JAZZ: Impro-Gurus

Die Namensänderung von „Coltrane’s Wig“ in „Medeski, Martin & Wood“ ist die einzige Enttäuschung, die sich das Jazz-Trio in ihrer zwanzigjährigen Karriere geleistet hat.

Erfinden den
Jazz neu: Medeski, Martin & Wood.

Das unkonventionelle Trio, auch kurz MMW genannt, wurde 1991 in Brooklyn gegründet und ist für seine unendlich kreative Spielart des Jazz bekannt, die meist auch Elemente aus anderen Musikstilen wie Funk, Hip Hop, Drum’n’Bass und Elektro enthält. Die Neugier gegenüber anderen Genres führte zu unzähligen Kollaborationen der Band und einzelner Bandmitglieder mit verschiedensten Musikern von DJ Logic über Iggy Pop bis zu Natalie Merchant. So hat sich das Trio in den letzten zwanzig Jahren eine Fangemeinde erarbeitet, die weit über ein „klassisches“ Jazzpublikum hinausgeht.

Besonders auffällig ist die Liebe MMWs zu Live-Improvisationen und die Selbstverständlichkeit, mit der die Musiker Avantgarde-Jazz und leichte zugängliche, groovige Melodien vereinen. Die Selbstsicherheit, mit der sich das Trio an kreative Interpretationen von Standards und eigenen Kompositionen wagt, rührt von der Liebe zur Musik und dem frühen Erlernen der Instrumente her. Aber auch von der soliden bis klassischen musikalischen Ausbildung, ohne die sie nicht die technischen Mittel gehabt hätten, um zu wahren Impro-Gurus zu avancieren.

Pianospieler John Medeski und Bassist Chris Wood besuchten das New England Conservatory of Music in Boston, wo insbesondere Improvisation und Ausbildung der persönlichen Klangsprache der Schüler gefördert wurden. Schlagzeuger Billy Martin studierte kurzzeitig an der Manhattan School of Music und wurde dann von verschiedenen prominenten Musikern der New Yorker Jazzszene weiter gefördert.

Wood und Medeski ließen sich in New York nieder, um bei Jazzbands anzufangen, waren aber bald enttäuscht von den Beschränkungen, die dies für ihren persönlichen Ausdruck bedeutete. Medeski verglich die Jazzszene sogar mit dem Zombiefilm „Die Nacht der lebenden Toten“. Kurz darauf stellte der Schlagzeuger Bob Moses den beiden seinen Schüler Billy Martin vor und es entwickelte sich eine sofortige Verständigung, eine Art Symbiose der Spielarten.

Nach ersten Auftritten im New Yorker Jazzclub Village Gate entstand 1992 das erste, rein akustische, Album „Notes from the Underground“. Mit dem Touren vergrößerte sich die Instrumentenauswahl – es kamen E-Bass und Hammond-Orgel, aber auch Alltagsgegenstände, die einen besonderen Klang erzeugten, hinzu. Der Einfluss des Hip Hop, der auf den ersten Alben immer wieder auftauchte, wurde auf ihrem erfolgreichsten Album „Shack-Man“ von 1996 zum wegweisenden Stilelement, dessen musikalischer Rahmen zwei Jahre später mit „Combustication“ in Zusammenarbeit mit DJ Logic weiter gesprengt wurde.

Innovativ ist nicht nur die Musik von MMW, sondern auch ihre Herangehensweise. So entstand 2008 bis 2009 die Album-Trilogie „Radiolarians“, bei der die Songs für die jeweilige Toursaison erst geschrieben, dann aufgeführt und schließlich aufgenommen wurden. Dieses ständige Umwerfen des Status Quo ist das Leitmotiv des Trios. Auf die Frage, inwiefern sich die Musik der Band seit 1992 verbessert hat, antwortete Medeski in einem Interview: „Unser Vokabular hat sich vergrößert. Unsere Sprache hat sich aufgefächert; wir haben eine größere Palette für Improvisationen“.

Im Rahmen ihres zwanzigjährigen Bestehens hat die Band angekündigt, altes Material neu aufzuarbeiten. Eins ist sicher: Es wird anders werden, als man es sich vorstellt!

„Medeski, Martin & Wood“ spielen am 3. Mai in Düdelingen im Centre Culturel Opderschmelz


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