THEATER: Verpasste Chance

„De Rousegaart“, die jüngste Inszenierung des Kaleidoskop-Theaters, spielt mit Kleinbürger-
lichkeit und verliert sich darin.

„Veränderung“ hat sich das Kaleidoskop-Theater für diese Spielzeit auf die Fahnen geschrieben. Und in allen Produktionen der Spielzeit 2014/2015 steht der Mensch im Mittelpunkt. „De Rousegaart“ von Jean-Paul Maes führt eine oberflächliche Geborgenheit in einem von Rosengarten irgendwo in Luxemburg vor. Die spießbürgerliche Idylle wird durchbrochen, als es an der Tür läutet, das Läuten aber überhört wird und schließlich ein fremdes Gesicht über die Rosenhecke blickt. Ein vielversprechender Ansatz, den man wirkungsvoll auf die Bühne hätte bringen können, doch verläuft trotz der Mitwirkung von Schauspielern vom alten Schlag wie Marc Olinger das Stück im Sande, plätschert belanglos vor sich hin und vermag weder durch Dialoge noch durch schauspielerische Leistung zu überzeugen.

Bereits die Handlung gibt nicht allzuviel her. Über eine Schlägerei in einem CD-Geschäft erfährt man von einem jahrelangen Zwist. Alain (Marc Olinger) verpasst Jacques (Al Ginter) dort eine aufs Auge, zerrt ihn in seinen Rosengarten und stellt ihn zur Rede. Und während der lädierte Jacques sich an nichts erinnert will, rekapituliert Alain das Scheitern seiner Frau Josiane (Maddy Dürrer) bei einem lang zurückliegenden Gesangswettbewerb, bei dem Jacques sich als Manager ausgegeben hatte, der Josiane ganz groß rausbringen wollte. Nun fordert Alain von Jacques, dies nachzuholen. Und so sitzen die beiden beim Mosel-Riesling im Rosengarten und diskutieren über vergangene Zeiten und verpasste Chancen, und um dem Ganzen etwas mehr Bedeutung einzuhauchen, wird sogar Proust zitiert.

Spätestens als Alains Frau Josiane in Erscheinung tritt und gleich ins Kokettieren verfällt, wähnt man sich in einer Seifenoper. Jacques und Josiane flirten hemmungslos miteinander, Alain tritt ab, und irgendwann im zweiten Akt purzelt ein Migrant (Raoul Albonetti) über die Hecke und konfrontiert die bornierten Kleinbürger mit seiner prekären Realität. Sein Auftritt hat insofern Charme, als Albonetti genial den Arbeiter mit Prollo-Akzent mimt, der natürlich auf die zu erwartenden Vorurteile prallt. Leider drängt er jedoch seiner Zufallsbekanntschaft in einem wirren Monolog seine gesamte Geschichte auf. Der Zuschauer erfährt, dass der Mann der russischen Minderheit der Tschuktschen angehört, die von jeher unterdrückt wurde. Putin-Bashing mag gerade in Mode sein, doch überfrachtet der lange Monolog die Geschichte vollständig und hängt so in der Luft. Auch Josiane und Jacques gucken ihn nur mit weit aufgerissenen Augen an und verharren zwischen kleingeistiger Ablehnung und entzückt-übertriebenem Mitgefühl.

Vielleicht hätte es dem Stück gut getan, ganz auf die Andersartigkeit des Fremden und die Reaktionen seiner spießbürgerlichen Umwelt zu setzen. Denn sowohl die ressentimentgeladene Beziehung zwischen Alain und Jacques als auch das Techtelmechtel zwischen Josiane und Jacques vor der Rosengartenkulisse lassen das bisweilen witzige Stück leider ganz und gar zur Provinzposse verkommen. Dabei ist der Rosengarten im Grunde eine gute Chiffre als Mikrokosmos für eine spießige, vermeintlich heile Welt. Mit dieser wirklich zu brechen und sie intelligent zu hinterfragen, ist Maes mit seiner Inszenierung von „De Rousegaart“ nicht gelungen.

Am 15., 16., und 17. Januar um 20 Uhr und am 18. Januar um 17.30 Uhr, im Bettemburger Schloss.


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