MARC WEBB: Unter Spinne(r)n

„The Amazing Spiderman 2: Rise of Electro“ ist eher ein Einsteigerfilm geworden – richtige Comicfans werden das Actionspektakel gelangweilt aufnehmen.

Ist Spiderman ein verkappter Intelektueller? – Seine Bude sieht jedenfalls danach aus …

Als Aleksei Sytsevich (Paul Giamatti) einen Laster von Forschungsgiganten Oscorp stiehlt, weiß jeder im Kinosaal, dass dies in der Stadt des Spinnenmanns keine gute Idee war. Erwartungsgemäß tritt auch Spiderman gleich in Aktion, überwältigt den Fiesling mit links, rettet nebenbei einen unscheinbaren Oscorp-Angestellten namens Max Dillon (Jamie Foxx) und lässt bei allem erkennen, dass er Spaß an seiner Arbeit hat. Doch nicht alles im Leben des Peter Parker (Andrew Garfield) läuft so reibungslos. Die Erinnerung an seine Eltern, die auf mysteriöse Weise verschwanden, als er ein kleiner Junge war, lässt ihn immer noch nicht los. Und auf der Beziehung zu seiner Freundin Gwen lastet ein Versprechen, das Peter ihrem Vater vor dessen Tod gab. Peter verpflichtete sich nämlich, sich von seiner Tochter fernzuhalten, um sie nicht durch seinen Kampf gegen die Unterwelt zu gefährden. Außerdem wird Gwen, authentisch gespielt von Emma Stone, vielleicht ins englische Oxford ziehen, um dort zu studieren. Zur selben Zeit erfährt Peters Freund Harry Osborn (Dane DeHaan) am Sterbebett seines Vaters, dass er nicht nur dessen Firma Oscorp, sondern auch eine unheilbare Krankheit erbt. Harry glaubt, im geheimen Giftschrank der Firma eine Lösung gefunden zu haben. All dies wird Spiderman richten müssen, und die Stadt retten muss er nebenbei auch noch.

Ja, er ist schon wieder da. Nach der Trilogie 2002 bis 2007 von Sam Raimi ist dies nun bereits sein zweites Abenteuer in einem Reboot von Sony, diesmal unter der Regie von Marc Webb. Viele fragen sich, ob nach den etlichen Verfilmungen des Superhelden das Thema überhaupt noch auf neue Art angegangen werden kann. Was gibt es über Spiderman noch zu sagen? Eigentlich nicht viel, doch das ist kein Problem. „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ überzeugt in erster Linie durch die faszinierende Grafik und die atemberaubenden Actionszenen. Auch ist es immer wieder nett, der agilen Spinne bei der Schurkenbekämpfung zuzusehen, auch wenn verschiedene Storylines anfangen, alt zu werden.

Nach Toby Maguire hat sich nun Andrew Garfield das eng anliegende rot-blaue Elastankostüm übergestreift. Garfield meistert die Rolle des Spinnenmannes mit Bravour. Er gibt einen schlaksigen, chaotischen Peter Parker, auf den Regisseur Marc Webb ein wenig Indie-Staub gestreut hat: In seinem Zimmer hängen Poster vom Michelangelo Antonionis Blow-Up und der burmesischen Politikerin Aung San Suu Kyi – was die Frage nach einem eventuellen politischen Engagement des Superhelden aufwirft. Es scheint, als ob Peter sich neben der Verbrechensbekämpfung auch der Herausforderung gestellt hat, David Foster Wallaces „Infinite Jest“ zu lesen, da dieses Buch in einer Szene aufgeschlagen auf seinem Schreibtisch liegt. Diese Gegenstände liefern einen interessanten Einblick in den Alltag des informierten und belesenen Superhelden, der in seiner Freizeit also nicht nur skateboardet.

Das Timing der beiden Hauptdarsteller ist perfekt, auch wenn die Einzeiler selbst nicht unbedingt zum Brüllen sind. Überhaupt basiert der Humor im Film im Wesentlichen auf simplem Slapstick, der leider nur ein paarmal richtig komisch ist. Zu bedauern ist auch der ständige Wechsel zwischen den verschiedenen Handlungen, die sich im Film abspielen. Dies lässt nicht viel Raum für eine genauere Zeichnung der Persönlichkeiten. Dies merkt man vor allem auf der Seite der Bösewichte.

Spidermans Erzfeinde sind, genau wie im ersten Teil des Reboots, ein wenig langweilig. Jamie Foxx sieht als blau leuchtende Stromschleuder sehr cool aus, doch seine Rolle als schüchterner Nerd, der aus weitgehend unerfindlichen Gründen Spiderman plötzlich zu hassen beginnt, unterfordert den erfahrenen Schauspieler sichtlich. Auch scheint der Endkampf ein wenig zu leicht für Spiderman.

„The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ kann dem Spinnenmann sicherlich neue Fans gewinnen, schließlich ist er der größte Kassenschlager der Marvel Familie. Doch für Comicleser und langjährige Fans werden wohl eher die technische Brillanz und die deftigen Actionszenen den eigentlichen Vorzug des Films ausmachen. Denn die Geschichte kennen die meisten bereits auswendig.

In den Kinos.


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