KUNST-AUKTION: Art against exclusion?

Am 6. Oktober organisiert die Fondation Follereau eine Benefiz-auktion unter dem Titel „Art against Exclusion“. Die Werke, welche luxemburgische KünstlerInnen und SammlerInnen zur Verfügung stellen, sind bis Samstag in der Abtei Neumünster zu besichtigen.

Für die Benefizauktion wurden vor allem Gemälde, doch auch einige Grafiken, Skulpturen und Fotografien zusammengetragen. Zwar sind die Objekte als „gebraucht“ gekennzeichnet, doch stammen die meisten von namhaften KünstlernInnen, wie Mihály Munkacsy, Patricia Lippert, Robert Brandy oder Jean Freimann. Wie das Potpourri dieser Namen bereits erahnen lässt, werden die BesucherInnen der Abtei Neumünster thematisch wie kompositorisch einem regelrechten Eklektizismus ausgesetzt: Planlos hängen Stillleben neben abstrakten Arbeiten, Landschaftsmalereien neben Porträts, Ölgemälde neben Aquarellen, Serigraphien neben Radierungen. Die empfohlenen Preise liegen zwischen 50 und 2.000 ? und sind jeweils unter den Objekten vermerkt.

Mit dem Geld, das die Auktion erbringen wird, will die Fondation Follereau weiterhin Auffangstrukturen für Straßenkinder finanzieren. Seit 1996 unterstützt sie Straßenkinder in Ségou, einer Kleinstadt im Südosten Malis. Während zwei Nächten in der Woche suchen Mitarbeiter vor Ort die Straßenkinder auf und begleiten sie zur „Maison de l’espoir“, dem Zentrum des Projekts. Kinder ohne Familie finden hier einen Schlafplatz, erhalten eine Mahlzeit und medizinische Versorgung. Zusätzlich bemüht sich das Heim, die Kinder auf eine Schule zu schicken, und bietet Weiterbildungen, wie etwa Erste-Hilfe-Kurse, an.

Die Benefizauktion mit dem vielversprechenden Titel „Art against Exclusion“ ist die erste ihrer Art, die in Luxemburg von einer „Entwicklungshilfeorganisation“ ins Leben gerufen wird. Solche Auktionen sind seit den 1980er Jahren populär und erleben seit dem Jahr 2000 eine regelrechte Hochkonjunktur. Vor zwei Jahren fand in New York eine der größten Benefizauktionen mit Werken von Neo Rauch und James Rosenquist statt, organisiert vom New Yorker Galeristen David Zwirner gemeinsam mit dem Schauspieler Ben Stiller. Ihr Ertrag war für die Erdbebenopfer von Haiti bestimmt. Besonders attraktiv finden SammlerInnen solche Auktionen deshalb, weil die versteigerten Werke, dank Steuerermäßigung und Verzicht auf Kommissionen durch Galeristen, unter dem Marktpreis zu bekommen sind. Für bereits etablierte KünstlerInnen, die viele Anfragen von NGOs bekommen, sind Benefizauktionen weniger interessant.

Das Selbstverständnis der „Art against Exclusion“-Initiative erweist sich nach einem Blick in den Katalog und auf die Ankündigung auf der Homepage als dürftig und eher unausgegoren. So stellt die Fondation ihre Arbeit als „Entwicklungshilfe“ dar, obwohl dieser Begriff schon vor Jahren durch den der „Entwicklungszusammenarbeit“ ersetzt wurde. Auch wird der Kauf eines Kunstobjekts als „Investition in ein Kunstwerk Made in Luxembourg“ stilisiert. Die Auktion ermöglicht den Mitbietern demnach, eine ökonomisch-strategische Handlung zu vollziehen. Zugleich wird diese aber ziemlich lapidar mit einem „Akt der Nächstenliebe in Afrika“ gleichgesetzt. Und schließlich soll die Begegnung mit Kunst, die die Veranstaltung vermittelt, dem Betrachter „viel Freude“ im Alltag schenken, so Eva Maringer, die Koordinatorin der Auktion. Ähnlich platt dürfte demnach die Stimmung am Sonntag während der Auktion mit der Notarin Blance Moutrier sein.

Und die „Exkludierten“ bei dieser „Art against Exclusion“-Investitionsmasche sind wohl zu 99% Angehörige unserer eigenen Gesellschaft. Aber gut, dass die Fondation-Follereau-Truppe weiß, was sich für „Afrika“ zu tun gebührt.

Vorbesichtigung der Kunstwerke bis zum 5. Oktober. Versteigerung der Kunstwerke an diesem Sonntag, dem 6. Oktober ab 15 Uhr.


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