ENERGIEPASS: Aus Alt wird Neu

Viele alte Gebäude sind schützenswert – energieeffizient sind sie dagegen oft nicht. Der Weg zum Energiepass ist jedoch oft mit Hindernissen gepflastert.

Gewusst wie – Isolieren und das Gesicht des Hauses wahren, sind zwei Seiten einer Medaille.

„Denkmalschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die jeden etwas angeht und die zur Lebensqualität in den Ortschaften beiträgt“, so Kulturministerin Octavie Modert diese Woche anlässlich der Vorstellung des Programms der „Journées du patrimoine“, die unter dem Motto „Ierwen a weiderginn. Répérer et protéger“ stehen. Neben einer Ausstellung in der „Fondation de l’architecture“ umfasst das diesjährige Programm Stadtführungen sowie Hausbesichtigungen bei Privatpersonen. Denkmalgeschützte Häuser sollen einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden, auch um zu zeigen, dass man in diesen gut leben kann.

Neben dem Staat komme auch den Gemeinden eine wichtige Rolle bei dem Bemühen zu, das über Jahrhunderte gewachsene Kulturerbe zu sichern, betont Modert. Gerade der überarbeitete „Plan d’aménagement général“ (PAG), den alle Gemeinden bis 2013 umgesetzt haben müssen, sei ein wichtiges Instrument, um lokale Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Die Gemeinden wüssten zudem oft am besten über die Sozialgeschichte und die Bedeutung der einzelnen Gebäude ihrer Lokalität Bescheid. Einheitliche Kriterien beim PAG sollen das Vorgehen der Gemeinden beim Ausfindigmachen schützenswerter Häuser erleichtern. In diesem Zusammenhang hätten binnen der letzten drei Jahre bereits rund 300 Ortsbegehungen, durchgeführt von Mitgliedern der staatlichen Denkmalschutzbehörde und Gemeindevertretern, stattgefunden. Ein Musterbeispiel für gelungene Sondierungen und Schutzmaßnahmen durch den PAG sei die Gemeinde Betzdorf. Neben den Möglichkeiten, die der PAG bietet, wurden bisher rund 900 Gebäude aufgrund nationaler Maßnahmen geschützt, Elemente, die nun klassiert oder sich auf dem sogenannten „inventaire supplémentaire“ befinden.

Denkmalschutz – fortschrittsfeindlich?

„Denkmalschutz ist keine repressive Maßnahme und er ist nicht fortschrittsfeindlich. Wenn ein Gebäude geschützt ist, bedeutet das nicht, dass nichts mehr in den Häusern verändert werden kann“, unterstreicht Modert. Damit der Denkmalschutz lebendig bleibt, müsse in den betroffenen Häusern gelebt werden können – deshalb müssten die alten Gebäude auch an heutige Anforderungen, zum Beispiel energetische Effizienz, angepasst werden können.

Letztlich nur eine Wunschvorstellung? Um die Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz von Wohngebäuden zu beschleunigen und den Energieverbrauch sowie die Emissionen von Treibhausgasen in diesem Bereich zu reduzieren, ist am 1. Januar 2008 im Rahmen einer EU-Richtlinie die Luxemburger Energieeffizenzverordnung für Wohngebäude in Kraft getreten. Sie bildet die gesetzliche Grundlage des Energiepasses für Neubauten und bestehende Wohngebäude.

Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit für alten Baubestand, beim Energiepass, der Auskunft gibt über den ermittelten Energiebedarf eines Gebäudes sowie über seine CO2-Emissionen und der Energieeffizienzklassen für Gebäude vorsieht – von A (beste Klasse) bis I (schlechteste Klasse) -, sofort gut abzuschneiden, eher gering.

