TERRORANSCHLÄGE IN DEN USA: Deeskalation ist der einzige Weg

Die schlechteste Antwort auf die Attentate von Washington und New York wären militärische Gegenschläge, die weitere Unschuldige treffen.

„Dritter Weltkrieg“, „Kriegserklärung an die zivilisierte Welt“, „Pearl Harbour des 21. Jahrhunderts“… die Superlative in den offiziellen Stellungnahmen zu den terroristischen Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington klingen auch am dritten Tag danach nicht ab. Tatsächlich übertrifft die Tat in ihrer zielgenauen Ausführung und in ihrem Ausmaß an materiellem Schaden und besonders an menschlichem Leid wohl alles bisher da Gewesene.

Die restlose Zerstörung des berühmtesten Symbols der amerikanischen Wirtschaftskraft und die Ermordung zig-tausender Menschen auf einen Schlag, sie werden das politische Gesicht der Welt verändern. Bei aller verständlicher Empörung und angesichts der Sinnlosigkeit einer solchen Tat, bleibt doch eines prioritär: Der Eskalation der Situation, wie sie von den Terroristen herbeigeführt wurde, muss Einhalt geboten werden.

Terroristische Akte sind immer auch eine Provokation. Der Gegenseite soll gezeigt werden, dass sie nicht unverwundbar ist. Es geht aber auch darum, gezielt eine Reaktion hervorzurufen. Der Konflikt soll sich ausweiten, damit auch andere, bisher nicht Beteiligte nicht umhin können, sich der einen oder anderen Seite anzuschließen.

Diese Logik der Eskalation ist nur mit Besonnenheit zu durchbrechen. Anders als bei Pearl Harbour handelt es sich bei den Attentaten des 11. September eben nicht um eine Kriegserklärung. Jedenfalls nicht in dem Sinn, dass irgendein Staat in der Welt offen zum Schlagabtausch mit den USA aufruft. Mit Ausnahme der irakischen Führung haben sämtliche Regierungen – auch solche, die sich in einer Konfliktsituation mit den USA befinden – die Attentate aufs Schärfste verurteilt.

Auch wenn die schier grenzenlose Gewalt, die hier zum Tragen gekommen ist, sich durch nichts rechtfertigen lässt: Hier handelt es sich um einen Prozess, der seine Ursachen in gesellschaftlichen und politischen Problemen findet, die bislang nicht mit genügender Überzeugung bekämpft wurden. Es geht dabei nicht nur um die Frage nach einer Regelung im Nahen Osten, sondern auch um die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der ganzen Welt. Nur sie bieten den Nährboden für einen Terrorismus, der sich um so leichter die Symbole des Reichtums im Norden zum Ziel nehmen kann.

Die Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts waren in diesem Sinne eine Epoche der Rückschläge, wo in einer sich immer mehr globalisierenden Welt eine Umverteilung von unten nach oben zu verzeichnen war.

Die falscheste Antwort auf die Attentate in den USA wären militärische Schläge, die weitere Unschuldige treffen. Sie würden zu einem ähnlichen Ohnmachtsgefühl bei den so Abgestraften führen, wie es jetzt die Familien der Opfer in New York und Washington verspüren. Es geht aber nicht darum, weitere Ohnmacht zu schaffen, sondern allen eine Perspektive aufzuzeigen, die ein friedliches, aber auch gerechtes Nebeneinander ermöglicht. Die Tatsache, dass die Liste der Länder stündlich länger wird, die an der Seite der USA zum Gegenschlag ausholen wollen, ist in dieser Hinsicht kein gutes Zeichen – und auf keinen Fall Ausdruck einer „zivilisierten Welt“. Jetzt den „starken Mann“ zu markieren – und der amtierende amerikanische Präsident ist dafür sicherlich anfällig – könnte den Weltfrieden ernsthaft in Gefahr bringen. Die Rechnung der Terroristen in den gehijackten Zivilmaschinen würde gleich doppelt aufgehen.


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