JUGEND HEUTE: Jugendliche Folklore

In der Luxemburger Jugendkonferenz fliegen die Fetzen. Der Vorsitzende will per Statutenänderung ein Alterslimit einführen. Das hätte auch gleich ein prominentes Opfer: seinen Vorgänger.

„Am Kader vun der Lëtzebuerger EU-Présidence déi éischt Halschent 2005 wärt d’CGJL och duefir suergen, datt d’Jugend an der Diskussioun net vergiess gëtt.“ Der Satz auf der Website der Conférence Générale de la Jeunesse Luxembourgeoise (CGJL) klingt vielversprechend. Die CGJL scheint sich einiges vorgenommen zu haben. Für die EU-Präsidentschaft hat sie eigens eine 24-jährige Portugiesin als „Presidency Officer 2005“ eingestellt. Sie soll die Aktivitäten der Jugendkonferenz und des Youth Forum während der Präsidentschaft koordinieren, unter anderem das „Youth Event“ vom 23. bis 26. April.

In den vergangenen Wochen hat die CGJL allerdings vor allem durch interne Querelen auf sich aufmerksam gemacht. Eine der beiden Hauptpersonen: der derzeitige Vorsitzende Charel Schmit. Der 32-Jährige hat das Amt erst seit März vergangenen Jahres angetreten. Einer der zehn im Vorstand der CGJL vertretenen Mitgliedsvereinigungen, die Union Nationale des Etudiant(e)s du Luxembourg (Unel), forderte in einem Pressekommuniqué vom vergangenen Samstag seinen Rücktritt. Schmit reagierte, indem er die Vertrauensfrage stellte. Seine Taktik ging auf: Das Exekutivbüro sprach ihm am vergangenen Montag bei einer kurzfristig einberufenen Versammlung mit sieben zu vier Stimmen das Vertrauen aus.

Schmits Widerpart ist dabei kein Geringerer als sein Vorgänger Théo Tibesart. Dem Unel-Delegierten wirft Schmit vor, dem „bon fonctionnement“ der CGJL im Wege zu stehen. Tibesart habe zunehmend ein unkollegiales Verhalten an den Tag gelegt, behauptet Schmit und fügt hinzu: „Seine Verbalinjurien gingen bis an die Grenzen des Erträglichen.“ Darüber hinaus würde Tibesart versuchen, den Erneuerungsprozess der CGJL abzuwürgen. Zu diesem zählt Schmit vor allem eine Verjüngungskur. Er will für die Delegierten im Exekutivbüro ein Höchstalter von 35 Jahren einführen. Dafür braucht Schmit aber bei der Generalversammlung am 18. März eine Drei-Viertel-Mehrheit.

Tibesart sieht sich persönlich angegriffen. „Das ist eindeutig gegen mich gerichtet“, kommentiert der 40-jährige Tibesart Schmits Vorschlag, der vom Exekutivbüro mit zehn Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme angenommen wurde. Das CSV-Mitglied Schmit wolle bloß einen Linken „abschießen“, wie es Tibesart formuliert. Doch damit nicht genug: Der CGJL-Vorsitzende forderte zudem von der Unel, Tibesart als Delegierten zu ersetzen,“en vue de ne pas perdre la qualité de membre de l’association par expulsion pour motifs graves“.

Alters Ego

Für Unel-Präsident Luc Ramponi geht dies als ein Eingriff in die Entscheidungsgewalt der Studentenorganisation zu weit. Zwar hat er nichts gegen eine Verjüngungskur in der Jugendkonferenz. Schließlich sind mehr als die Hälfte der Mitglieder des Vorstandes über 30 Jahre alt. „Wenn es ein Höchstalter geben soll, warum es dann nicht gleich bei 30 festlegen?“, so der in Zürich studierende Luxemburger.

Die Unel hatte am vergangenen Wochenende ein Pressekommuniqué veröffentlicht, in dem sie eine Liste von Vorwürfen gegen Schmit aufstellte. Nicht Tibesart, sondern der jetzige Vorsitzende selbst sei derjenige, der dem guten Funktionieren der CGJL im Wege stehe. Nicht zuletzt sei es Schmits Inkompetenz zu verdanken, so die Unel, dass das Europäische Jugendforum nicht wie geplant in Luxemburg stattfindet. Der CGJL-Vorsitzende habe zudem einige wichtige Treffen unter anderem mit Abgeordneten des Parlaments versäumt.