Ältere Immobilien haben einen wesentlich höheren Heizenergieverbrauch als neue Häuser, hinzu kommen mit den Jahren auftretende Schäden, die an die Substanz gehen, wie Setzungserscheinungen, Frostschäden, Risse usw. Der Umbau von alten Wohngebäuden im Sinne der Energieeffizienz erbringt längerfristig also Einsparungen. Doch leider kann nicht jeder sich eine solche energetische Aufrüstung leisten. Und häufig steht diese nicht im Einklang mit den Forderungen des Denkmalschutzes.

Eine Möglichkeit, die Stufen des Energiepasses zur Bestnote zu erklimmen, besteht in der Außendämmung. „Diese Technik ist nicht sehr empfehlenswert für den Altbau, da sie im Grunde die schönen Charakteristika einer Hausfassade, wie die steinernen Umrahmungen der Fenster oder Türen, quasi zuklebt“, so Isabelle Yegles vom Fonds de rénovation auf Nachfrage der Woxx. Nicht nur verfremdet eine Dämmung den Stil eines alten Hauses, teilweise schadet sie auch der Bausubstanz. Da viel Altbaubestand in Luxemburg aus Sandstein besteht, können nach der Isolation Kondensationsprobleme auftreten, insbesondere, wenn die Sanierung nicht fachgerecht ausgeführt wird. Wenn zum Beispiel nur die Fenster erneuert werden, die Fassade aber ungedämmt bleibt, dann verschiebt sich der kälteste Punkt der Wohnung in die Zimmerecken. Dort kann dann an kalten Tagen die feuchte Raumluft kondensieren und die Schimmelbildung begünstigen. „Diejenigen, die mit dem Altbau umgehen, als ob sie ein neues Haus bauen würden, sind bestimmt schlecht beraten“, betont Yegles. Es gehe deshalb gerade beim denkmalgeschützten Bestand darum, Kompromisse zu finden. Eine Verbesserung könne schon dadurch erreicht werden, dass statt der Wände der Dachstuhl isoliert oder der Keller besser abgedichtet wird. Berechnungen haben gezeigt, dass letztlich nur zwischen 15 und 25 Prozent der Energie durch Mauern verloren geht, die meiste Energie aber durch das unisolierte Dach entweicht. Den Wärmeverlusten eines Hauses kann auch dadurch begegnet werden, dass
man die Orientierung der häuslichen Funktionen anpasst, also etwa die Stube nach Süden zur Sonnenseite und das Schlafzimmer nach Norden verlegt.

Kompromisse finden

Auch der „Service des sites et monuments nationaux“ befasst sich seit zwei Jahren intensiv mit der Thematik und hat dazu ein Dokument „Patrimoine bâtie et efficience énergétique“ online gestellt, das eine Reihe von Lösungsmöglichkeiten aufzeigt.

„Wir freuen uns, wenn Bürger sich überhaupt bewusst werden, dass sie ein schützenswertes Gebäude besitzen, und sich bei einem Energieberater informieren, zugleich aber auch die Denkmalschutzbehörde mit ins Boot holen. Nicht jeder Energieberater hat eine Lösung für eine energetische Verbesserung des Altbaus. Wir beraten deshalb oft gemeinsam“, erklärt Patrick Sanavia, Vorsitzender der nationalen Denkmalschutzbehörde. Nachhaltigkeit sei auch schon dadurch gegeben, dass ein Gebäude lange existiert: Gerade der Altbau besitze dank seiner thermischen Trägheit Qualitäten – das Gebäude heizt sich nicht so schnell auf, kühlt aber auch nicht so schnell ab. „Man muss nur mit diesen Eigenschaften arbeiten können, statt das ganze System zu zerstören“, so Sanavia.

