AUTOFESTIVAL: Last E-call!

Was tanken? Diese Frage wird beim Autokauf immer wichtiger. Wie sinnvoll sind E-Cars? Haben Gas-Autos eine Zukunft? Was taugen Kompromisslösungen wie Drei-Liter-Diesel und Plug-in-Hybrid?

Jetzt zugreifen! Wer mit dem Gedanken gespielt hat, auf ein Elektroauto umzusteigen, wird versucht sein, sich demnächst zu entscheiden. Am 31. Dezember 2014 wird die Förderprämie von 5.000 Euro für E-Cars und Plug-in-Hybride eingestellt. Dennoch gibt es gute Gründe, zu zögern, vor allem, was die reinen Elektrofahrzeuge angeht. Der alternative Verkehrsclub Deutschland (VCD) zum Beispiel nimmt diese Modelle nicht in seine Umweltliste auf – zu wenig Modelle, zu wenig Erfahrung. Problematisch ist auch das unzureichende Netz von Ladestationen. Das soll zwar stark ausgebaut werden, doch derzeit fehlt es an Informationen – auf elektromobiliteit.lu findet man nicht einmal eine Karte. Zwar lässt sich an zahlreichen Orten zwischen Diekirch und Düdelingen Strom nachtanken, doch nach unseren Informationen gibt es gerade mal zwei Ladestationen im Osten des Landes und eine im Gebiet nördlich der Nordstad.

Auch die Umweltbilanz der Elektroautos ist nicht unproblematisch, sogar wenn man sie mit 100-prozentig grünem Strom betreibt. Der VCD schätzt, dass die bei der Herstellung der Batterie entstandenen Klima-Emissionen erst nach über 20.000 Kilometern ausgeglichen sind. Dieser Wert verringert sich, je kleiner – und moderner – die Batterie ist. Das spricht für mittelgroße und kleine E-Cars wie Ford Focus BEV, Nissan LEAF, Renault Zoe, BMW i3, Mitsubishi i-Miev und Smart fortwo ebenso wie für die Winzlinge Tazzari Zero und Renault Twizy-80 – für die es aber nur 1.000 Euro Prämie gibt. Alle diese Wagen sind in der Luxemburg-spezifischen Autoliste von oekotopten.lu zu finden – leider auch der Elektro-Flitzer Tesla Model-S.

Konstruktionsbedingt ist die Batterie bei den Hybriden kleiner. Das macht, neben der Unabhängigkeit von Strom-Tankstellen, diesen Antriebstyp derzeit besonders empfehlenswert. Insbesondere Toyota bietet eine Reihe solcher Modelle an, vom kleinen Yaris über den Auris bis hin zu Prius, Lexus CT200h und dem Siebensitzer Prius+. Daneben gibt es den VW Jetta Hybrid, der leider in Luxemburg nicht verfügbar zu sein scheint. Andere Hybrid-Modelle wie der Peugeot 508, der Mercedes E300 und der Lexus IS 300h werden zwar auch bei oekotopten.lu aufgeführt, schneiden aber im VCD-Test schlecht ab. Nur bedingt empfehlenswert ist auch der schwere Volvo V60 Plug-in-Hybrid. Einen interessanten Kompromiss stellen dagegen die beiden Plug-in-Modelle Toyota Prius und Opel Ampera dar. Die beiden unterscheiden sich in Konstruktionsweise, Batteriegröße und Reichweite beim Elektrobetrieb – 25 oder 87 Kilometer. Je nachdem welche Strecken im Alltag – und idealerweise im Elektromodus – zurückgelegt werden sollen, ist der eine oder der andere die umweltschonendere Wahl.

Fiese Diesel

Der Gasantrieb könnte auch eine interessante Alternative sein – immerhin haben der „VW up! 1.0 Ecofuel“ und die ähnlich konstruierten Modelle von Seat und Skoda die VCD-Umweltliste 2013 angeführt (woxx 1229). Doch in Luxemburg gibt es derzeit gerade mal sechs Tankstellen. Neue Benzinantriebe mit Direkteinspritzung helfen, den CO2-Ausstoß zu senken, blasen aber Feinpartikel in die Luft, eine Unart, die ihnen die EU erst ab 2017 austreiben will. Auch die Euro-6-Norm, die den Stickoxid-Ausstoß der Dieselfahrzeuge drastisch senkt, tritt erst 2015 in Kraft. Leider sind die meisten auf oekotopten.lu empfohlenen Autos Dieselmodelle, die diese Norm nicht erfüllen. Bei großen Modellen empfiehlt es sich, nachzufragen, für kleine ist eine Euro-6-Variante meist noch nicht verfügbar.

Vorsicht beim Diesel lohnt sich wegen der Umwelt, aber auch wegen den möglicherweise drastischen Einschränkungen, wenn Luxemburg endlich die Stickoxid-Bekämpfung in Angriff nehmen wird. Steuererhöhungen auf Dieselmodelle sind allerdings nicht vor der großen Steuerreform von 2016 zu erwarten (Interview S. 10). Das gilt leider auch für die Reform der Dienstwagen-Besteuerung. Die vor einem Jahr vom grünen Abgeordneten Camille Gira hierzu vorgelegte Proposition de loi (woxx 1200) wird nun für zwei Jahre in der untersten Schublade des grünen Ministers François Bausch verschwinden.


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