Didong Trixy: Die Sterne prägen uns nicht

Im Januar fragen sich viele, was das kommende Jahr wohl so bringen mag. Einige wagen den Blick ins Horoskop. Eine heikle Sache, meint Trixy Didong, astro-psychologische Beraterin in Luxemburg.

Trixy Didong: „Voraussagen, wie sie zum Beispiel in den so genannten Horoskopen von Zeitungen stehen, können Sie getrost vergessen.“

Foto: Christian Mosar

Woxx: Haben Sie in die Sterne geschaut, um zu sehen, ob dies ein günstiger Zeitpunkt für ein Interview ist?

Trixy Didong: Nein. Diese Art der Astrologie interessiert mich nicht. Meiner Meinung nach, können solche Fragen auch nicht durch das Lesen der Sternbilder beantwortet werden.

Die Astrologie ermöglicht also keine konkreten Voraussagen zur Zukunft?

Nein. Voraussagen, wie sie zum Beispiel in den so genannten Horoskopen von Zeitungen stehen, können Sie getrost vergessen. Sie beziehen sich nur auf einen kleinen Teilbereich der Astrologie, nämlich auf den Stand der Sonne in den 12 Tierkreiszeichen. Mit dieser Art der Astrologie wird versucht, die ganze Menschheit in 12 Schubladen zu stecken. Das ist natürlich Unsinn. Es ist das gesamte Sternbild zur Zeit unserer Geburt, das ausschlaggebend für unser Leben ist.

Wie kann man wissen, wie der Himmel zur Zeit unserer Geburt ausgesehen hat?

Anhand der nötigen Daten wie zum Beispiel dem Geburtsjahr, der Geburtsstunde und dem Geburtsort kann man eine Grafik der Sternkonstellation zur Zeit der Geburt anfertigen. Diese Grafik hat noch nichts mit Astrologie zu tun, sie ist reine Astronomie. Die Astrologie beginnt erst, wenn es zur Interpretation dieser Grafik kommt.

Sie haben bestimmt schon mal davon gehört, dass Menschen Handschriften deuten können. Mit dem Lesen des Horoskops ist es ähnlich. Die Astrologie ist eine empirische Wissenschaft und besteht seit Menschengedenken. Es wurde beobachtet, das sich bei bestimmten Konstellationen bestimmmte Dinge manifestieren.

Haben die Sterne einen direkten Einfluss auf unser Leben?

Nein. Nehmen wir noch einmal die Handschrift eines Menschen. Auch wenn wir sie noch so lange betrachten, sie beeinflusst uns nicht. Das Horoskop ist lediglich ein „Foto“ von uns zum Zeitpunkt unserer Geburt und wie die Sterne damals standen. Dieses „Foto“ zeigt das Potenzial, das der Mensch in dieses Leben mitbringt.

Die Astrologie, mit der ich mich beschäftige, basiert auf dem Weltbild der Reinkarnation.

Was hat die Stellung der Sterne bei der Geburt mit Reinkarnation zu tun?

Unser Horoskop ist so etwas wie die Bilanz früherer Leben und gleichzeitig der Ausgangspunkt unseres jetzigen Lebens. Wie man mit einer bestimmten Zensur eine bestimmte Klasse besuchen kann, so können wir mit dem Kapital oder dem Potenzial, das wir mitbringen, gewisse Erfahrungen durchleben und neue Dinge lernen. Es ist wie in der Schule. Sie bekommen eine Zensur und haben zum Beispiel 20 Punkte in der Mathematik. Die Punktzahl sagt aber nichts aus darüber, ob sie nun fünf mal fünf oder sieben mal sieben nicht rechnen konnten. Im Horoskop ist nicht ersichtlich, wie der Mensch in früheren Leben gelebt hat oder andere Leben leben wird. Multiplizieren kann man mit jeder Zahl. Meine Aufgabe als astro-psychologische Beraterin ist es, eine Anzahl von Möglichkeiten im Gespräch ersichtlich zu machen.

Wie funktioniert Ihre Beratung?