Aus diesem Grunde plädiert auch die Denkmalschutzbehörde im allgemeinen nicht für eine Außenisolation. Einerseits um die Identität eines Hauses zu wahren, andererseits aber auch aus Skepsis gegenüber den angewandten Isolationsmethoden. „Es ist auch eine Frage der Nachhaltigkeit: Warum eine Haut vom Haus herabnehmen, die vielleicht schon hundert Jahre alt und eigentlich noch gut ist, bloß um eine Kunstfassade drauf zu kleben, die nur zehn bis fünfzehn Jahre hält?“, fragt Sanavia. Bei der Herstellung der Styropor-Dämmplatten werde CO2 verbraucht. Zudem sei die Außenisolation mit einem chemischen Stoff behandelt, der verhindern soll, dass sich Algen an der Fassade bilden. „Wenn der dritte und vierte Regen kommt, wird diese toxische Substanz abgespült und gelangt in die Erde, dann ist die Fassade auch nicht mehr gegen Algenbildung geschützt“, so Sanavia.

Eine Alternative stellt hier eine Innendämmung dar. „Das Problem beim Denkmal ist nur, kein Haus gleicht dem anderen. Es gibt keine fertigen Lösungen. Deshalb muss jeder Hauseigentümer, bevor er anfängt, die Schwachstellen analysieren“. Gerade wenn der Feuchtigkeitsaustausch, den eine alte Mauer stets hat, durch eine Innenisolation unterbunden wird, droht Schimmelpilz, sodass eine Raumtemperierung eingeplant werden muss. Es gibt aber andere Lösungen als nur die synthetischen, zum Beispiel den Lehmputz im Innenbereich. Ein Musterbeispiel einer nachhaltigen und gelungenen Sanierung im Altbaubereich stelt das denkmalgeschützte „Neckelshaus“ in Septfontaines dar, das im Rahmen der Journées du Patrimoine am 13. Oktober besichtigt werden kann. Hier hat man es sogar geschafft, die Energieklasse A zu erreichen.

Eine weitere Möglichkeit energetisch aufzurüsten, bietet der autonome Stromgewinn in Form von Photovoltaik, jedoch sind die hier erforderlichen Anlagen für den Denkmalschutz auch problematisch. Beispielsweise wurden in einigen Fällen Photovoltaikinseln auf Kirchen aus dem 19. Jahrhundert installiert. Dabei kommt der gewonnen Strom gar nicht den Kirchen selbst zugute, diese fungieren nur als Träger. „Hier fragen wir uns, warum die Anlagen nicht auf einem Gemeindeschuppen oder der grünen Wiese errichtet wurden?“, so Sanavia. Im letzteren Fall würde jedoch der Denkmalschutz womöglich in Konflikt mit dem Naturschutz geraten – beide sollten aber eigentlich zusammenarbeiten.

Mehr Beratung in puncto Denkmalschutz und Energieeffizienz

Wenn ein schützenswertes Gebäude tatsächlich geschützt werden soll, müssen auch Mittel für eine entsprechende Sanierung zur Verfügung stehen. Darum verfügt die Denkmalschutzbehörde über ein Subventionsprogramm, bei dem finanzielle Beihilfen an eine denkmalorientierte Instandsetzung geknüpft sind.

Nicht alle Altbauten brauchen energetisch aufgemotzt zu werden. Laut einer großherzoglichen Regelung vom Oktober 2010 können bei national oder kommunal geschützten Wohnhäusern die Anforderungen unterschritten werden, wenn der Bestand durch eine energetische Sanierung bedroht wird. Dazu bedarf es jedoch der Erlaubnis des Bürgermeisters.

Insgesamt findet eine gesellschaftliche Diskussion über Denkmalschutz und Altbausanierung bisher kaum statt. Wichtig ist hier auch die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Ministerien (Nachhaltigkeits und Kultur), den Architektenverbänden, dem Denkmalschutz und den nationalen Beratungsinstanzen. Denn welche Chance hätte die Altbausanierung, wenn nationale Anlaufstellen wie „myenergie“ das Problem von Altbau und Denkmalschutz in ihren Beratungen oder auf ihrer Internetseite nicht angemessen thematisieren?

Infos unter www.ssmn.public.lu


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