PUNKROCK: „Schwarzfahrn und saufen“

An diesem Wochenende findet, wie jedes Jahr, der Trierer Osterpogo statt. Headliner ist eine Band aus Duisburg, die Punk erst zu dem gemacht hat, was er heute ist.

Das Album „Sexmaschinen tanken Super“ aus dem Jahr 2000.

„Mit Generation Kriech gab dat nur Probleme, Generation Arbeit war voll die unbequeme, die vonne Generation Golf ham nur Tennis gespielt, die Schweine – wir sind die Guten hier, für jeden Schluck offen, immer besoffen – Generation Bier!“ Der Legende nach gibt es „Eisenpimmel“ seit 1983. In den 1980ern wurde die Band laut eigenen Aussagen durch einige wenige Konzerte zu einer Legende. Der offiziellen Punkrock-Geschichtsschreibung zufolge besteht die Band jedoch erst seit 1994. „Eisenpimmel“ beharrt darauf, den Hit „Duisburg ist spitze“ („Wo tun die Asis Schnauzbart haben ? Duisburg! Wo tut man auf die Ämter traben ? Duisburg!“) 1983, anlässlich der 750-Jahre-Feier der Stadt, geschrieben, aber erst 1986 fertiggestellt zu haben.

Wie dem auch sei, die älteste noch erhältliche EP der Band trägt den lyrischen Titel „Dicke Eier Weihnachtsfeier“ und ist im Jahr 1994 erschienen. Seitdem haben Siggi Katlewski (Gesang), Bärbel Rotzky (Gesang), Wolle Pannek (Gitarre), Karl Arsch (Bass) und Addi Kalupke (Drums) so einiges an EPs und Alben herausgebracht. 1995 erschien beispielsweise die legendäre EP „Komm mal lecker unten bei mich bei“, deren Cover es bei der Süddeutschen Zeitung auf Platz eins in der Hall of Fame der hässlichsten Plattencover der Welt schaffte. 1997 wurde das erste Tributalbum für die Band herausgebracht. Unter dem Titel „Bau keine Scheiße mit Bier“ coverten namhafte Bands wie „Blechlatte“, „Silbergurke Spezial“ oder „Chrommöhre“ bisher völlig unbekannte Hits der Formation. „Ich kann auch nicht immer saufen“ („Von kein Geld in keine Tasche geht kein Durst nich weg“), „Ohzonloch fuck off“ („Diese scheiß Natur ärgert mich nur – Sonne oder Regen – ich bin dagegen“) oder noch „Schwarzfahrn und saufen“ („Ich schaukel meine Nüsse durch hunderttausend Büsse – Schwarzfahrn und saufen mit nem Bierdosenhaufen“) heißen einige der sozialkritischen Titel des Tributalbums. Die bislang letzte Veröffentlichung von „Eisenpimmel“, ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Deutschpunks, erschien 2009 unter dem Titel „Füsse hoch, Fernsehn an, Arschlecken!“. Im Titelsong des Albums heißt es bedeutungsschwer: „Ja gut, et is dreckich, die Tapeten gehn ab, aber Hauptsache is doch, dat ich keine Arbeit hab – Füsse hoch, Fernsehn an, Arschlecken“.

Wird auch die Musik von „Eisenpimmel“ im Allgemeinen unter „Streetpunk“ abgeheftet, so sind doch die Einflüsse, die auf sie gewirkt haben, viel umfangreicher. Laut eigener Aussage liegen die Vorbilder der Band „im Progressiv-Rock der Frühsiebziger Jahre, angereichert mit einer Prise Fusion-Jazz und der luftigen Grazie des Spätbarocks“. Sänger Siggi erklärt diese Einflüsse in einem Interview mit dem Punkrock-Magazin „Ox“ folgendermaßen: „Die letzte Band, die ich gehört hab, waren die Sex Pistols, da waren die gerade mal 12 oder wat, ich war auch 12, wir haben uns so’n bisschen gegenseitig geprägt, dat war damals so üblich. Und dann immer Protest, verstehste, nix mit Bier, dat kam erst später.“ Die VeranstalterInnen des Trierer Osterpogos beschreiben „Eisenpimmel“ in drei Sätzen: „So wenig, wie sie sich für andere Getränke als Bier interessieren, so wenig kümmern sie sich um andere Themen als Saufen und Politik, andere Bands als Eisenpimmel oder eine andere Musik als Punk (oder das, was sie dafür halten). Nicht ohne Alkohol verweist die Band auch heute noch stolz darauf, dass Punk erst mit Eisenpimmel bekannt geworden ist. Und Eisenpimmel mit Punk.“

Zusammen mit den Lokalmatadoren von der Mosel, „DZK“ und „Zivilversager“, der Kölner „Kack’n Roll“-Band „Kackreiz“ und den ebenfalls aus Köln stammenden „Schwule Nuttenbullen“ wird „Eisenpimmel“ am 26. April anlässlich des alljährlich stattfindenden „Osterpogo“ im Trierer Exhaus zu sehen sein.


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