Eine Sitzung dauert ungefähr zwei Stunden. Ein langes Gespräch ermöglicht, ein Charakterbild vom Menschen zu gewinnen, seine Stärken und Schwächen zu erkennen. Wenn Probleme angesprochen werden, soll der Mensch versuchen, dem „Schatten“ in seinem Leben nicht mit Abneigung zu begegnen. Man verdrängt so manche Dinge und glaubt dann irrtümlicherweise sie seien verschwunden. Ziel des Gespräches ist es, das Unbewusste bewusst zu machen.

Welche Leute kommen zu Ihnen?

Das ist sehr unterschiedlich. Prinzipiell kann man sagen, dass es Menschen sind, die auf einem bestimmten Weg sind, dem Selbsterfahrungsweg oder dem spirituellen Weg. Es sind Menschen mit ganz spezifischen Problemen, deren Hintergründe sie erkennen möchten. Es kommen hauptsächlich Frauen, was wohl damit zu tun hat, dass sie seelischen oder psychischen Dingen offener gegenüberstehen als Männer.

Wie wird man astro-psychologische BeraterIn?

Es ist wie mit dem Klavierspielen. Die Technik muss man erlernen. Was den Musiker ausmacht, ist die Begabung. So kann und muss man die Technik der astro-psychologischen Beratung auch erlernen. Das Einfühlungsvermögen für Menschen muss einem aber gegeben sein, genauso wie das Interesse für die Psyche und die Seele des Menschen.

Können Sie von dieser Arbeit leben?

Luxemburg ist gegenüber anderen Ländern in meinem Arbeitsbereich zehn Jahre im Rückstand. Zurzeit habe ich daher noch einen anderen Halbtagsjob. Längerfristig würde ich das aber gerne ändern.

Arbeiten Sie auch an sich selbst?

Natürlich. Seit meiner Ausbildung vor 20 Jahren besuche ich jedes Jahr im Durchschnitt sechs bis sieben Wochen-Kurse, wo einerseits die Fortbildung, andererseits das Arbeiten an sich selbst im Vordergrund steht.

Wer zum Arzt geht, vertraut auf dessen Fachkenntnis. Wie ist das bei den AstrologInnen – woher soll man wissen, ob ihre Beratung seriös ist?

Ob es ein Astrologe ernst und ehrlich meint, lässt sich leicht herausfinden. Menschen, die Prognosen machen und uns Ratschläge erteilen wie, nächste Woche zu Hause zu bleiben, weil uns sonst etwas passieren könnte, sind keine Astrologen – auch wenn sie sich so nennen. Prognosen machen die Leute oft ängstlich und abhängig, so dass sie immer wiederkommen und fragen, ob sie dieses oder jenes tun dürfen. Astrologie hat nichts mit Vorschriften oder Besserwisserei zu tun.

Sagen Sie den Leuten denn nicht, was sie tun und lassen sollen?

Nein. Durch das Gespräch mit dem Menschen kann ich lediglich etwaige Möglichkeiten aufzeigen. Für welchen Weg er sich entscheidet, bleibt ganz ihm überlassen. Ich sehe mich selbst als jemand, der eine Hilfestellung gibt. Ich kann niemandem die Verantwortung für sein eigenes Leben abnehmen. – Astrologie ist ein Weg zur Selbsterkenntnis.

Es gibt Menschen, die Voraussagen machen. Ist das alles Unsinn für Sie?

Ich glaube schon daran, dass es einige wenige Menschen gibt, die gewisse Dinge voraussagen können. Ausschlaggebend für mich ist, wie und zu welchem Zweck diese Informationen an andere vermittelt werden. Wer sie zum Beispiel bewusst oder unbewusst benutzt, um andere in eine Abhängigkeit zu treiben, stellt damit lediglich unter Beweis, dass ihm die Erkenntnis um diese „Botschaften“ fehlt.

Was sind Ihre persönlichen Ziele? Die Menschen, die zu Ihnen kommen, wollen dass es ihnen besser geht. Das wollen Sie sicher auch?

Nein. Mein Ziel ist, dass der Mensch bewusster wird. Ich kann niemandem versprechen, dass er sich dadurch kurzfristig besser fühlen wird, weil ich weiß, dass das so nicht stimmt. Sich selbst bewusster zu erleben, ist ein Prozess, der manchmal unangenehm sein kann. Mir geht es vor allem darum, die Chancen, die darin liegen, aufzuzeigen.

Das Gespräch führte Bibine Schulze


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