GRUPPENAUSSTELLUNG: Das letzte Gefecht

Es hat den Anschein, als sollte hier ein eher schleichender Übergang stattfinden von einem Zeitabschnitt in den nächsten. Doch auch wenn die Signale zuerst marginal erscheinen, zeichnet sich doch ein drastischer Schritt ab, der gerade in der Galerie Beaumontpublic vollzogen wird.

Die Direktorin Martine Schneider-Speller will sich Freiräume schaffen, sich frei strampeln von den Gepflogenheiten, Bindungen und den damit verbundenen Pflichten, die der Betrieb einer zwar zeitgenössischen, aber doch klassischen Galerie mit sich bringt. Konsequent hat sie daher bereits ihre vor etwas mehr als zehn Jahren in der zweiten Reihe der avenue Gaston Diederich gegründete Galerie in „espace beaumont“ umbenannt und darüber hinaus auch die Öffnungszeiten auf drei Tage in der Woche von Donnerstag bis Samstag verkürzt. Das klingt nach Rückzug, doch ihr anvisiertes Ziel ist es, einen Raum zu schaffen, der wieder die Kunst in den Vordergrund hebt und dieser den ihr zustehenden Vorrang vor dem mit Ausstellungen immer verbundenem Happening einräumt. So führt der Weg quasi aus der Öffentlichkeit mehr ins Private, vielleicht im besten Sinne Elitäre. Darin äußert sich auch eine Kritik am aktuellen Kunstbetrieb, in dem die Kunst selbst zum Mittel zum Zweck des Sehens-und-gesehen-Werdens verkommt. Kunst und Künstler werden nur noch gönnerhaft wahrgenommen beim Stehempfang mit Schampus und Schnittchen und bleiben auch dann viel zu oft nur im Hintergrund laufende Fahrstuhlmusik.

Man mag einräumen, dass die Künstler als die Selbstdarsteller, die sie oft genug sind, selbst ihren Teil zu dieser Spirale beigetragen haben. Dass schon immer und in unserer Zeit in noch viel stärkerem Maße, die sozialen Kontakte über Wohl und Wehe nicht nur einer künstlerischen Karriere entscheiden. Dass es gerade die Happenings sind, die großen Aktionen, aber eben auch die Vernissagen, die erst die öffentliche Aufmerksamkeit – wie breit oder eng gefasst diese auch sein mag – auf aufstrebende Talente ziehen. Und vor allem, dass es dem Künstler selbst den Bauch pinselt sich bei der Präsentation seiner Arbeiten im Rampenlicht stehen zu sehen.

Kann seine Kunst also überhaupt losgelöst vom Künstler betrachtet werden? Die aktuelle Ausstellung mit dem Titel „Curated by…“ ist kein Abgesang, eher ein als Ausblick konzipierter Rückblick. Dazu hat die Galerie in vollen Zügen aus nahezu allen Bereichen der zeitgenössischen Kunst geschöpft und präsentiert Werke von zwölf internationalen Künstlern, die allesamt ihren Weg gemacht haben oder noch gehen werden. Es handelt sich freilich nicht zwangsläufig um deren bekannteste, aber sehr wohl charakteristische Arbeiten. So ist etwa Marina Abramovic vertreten, die spätestens 2010 durch ihre Performance im New Yorker Moma weltweit Beachtung fand, als sie insgesamt 721 Stunden auf einem Holzstuhl saß und schwieg. Oder der kontrovers diskutierte Wiener Aktionskünstler Hermann Nitsch mit einigen seiner Schüttbildern. Sehr beeindruckend ist auch eine Arbeit des Ehepaars Anna & Bernhard Blume, aber auch die anderen Ausstellungsstücke stehen diesen in Nichts nach.

Die vermeintliche Schwäche der Ausstellung ist dabei ihre größte Stärke: das Fehlen von Informationen. Entstehungszeit, Künstler, Titel, all das wird offen gelassen. Vielleicht kennt man sich aus, vielleicht rät man. Letztlich hat der Fehler Methode und gewährt dem Besucher Freiräume in der Beurteilung, der Interpretation oder schlicht dem Genuss der Arbeiten. Fast scheint es, als stünde man ihnen näher. Mit dieser letzten Ausstellung nach nur scheinbar herkömmlichen Konzept hat die Galerie Beaumont public ein Feuerwerk abgebrannt, das hoffentlich nicht einfach nur schnöde verglüht. Wie es genau weitergeht mit dem „espace beaumont“ wird die Zeit zeigen, aber die Aussicht ist gut.

In der Galerie Beaumontpublic, noch bis zum 23. Dezember.


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