André Kremer 18. 7. 1953 — 10. 2. 2015

(rg) – Wenn einen die Nachricht über den unerwarteten Tod eines Menschen erreicht, mit dem man über Jahre hinweg immer wieder journalistisch zu tun hatte, ist wohl der erste Reflex die Überlegung, wann man dem Betreffenden zum letzten Mal begegnet ist. Bei André Kremer, der am 10. Februar während eines Aufenthalts in Venezuela völlig unerwartet einer heimtückischen Tropenkrankheit erlag, erstaunt dann doch, dass sein letzter Kontakt mit unserer Zeitung tatsächlich mehrere Jahre zurückliegt, obwohl die Verbindung zeitweise eng und vielseitig war. Das einstige Mitglied des Luxemburger Ablegers der (trotzkistischen) Vierten Internationale hatte den Fokus seines politischen Einsatzes in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten von der Parteipolitik auf verschiedene zivilgesellschaftliche Initiativen verlegt. Bei einigen – wie dem Luxemburger Ableger des Weltsozialforums oder der Kampagne für ein Nein zur EU-Verfassung – war „Kréimesch Änder“ durchaus federführend. In dieser Rolle stand er der woxx mehrfach als viel geschätzter Interviewpartner oder Kommentarschreiber zur Verfügung. Geschätzt in dem Sinne, dass er sein eigenes Handeln, aber auch die Entwicklung der sozialen Bewegungen immer wieder (selbst-)kritisch hinterfragte. Anders als viele frühere Mitglieder der LCR hatte er sich nicht mit Haut und Haaren dem Projekt einer (neuen) Linken Partei verschrieben, weil er einen unabhängigen außerparlamentarischen Ansatz für wichtiger hielt. Seit Kurzem war der ehemalige Postbeamte in Rente. Sein Wunsch, die nun verfügbare freie Zeit auch für sein gesellschaftliches Engagement einsetzen zu können, ist nun auf tragische Weise unerfüllt geblieben.


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