NEUGIERIGE SUCHMASCHINE: Wer suchet, der zeiget

„Kannst du ja mal googeln!“ Ein weit verbreiteter Ratschlag, wenn man Informationen aus dem Internet einholen will. Wenige Nutzer machen sich klar, dass sie beim Eintippen der Suchbegriffe auch private Daten preisgeben.

Der Nigersaurus taqueti: elefantengroß, Riesengebiss mit über 500 Zähnen, und trotzdem ausgestorben.

Suchmaschinen helfen, das im Internet verfügbare Wissen zu erschließen. Zu diesem Zweck durchforsten sie mithilfe von speziellen Programmen unablässig das Internet und speichern Informationen von gefundenen Seiten in einer eigenen Datenbank. Wenn Nutzer eine Suchanfrage starten, greifen sie so gewissermaßen auf Hunderte von Millionen Seiten zu.

Allerdings hinterlassen sie dabei Spuren – die eingegebenen Suchbegriffe werden nämlich gespeichert. Manchmal handelt es sich um relativ unverfängliche Dinge, etwa Reisepläne oder den Musikgeschmack betreffend, manchmal aber auch um sehr private und heikle Angelegenheiten, wie zum Beispiel Krankheiten. Wenn also ein Nutzer wiederholt nach einem Medikament, etwa gegen Bluthochdruck, sucht, so wird das von der Suchmaschine erkannt. Und da auch seine IP-Adresse registriert ist, weiß die Suchmaschine, wer da gerade sucht und wonach dieser Nutzer in der Vergangenheit schon gesucht hat. So ist es kein Problem, ein präzises Interessenprofil zu entwerfen – und kein Zufall, wenn plötzlich wie von Geisterhand Werbung für ein Bluthochdruckmittel auf dem Bildschirm erscheint.

Der Suchmaschinen-Primus Google speichert Sucheingaben 18 bis 24 Monate lang. Schon früher machte Firmenchef Eric Schmidt kein Geheimnis aus seiner Absicht, möglichst viele persönliche Daten zu sammeln. Auf ihrer Grundlage könne er den Nutzern in Zukunft sagen, welchen Job sie annehmen und was sie am nächsten Tag machen sollten. Im Jahr 2007 kaufte das Unternehmen die Firma DoubleClick auf, die Marktführer beim Internet-Marketing und damit ein potenzieller Verwerter von Nutzerprofilen war.

Anonym ist machbar

Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz im norddeutschen Kiel, zählt Google zu den invasiven Vertretern der Suchmaschinen. Aber was macht die Firma eigentlich mit den gespeicherten Informationen, den IP-Adressen und Suchabfragen? „Wir wissen nichts Genaues“, sagt der Datenschützer. Die allgemeinen Datenschutzerklärungen legten allerdings den Schluss nahe, dass anwendungsübergreifende Auswertungen erfolgen, dass Google also die gesammelten Daten weiterverwertet. Zulässig ist das nicht: „Die Europäische Datenschutzrichtlinie verbietet jede Form der ökonomischen Auswertung von Nutzerprofilen.“

Eine wirkliche Kontrolle sei in Deutschland und Europa mit den bestehenden rechtlichen Regelungen nicht möglich, weil die Verarbeitung in den USA erfolgt. Aus diesem Grund legte die Artikel-29-Arbeitsgruppe der europäischen Datenschützer qualitative Anforderungen an Suchmaschinen fest, zum Beispiel bezüglich der Transparenz und der Löschfristen. Weichert: „Während Microsoft mit seinem Bing darauf eingegangen ist, sind Googles Reaktionen wenig ermutigend. Immerhin haben wir es geschafft, von Google überhaupt Zusagen zu Löschfristen zu erhalten.“

Auch wenn es gute Gründe gibt, Google nicht allzu sehr zu vertrauen: In Deutschland besitzt die Suchmaschine immer noch einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent. Dabei gibt es durchaus anonym arbeitende Alternativen, die überhaupt keine Datenspuren zurücklassen. Ixquick, die von ihren Entwicklern als die „diskreteste Suchmaschine der Welt“ bezeichnet wird, ist eine von ihnen. Das Unternehmen speichert keine IP-Adressen. Die einzige Ausnahme sind automatisierte Anfragen, bei denen das Portal in sehr kurzer Zeit mit vielen Anfragen bombardiert wird. Im Jahr 2006 schaffte Ixquick auch die ID-Cookies ab. Ein Cookie ist ein kleines Datenpaket, das auf der Festplatte des Computers abgelegt wird und fürSuchmaschinen als Erkennungscode dienen kann. Anstelle der ID-Cookies verwendet Ixquick anonyme Cookies für die Speicherung von Sucheinstellungen. Das Cookie verfällt, wenn die Suchmaschine 90 Tage lang nicht benutzt wurde. Ixquick sammelt und speichert lediglich Informationen zum Browsertyp, zum Betriebssystem und zu Datum und Uhrzeit des Besuchs. Suchanfragen aus Europa werden nur an Server in den Niederlanden weitergeleitet, nicht an die in den USA. Weichert: „Wir haben Ixquick überprüft und können den Dienst uneingeschränkt empfehlen.“

Wer auf Datenschutz achten, aber nicht ganz auf Google verzichten möchte, dem könnte das von dem texanischen Google-Kritiker Daniel Brandt entwickelte Suchportal „Scroogle“ weiterhelfen. Anfragen werden, bevor sie an Google gehen, an einer Schnittstelle gefiltert. So bleibt der Suchmaschine verborgen, welcher Nutzer wonach sucht. Die Rechte liegen bei dem gemeinnützigen Unternehmen Public Information Research, das auch hinter „Google Watch“ steckt. Die Kieler Datenschützer wollen die Vertrauenswürdigkeit von Scroogle allerdings noch nicht beurteilen, da sie zu wenig Informationen hierzu haben. Ein Besuch lohnt sich aber in jedem Fall: Scroogle blendet nicht nur die Werbeanzeigen aus, es zeigt auch Google-kritische Cartoons.

https://www.ixquick.com/
https://ssl.scroogle.org/cgi-bin/scraper.htm


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