändern oder Kochbüchern findet. Auch hier gerät die ideale Umgebung ins Wanken, so wird neben ausgestellten Collagen die historische Bleiverglasung im Peristyl als Untergrund benutzt, um ein hinter einem Kadaver stehendes Rehkitz aus Knetmasse darauf zu applizieren.

Abstrakter und unzugänglicher ist dagegen die Arbeit des Künstlers Christophe de la Fontaine, der für seine Installation gleich einen ganzen Raum braucht: Weiße Porzellanbehälter, die er ursprünglich für die Firma Rosenthal entworfen hat, werden auf einer Spiegelfläche zu säulenartigen Figuren gestapelt. Die Fotos von Armand Quetsch sind demgegenüber konkreter, auch wenn er in seinen Werkreihen mit Fragmenten arbeitet: Zu sehen sind acht Fotos unterschiedlicher Größe, mit oder ohne Rahmung, in schwarz-weiß oder in Farbe, die sukzessiv die Vergänglichkeit des Lebens thematisieren.

Insgesamt ist die Ausstellung zum Prix d’Art Robert Schuman eine abwechslungsreiche Schau, die den Besuch lohnt – auch wegen der interessanten Räumlichkeiten.

Prix d’Art Robert Schuman im Cercle Luxemburg noch bis zum 10. Juli


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