BÄUME UND MENSCHEN: Rettet den Wald!

Der Zustand des Luxemburger Waldes ist schlecht. Das Umweltministerium setzt auf nachhaltigen Waldbau und klimafreundliches Verhalten der BürgerInnen.

(Foto: Wald Forest up – Jason Pratt CC-BY-2.0)

„Keine guten Nachrichten“ habe sie zu verkünden, „wie in vielen anderen Bereichen“, so die Umweltministerin Carole Dieschbourg anlässlich der Präsentation des Gesundheitszustandes des Waldes am vergangenen Donnerstag. Und erwähnte dann doch etwas Positives: Ihr Ministerium bekam bei der neuen Regierungsbildung die Zuständigkeit für die Forstwirtschaft zugeteilt, die bisher beim Ackerbauministerium lag. Ebenfalls positiv zu vermerken ist die Neueinstellung einer Forstingenieurin: Elisabeth Freymann, die den Bericht zur Situation des Waldes vorstellte.

Sie erläuterte detailliert die aufwändige Erfassung von Kronendichte und Laubverfärbung sowie die Ergebnisse für die verschiedenen Baumarten. So geht es den Buchen besonders schlecht, den Nadelbäumen dagegen relativ gut. Das liege zum Teil an der Altersstruktur, wie der Chef des Service des forêts Marc Wagner erläuterte: Durch die Stürme in den 1990er Jahren seien die alten Nadelbäume aus den Beständen verschwunden. Über die Jahre hinweg hat sich der Zustand des Waldes verschlechtert, trotz zeitweiliger Verbesserung. Aufgrund der fehlenden Erhebungen von 2001 bis 2005 und von 2010 bis 2013 – also in den Amtsperioden von Eugène Berger und Marco Schank – sind solche Aussagen allerdings mit Vorsicht zu genießen.

Machtlos?

Die Naturverwaltung versuche, die Widerstandsfähigkeit der Wälder durch standortgerechte Baumarten und Naturverjüngung zu stärken, so Freymann. Auch die Vermeidung von großen Kahlschlägen und der Einsatz von Pferden statt Maschinen bei Waldarbeiten sei wichtig. Doch gegen die Hauptursachen könne man nichts machen. Jeder einzelne Bürger sei gefordert, und solle zum Beispiel Abfall vermeiden, mehr auf erneuerbare Energien setzen, klimafreundlich essen und öffentliche Verkehrsmittel benutzen.

Auf Nachfrage stellte Wagner klar, dass man nur zu einem kleinen Teil die Ursachen der Waldschäden präzise bestimmen könne – zum Beispiel wenn die Buchen, wie in diesem Jahr, von den Springrüsselkäfern befallen werden. Ansonsten werde die Gesundheit der Bäume von vielen Faktoren beeinflusst: unsichtbarer Pilzbefall, falscher Standort, Klimawandel, … Frank Wolter, Direktor der Naturverwaltung, stellte klar, dass man auf keinen Fall Pestizide gegen Krankheitsbefall einsetzen werde. Carole Dieschbourg betonte schließlich, das Ministerium könne nicht alles bewirken. Über einen nachhaltigen Waldbau hinaus müsse jeder einzelne dazu beitragen, Ursachen wie die Luftverschmutzung zu bekämpfen. Deshalb finde sie es richtig und wichtig, allgemeine Empfehlungen für ein umweltfreundliches Verhalten im Alltag zu geben.

Gewiss, solche Aufrufe an die persönliche Verantwortung sind nicht falsch und dienen auch der Sensibilisierung im Hinblick auf Maßnahmen wie die Einführung einer CO2-Steuer, welche früher oder später fällig werden. Allerdings entsteht der Eindruck, dass die Politik den umweltpolitischen Ball einfach an die BürgerInnen und KonsumentInnen zurückspielt. Gerade im Bereich Klimapolitik müssen auf allen Ebenen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es der Gesellschaft und den Einzelnen überhaupt ermöglichen, ihren Ressourcenverbrauch massiv zu senken. Dieschbourgs Vorgänger sind allesamt bei der Durchsetzung solcher Rahmenbedingungen gescheitert, haben dafür aber sehr schöne Parolen zum Umdenken und zur persönlichen Verantwortung ausgegeben. Von einer grünen Regierungsbeteiligung darf man allerdings mehr erwarten.


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