Auch die Vorbereitung des „Youth Event“ im Rahmen der luxemburgischen EU-Präsidentschaft lässt laut Unel völlig zu wünschen übrig. Bis jetzt gebe es kein richtiges Konzept. Stattdessen ziehe Schmit eigene Projekte wie zum Beispiel das „projet citoyenneté“ vor.

„Ich streite alles ab“, sagt Schmit zu den Vorwürfen. Zu der Behauptung, er sei nicht zu wichtigen Treffen erschienen, meint Schmit, er habe sich dort vom Generalsekretär der CGJL vertreten lassen. Dass das Europäische Jugendforum von Luxemburg nach Brüssel verlegt wurde, liege nicht an ihm, sondern sei eine Entscheidung des „Youth Forum Jeunesse“ gewesen. Dieses gibt ihm Recht. In einem Schreiben vom 25. Januar bestätigt die Brüsseler Zentrale: „Unel’s statement that the Youth Forum Comem will not take place in Luxembourg because the President of CGJL, Charel Schmit, was incapable of proposing a realistic framework is not true.“

Mobbing statt Lobbying

Das Jugendforum wurde demnach abgeblasen, weil die luxemburgischen Hotels für die Zeit der EU-Präsidentschaft ihre Preise erhöht hatten. „Unsinn“, entgegnet Tibesart. Schmit habe sich viel zu spät um die Hotels für die rund 180 Gäste bemüht. Schon im Dezember seien die meisten ausgebucht gewesen. Außerdem habe Schmit es abgelehnt, mit finanzieller Unterstützung des Staates für rund 15.000 Euro einen Kopierer für das CGJL-Büro in der Galerie Kons anzuschaffen. Er wolle nicht, dass dieses als Copy-Shop benutzt werde, erklärt Schmit. Stattdessen solle mit Geldern vom Staat mehr „Lobbying für die junge Generation“ betrieben werden. Die Unel spricht jedoch in einem ihrer schwerwiegendsten Vorwürfern eher von Mobbing statt Lobbying. Sie wirft Schmit „harcèlement moral“ gegenüber dem CGJL-Personal vor. „Er zwingt seine Mitarbeiter dazu, auf seiner Seite zu stehen und verpasst ihnen einen Maulkorb“, behauptet Tibesart.

In der Tat ist in einer CGJL-internen Mail davon die Rede, er würde Druck auf die drei Angestellten ausüben. Zudem zwinge Schmit ihnen „une charge de travail et un horaire dépassant tout cadre normal“ auf, so der Unel-Vertreter. Die CGJL-MitarbeiterInnen hätten sich für „le bon camp“ zu entscheiden. Das Gegenteil sei der Fall, meint hingegen Schmit. „Tibesard betreibt bei den Mitarbeitern eine regelrechte Gehirnwäsche.“ Schmit betont, er habe ein gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern.

An den Vorwürfen gegen Schmit sei etwas dran, bestätigt Maurice Losch, der Déi Jonk Gréng im CGJL-Vorstand vertritt. Er warnt aber zugleich vor „zu starker Schwarz-Weiß-Malerei“. Auch Losch spricht sich für ein Alterslimit aus. Es gebe aber auch Wichtigeres: Der Grüne bemängelt an der jetzigen Zusammensetzung der CGJL, dass viele Jugendorganisationen darin gar nicht vertreten sind. „Vor allem ausländische Jugendliche fehlen“, sagt Gary Diderich, für Life Project im Vorstand der Jugendkonferenz, und verweist dabei unter anderem das Comité Spencer oder die ASTM-Jugend.

Im CGJL-internen Machtkampf dürfte dies aber momentan weniger eine Rolle spielen. Zum Showdown kommt es dann bei der Generalversammlung: Für den Fall, dass die Statuten geändert werden, stellt Schmit sein Amt zur Verfügung. Hauptsache, Théo Tibesart ist nicht mehr dabei. Der sieht sich nach Schmits Worten sowieso „als Messias der luxemburgischen Jugendlichen“. Unterdessen meint sein Kontrahent: „Irgendwie ist das Ganze nur noch eine Folkloreveranstaltung.“


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