FOTOGRAFIE: Parc merveilleux

In Europa sind Parkanlagen individuell genutzte Erholungsräume, in China dagegen Sozialorte, die der körperlichen und spirituellen Erbauung dienen.

Turnen – um Körper, Herz und Geist fit zu halten.

Um 6.30 in der Früh sind die Gartenanlagen und Parks in Luxemburg-Stadt eher leer. Anzutreffen sind höchstens ein paar Hundebesitzer, die den ersten Gassilauf des Tages mit ihren Vierbeinern absolvieren. Gegen 7.00 Uhr belebt sich die Szene ein wenig – mit Arbeitnehmern, die auf dem
Weg zur Stadtmitte einen kleinen Umweg durch den Park nehmen, oder mit den ersten Joggern, die vor der Arbeit noch eine Fitnessrunde drehen.
Später am Vormittag finden sich die ersten Touristen ein, die das Gibraltar des Nordens vom Petrusstal aus bewundern, oder Mütter, die ihren Kinderwagen durch das frische Grün schieben. Am Nachmittag kommen dann die SchülerInnen; ihr Ziel sind bestimmte Stellen wie die Kinnegswiss, wo sie sich in Grüppchen niederlassen und chillen. Eine wirkliche Durchmischung verschiedener Altersgruppen, kollektives Erleben, gibt es kaum.

Ganz anders die Gärten und Parkanlagen in China. In der Ausstellung „Les Chinois côté jardins: Un art de vivre et de vieillir autrement“ im Cercle Cité werden Fotografien gezeigt, mit denen die Malerin Michèle Koltz-Chedid und die Fotografin Aurélie Choiral 2011 ihre in den Parkanlagen von Peking und Chengdu gewonnenen Eindrücke festgehalten haben. Zum Beispiel vom chinesischen Schattenboxen, dem Taiji Quan: Auf intensiv farbigen Bildern ist zu sehen, wie sich die Adepten alleine oder auch in großen Gruppen der sanften Kunst des Gleichgewichts hingeben. Ziel der Übungen ist es, durch harmonisch fließende Bewegungsfolgen Atmung und Gedankenführung in Einklang zu bringen und so innere Ruhe und Gelassenheit zu erlangen. Abgebildet sind aber auch Menschen jeden Alters, die sich spontan treffen, um Lieder einzustudieren und zu musizieren. Andere beschäftigen sich mit kalligraphischen Übungen, wieder andere mit Gesellschaftsspielen. Parkanlagen sind in China – und das vermitteln die Bilder – in viel stärkerem Maße Freizeit- und Gesellschaftsräume als in Europa. Menschen treffen einander, um sich auszutauschen und in gemeinsamen Aktivitäten zu entspannen. Das Wohlergehen von Körper, Herz und Geist steht viel stärker im Mittelpunkt. Es geht um Lebenskunst.

Die Bilder der beiden Autorinnen vermitteln einen Eindruck von der Hingabe, mit der all das betrieben wird, und geben Einblicke in das Qi Gong oder das Brettspiel Mahjong sowie in die Technik weniger bekannter Spiele wie „Kuai Ban“, bei dem rechtwinklige Brettchen wie Kastagnetten gegeneinander geschlagen werden.

Die Ausstellung „Les Chinos côté jardins“ will inspirieren und lässt über die Frage nachdenken, ob der Nutzen von Parkanlagen für den Menschen noch andere Dimensionen hat als die uns geläufigen. Sie belässt es jedoch nicht bei Fragen – im Parc Edmond Klein und der Kinnegswiss wird den Besuchern bis 5. Juli auch ein Begleitprogramm mit Qigong- und Taiji Quan-Kursen geboten.

„Les Chinois côté jardins“ im Cercle Cité bis zum 7. Juli.
Zusätzliche Infos unter: info@cerclecite.lu


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