AUTOFESTIVAL: Dienst-Diesel, oje!

Eine grüne Initiative, die den klimaschädlichen Firmenwagen zu Leibe rücken will, Leserreaktionen zur Bewertung von Diesel und Elektro-Autos… Grund genug, noch einmal auf das Thema PKW und Umwelt zurückzukommen.

Mehr zahlen für den Firmenwagen? Dieser Vorschlag, ein paar Tage vor dem Ende des diesjährigen Auto-Festivals von den Grünen gemacht, dürfte den Autoverkäufern und einem Teil der Fahrzeugnutzer die Freude am Event ziemlich getrübt haben. Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass immer mehr Firmenwagen mit relativ hohem CO2-Ausstoß in Luxemburg zugelassen werden. Weil die Anschaffungs- und Betriebskosten fast integral abgesetzt werden können, ist der Anreiz zum Kauf von Sparautos gering – ein Faktum, das dem Abgeordneten Camille Gira seit Jahren ein Dorn im Auge ist.

In ihrem Pressekommuniqué kritisiert die Partei auch die steuerliche Ungerechtigkeit: Zwar müsse der Nutznießer 1,5 Prozent vom Neuwert des Wagens versteuern, aber der, dank privater Nutzung, erheblich höhere Realwert mache einen Gewinn aus. Die Firma ihrerseits könne „klimaschädliche Statussymbole“ von der Steuer absetzen, während die Steuerlast für private Haushalte zunehme. Die Grünen legen nun ein Projet de loi vor, durch das diese Vorteile an Umweltauflagen gebunden würden. Ab 2014 könnten die Unternehmen bei Wagen mit hohem CO2-Ausstoß nur noch die Hälfte oder weniger des Anschaffungspreises absetzen. Die privaten Nutznießer andererseits müssten bis zu drei Prozent des Neuwertes versteuern.

Dass viele dieser Dienstwagen mit Dieselmotoren ausgestattet sind, wird kaum erstaunen. Die woxx hat aber in den vergangenen Jahren immer wieder davor gewarnt, die beliebten Dieselfahrzeuge als grundsätzlich umweltfreundlicher anzusehen. Zwar sind sie sparsam im Verbrauch und emittieren vergleichsweise weniger CO2 pro Kilometer, doch stoßen sie besonders viel an gesundheitsschädlichen Stickoxiden und Feinstaub aus. Ein Leser machte nach unserer Anmerkung von vergangener Woche zur „Diesellastigkeit“ der Oekotopten-Liste darauf aufmerksam, dass die dort empfohlenen Modelle nicht der künftigen EU-Norm entsprechen. In der Tat konnten wir kein Modell finden, das „Euro 6“ gerecht wird – diese Norm fordert eine Verringerung des Stickoxid-Ausstoßes um mehr als die Hälfte, was Dieselmotoren immerhin fast uneingeschränkt empfehlenswert machen würde. Die bisherige Bevorzugung des Diesels sei unsinnig, so der Leser, aber in Luxemburg und anderen Ländern nun einmal politisch gewollt – ein Thema, auf das die woxx in einem künftigen Beitrag detailliert eingehen wird.

Ob die Klimaschädlichkeit das Hauptkriterium für ein Umweltlabel sein soll, ist natürlich eine schwierige Frage. Thierry Lagoda von Oekotopten reagierte auf den woxx-Artikel mit dem Hinweis, dass in den oberen Wagenklassen die Dieselmodelle aufgrund der niedrigeren CO2-Emissionen eben besser abschneiden. Außerdem sei der Markt für Diesel-Autos in Luxemburg einfach größer. Bei der Punktwertung jedoch würden die Benziner bevorzugt, wodurch sie sich in der Gruppe der empfohlenen Modelle vergleichsweise besser platzieren könnten.

Mittlerweile hat Oekotopten auch den Null-Gramm-Ausstoß bei Elektro-Autos durch ein „abhängig vom Strommix“ ersetzt und den Tazzari Zero wieder in die Liste aufgenommen. Es habe, so Lagoda, zeitweilig Unklarheit über die Verfügbarkeit dieses Modells geherrscht. Zu unserem Vorwurf an die Regierung, nur noch Elektroautos zu fördern, merkte ein weiterer Leser an, dass die Plug-in-Hybrid-Wagen ja ebenfalls in den Genuss der 5.000-Euro-Prämie kommen. In der Tat stellen solche Modelle, wie wir zuletzt in der Nummer 1179 auch schrieben, derzeit einen interessanten Kompromiss dar.


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