MARK ANDREWS: Glücklich, auch ohne Prinz

Brave rechnet zwar mit den traditionellen Disney-Geschlechterkonventionen ab, doch leider ist die Handlung dafür sehr flach und phantasielos.

Die moderne Prinzessin kreuzt auch schon gerne mal die Klinge mit den Rabauken.

Am Tag, an dem King Fergus seiner Tochter Merida einen Bogen schenkt, verliert er ein Bein. Daran ist jedoch nicht die Kleine schuld, sondern ein hungriger Bär, der Merida angreift nachdem sie Irrlichtern in den tiefen Wald hinterher rannte. Fergus schlägt das Biest in die Flucht, wird aber dabei verletzt. Jahre später hat sich die Familie vergrößert, denn die Queen hat durchtriebene Drillinge zur Welt gebracht, mit denen das Königshaus alle Hände voll zu tun hat. Merida jedoch ist am glücklichsten, wenn sie einmal für ein paar Stunden lang nicht zur Thronfolgerin heran trainiert wird, sondern auf ihrem Pferd Angus durch den Wald reitet und mit ihrem Bogen schießt. Doch ihre Mutter wähnt dieses Verhalten unangebracht für eine Prinzessin. Als die Mutter der Teenagerin erklärt, dass bald die erstgeborenen Söhne der Clans in den Highland-Spielen um ihre Gunst kämpfen werden, ist die Prinzessin außer sich, denn sie will ihre Zukunft selbst bestimmen. Merida wehrt sich gegen die Tradition, doch die Mutter bleibt stur.

Als es zu den Spielen kommt, und keiner der linkischen Söhne den Vorstellungen der Prinzessin entspricht, ergreift die junge Bogenschießerin drastische Maßnahmen. Sie zerreißt den Familien-Wandteppich und erwirbt einen Zauberspruch bei einer Hexe, der sie im Wald begegnet. Durch diese Aktionen verschlimmert sich wie erwartet die Situation, und Merida erfährt von einem alten Fluch, der sich nun auch über ihre Familie zu legen droht. Kann sie ihre Fehler rückgängig machen und wieder Harmonie ins Königshaus bringen?

Pixar hat sich endlich getraut einen Film mit einem Mädchen als Hauptfigur herauszubringen. Nach „The Hunger Games“ setzt das Studio nun auch auf eine selbstbewusste Heldin, die ihr eigenes Schicksal in die Hand nimmt. Anders als Catniss muss die schottische Merida jedoch niemanden töten, denn „Brave“ richtet sich an ein jüngeres Publikum. Die traditionelle Prinzessinnenstory, wie man sie aus Disney-Filmen kennt, erleben die Kleinen hier trotzdem nicht. Das Mädchen mit dem wilden Rotschopf will Bogen schießen und reiten, auf einen Prinzen wartet sie nicht, schon gar nicht auf einen, den sie sich nicht selbst aussuchen kann. Die Familie und die Clans, also die Gesellschaft, nehmen diesen Wunsch nach Emanzipation leider nicht ernst. Am Ende kann sich Merida zwar behaupten, doch von einer neu gewonnenen Selbständigkeit erfährt man nichts. Trotzdem bietet „Brave“ eine moderne und erfrischende Alternative zu den vielen Disney-Filmen, die einzig und allein eine Hochzeit als Happy End erlauben. Auch ist der Film teilweise sehr lustig, denn die putzigen Drillinge, die eigentlich nur als sehr stumme Nebenfiguren wirken, sorgen in einigen Szenen für lautes Auflachen im Kinosaal. Die Grafik ist, wie gewohnt bei Pixar, atemberaubend und zeigt Schottland in einem sehr schmeichelhaften Licht. Zumal die Highlands in der Filmwelt vor allem wegen kahl rasierten Junkies – wie in „Trainspotting“ – oder schwertschwingenden Kämpfern bekannt waren, war die schottische Tourismus-Behörde wohl sehr entzückt vom Film und warb sogar in einem Werbespot für das Land, „das Brave inspirierte“. Enttäuschend ist die sehr simple Handlung, die zwar einige spannende Momente erlaubt, jedoch schnell ein wenig dünn wirkt. Zudem sind einige Figuren im Film sehr flach, vor allem die Mutter, die ja doch eine der Hauptfiguren ist. Von der Hexe erfährt man nicht viel, auch verschwindet sie sehr abrupt aus der Geschichte. All dies sehen viele als Konsequenz von Disneys Übernahme von Pixar, dessen Filme nun einfallsloser wirken. „Brave“ kann mit der simplen und etwas unoriginellen Story phantasievollen Filmen wie „The Incredibles“ und „Toy Story“ jedenfalls nicht das Wasser reichen. Trotzdem ist Brave unterhaltsam und bereits wegen der alternativen Handlung im Vergleich zu traditionellen Disney-Filmen sehr sehenswert. Außerdem ist der Kurzfilm „La Luna“ zu Beginn des Films bereits das Eintrittsgeld wert.

Im Utopolis, Starlight, Ariston, CinéBelval, Kinosch, Kursaal, Scala, Sura, Orion und Prabbeli.


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