MALEREI: Eine Mutige

Eine Schau in der Kapelle der Abtei Neumünster und ein Kalender ehren die Resistenzlerin Lily Unden und ihr künstlerisches Werk.

„Eine Ausstellung über Lily Unden liegt mir schon seit Jahren am Herzen, und ich bin sehr froh, dass es nun soweit ist und wir an diese wunderbare Persönlichkeit erinnern können“, sagt die Historikerin Kathrin Meß, während sie durch die Ausstellung in der Kapelle der Abtei Neumünster führt. Es ist mittlerweile ihre vierte Ausstellung über Luxemburger Resistenzlerinnen, die hier gezeigt wird. Unden war die erste Luxemburgerin, die Meß bei ihrer jarelangen Forschung über Luxemburger Frauen in zahlreichen Zeitzeugendokumenten begegnet ist. Da ihr auffiel, dass Unden fast immer nur als Blumenmalerin wahrgenommen wurde, wollte sie ihr Werk in seiner Vielseitigkeit zeigen. Rund 39 Exponate – überwiegend private Anleihen – hat Meß so zusammengetragen, um ein Gesamtbild der Luxemburgerin zu geben, das sie nicht nur als liebliche Malerin netter Blumenstillleben zeigt (ihr Werk umfasst etwa auch Akte, vorwiegend Kohlezeichnungen), sondern auch als Resistenzlerin, als Künstlerin und als wohltätige starke Frau. Aus einer Auswahl ihrer Bilder und aus historischen Dokumente und Anekdoten über Unden hat Meß, begleitend zur Ausstellung, außerdem einen Kalender zusammengestellt. Jede Seite zeigt ein von der Künstlerin gemaltes Bild sowie eines ihrer Gedichte oder eine Anekdote. Der Kalender ist in einer Auflage von 400 Exemplaren erschienen und in den drei großen Buchhandlungen Libo, Ernster, Diderich und in der Abtei Neumünster zum Preis von 25,- Euro erhältlich. Der Erlös geht an die Stiftung „Wonschstaer“.

Ausstellung und Kalender ehren Unden als mutige, solidarische Frau. Zeuginnen unterschiedlicher Nationalität berichteten von dem selbstlosen Einsatz Undens für ihre Mithäftlinge im Konzentrationslager Ravensbrück. Bereits in den ersten Tagen der Besetzung Luxemburgs im Mai 1940 engagierte sie sich als freiwillige Helferin beim Luxemburger Roten Kreuz und versorgte Verwundete. Ihr Haus in Mühlenbach stellte sie für Zusammenkünfte verschiedener Resistenzorganisationen zur Verfügung und nahm selbst an zahlreichen Aktionen teil. Sie versteckte Personen in ihrem Haus und half jüdischen Familien. Die Konsequenzen blieben nicht aus: Am 3. November 1942 wurde Unden wegen sogenannter „reichsfeindlicher Betätigung“ verhaftet und in die Gefängnisse Luxemburg-Grund und Trier und am 13. Mai 1943 in das Frauen-KZ Ravensbrück verschleppt. Während ihrer Haft unterstützte sie nach ihr eingelieferte Frauen, indem sie ihnen etwa half, in einem begehrten Arbeitskommando unterzukommen, in dem Militärkleidung repariert wurde. Auch die Anekdote um ihre Mitgefangene Yvonne Useldinger, die von ihrer Mutter ein Foto ihrer kleinen Tochter zugesandt bekam, das sie nur eine halbe Stunde lang betrachten durfte und das Unden kurzerhand auf Resten von Büromaterial für sie nachzeichnete, schmückt eine Seite des Kalenders.

Zeit ihres Lebens sei sie karitativ tätig gewesen, zahlreiche Berichte stimmten darin überein, dass sie „eine große Wohltäterin“ war, berichtet Meß. So schilderte die Luxemburgerin Marie Brix in ihrem Zeitzeugenbericht von der Weihnachtsfeier 1944 im KZ Ravensbrück, wie Unden für ihre Mithäftlinge Grußkärtchen malte. Eines von diesen ist in einer kleinen Vitrine am Eingang der Ausstellung ausgestellt, neben einem selbstbemalten Rock, den Unden für einen Empfang bei der Großherzogin anfertigte. In einem Video, das in der Ausstellung abgespielt wird, geben Lydie Polfer und Undens Großnichte Isabelle Schlesser ihre persönlichen Erinnerungen wieder. Die Bürgermeisterin, deren Kunstlehrerin Unden einst war, berichtet von ihrer „Mischung aus einer sehr großen Weiblichkeit und Entschlossenheit“. Auch eine Zeichnung aus dem KZ Ravensbrück ist überliefert. Meß hat sie dem Resistenzmuseum hinterlassen und für die Ausstellung wieder entliehen, ähnlich wie das Skizzenbuch, das sich Unden in Schweden, nach der Befreiung aus dem KZ durch das Schwedische Rote Kreuz, gekauft hatte.

Kunst war für Unden eine Leidenschaft und eine Form des politischen Widerstandes. Im Februar 1943 schrieb sie aus dem Trierer Gefängnis: (…) „Ich habe schon mehr schwere Zeiten durchgemacht und habe doch nie das Lachen oder das Tapfersein verloren“, und dann: „die Zeit auf dieser Welt ist ja nur ein kurzer Durchgang (…).“

Bis zum 18. Januar 2015 in der Kapelle der Abtei Neumünster.


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