JAZZ: Jenseits der Folklore

Der libanesische Oud-Spieler Rabih Abou-Khalil, der einen weiten Bogen von arabischer Folklore zu mitteleuropäischer Musiktradition spannt, ist schwer zu kategorisieren aber noch schwerer zu überhören.

Rabih Abou-Khalil, ein musikalischer Grenzgänger.

„Rabih Abou-Khalil experimentiert nicht, er sucht. Es ist eine rhythmusgetriebene, in Traditionen getränkte Suche: Arabische Musik, Jazz, Blues ?“, so urteilte ein Kritiker über den libanesischen Komponisten, Oud-Spieler und Jazzmusiker Rabih Abou-Khalil. Passender lässt sich die Herangehensweise des Musikers nicht auf den Punkt bringen, der sich nicht einfach in eine Kategorie schieben lässt, ob nun Crossover, Fusion oder doch einfach Ethno-Jazz. Zu entdecken ist das Ausnahmetalent in Begleitung von Luciano Biondini am Akkordeon, Gavino Murgia am Saxophon, Michel Godard an der Tuba, und Jarrod Cagwin an den Drums nächstes Wochenende in Düdelingen im Kulturzentrum „opderschmelz“.

Mittlerweile blickt der Libanese auf eine lange Karriere zurück. Angefangen hatte alles mit dem Studium der arabischen und westlichen Musik an der Beiruter Kunstakademie. 1978 flüchtete er vor dem libanesischen Bürgerkrieg nach Deutschland, wo er Querflöte studierte. Sein Hauptinstrument aber blieb die orientalische Kurzhalslaute Oud, die in der arabischen Welt ungefähr so populär ist wie bei uns Gitarre oder Klavier. Ausgehend von der arabischen Musiktradition hat er sich auf dieser Laute zum Jazz hin bewegt. Seine komplexen Kompositionen integrieren arabische Metren und Tonskalen ebenso wie ausgedehnte Improvisationen. Sie berufen sich auf durchkomponierte Melodieabläufe ebenso wie auf freie Fingerübungen, ständige Taktwechsel, und fortwährende Verschiebungen, die das Klangbild bestimmen. Während Rabih Abou-Khalils Musik vielen libanesischen Zuhörern zum Teil nicht traditionell genug ist, ist sie anderen zu eigensinnig.

Welchen Schwerpunkt Rabih Abou-Khalil in seine Darbietungen legt, hängt viel vom Begleitinstrumentarium ab. So arbeitet er bevorzugt mit internationaler Besatzung wie dem Kronos Quartet, dem Ensemble Modern oder bekannten Jazzmusikern zusammen. Zum Einsatz kommen dabei zum Teil auch seltenere Instrumente, die für ein außergewöhnliches Klangerlebnis sorgen, wie etwa die armenische Schalmei (Duduk) oder das Serpent, ein Renaissance-Blasinstrument aus einem schlangenförmig gewundenen und mit Leder überzogenen Holzrohr.

Rabih Abou-Khalil hat schon vieles ausprobiert, er kann mittlerweile auf eine Diskographie von nahezu 20 CDs zurückblicken. „Die Musik ist für mich eine Sinnlichkeitserfahrung. Und zwar über die fünf Sinne – ich glaube, daß die Momente des größten Glücks diejenigen sind, in denen man soviel von seinen Sinnen zusammenfügt wie möglich. Wenn etwas gleichzeitig gut aussieht, gut riecht, sich gut anfühlt, und gut anhört (…)“, so der Musiker einmal in einem Interview. Zumindest regt seine Musik den Hörer zur Erforschung seiner eigenen Phantasiewelt an – auch wenn die Improvisationen nicht die Sache eines jeden sind.

Am diesem Freitag, den 13. April in Düdelingen Opderschmelz


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