Therapie in der Tiefgarage

(avt) – Und nochmal Tabori! Wohl kaum einer könnte besser zur Inszenierung von „Requiem für einen Spion“ geeignet sein, als Johannes Zametzer, der Mitte der 1980er Jahre zum Künstlerkreis rund um George Tabori gehörte. Der Österreicher versteht es, Albernheit, Zoten und Schock sorgsam miteinander zu verweben und mit der richtigen Dosis typischen Tabori-Humor zu kombinieren. Wie schon bei der Uraufführung in Wien treffen drei Ex-Spione des britischen Geheimdienstes nach Jahren in einer verwahrlosten Tief-Garage zusammen und schwelgen in Erinnerungen. Die Besetzung, mit Luc Feit als neurotischer Jude Heinrich Zucker, Steve Karier als Psychodoktor Major Murdoch und Josiane Peiffer als „weiße Rose“ Maggie erweist sich als exzellent, denn die Luxemburger DarstellerInnen vom alten Schlag wissen mit den morbiden Wortwitzen zu jonglieren und brillieren in ihren Rollen. Zugleich reißt der Spannungsbogen darum, wer wen einst verraten hat, nicht ab. Da ist Maggie, die im roten Cabrio vorfährt und Uma Thurman aus Pulp Fiction gleich aus dem Wagen springt, um Zucker wieder um den Finger zu wickeln, später wird sie als „Heilige Johanna des Babystrichs“ taubstummen Chinesen Brecht-Lieder beibringen. Da ist Murdoch, der im Zuge der Therapie von sexuellen Triebtätern den Verstand verloren zu haben scheint, perverse Zoten reißt und zwischendrin einen Flachmann aus dem Spazierstock zieht, um sich einen hinter die Binde zu kippen und schließlich der am Leben verzweifelnde Zucker, der von seinen Selbstmordversuchen berichtet: „Einen Dienstrevolver in den Schlund? Nein danke! Laute Geräusche machen mich nervös. Aus dem sechsten Stock springen? Ich leide an Höhenangst. Plastiktüte über den Kopf? Ich bin Asthmatiker; Welchen Sinn hat das Sterben, wenn es weniger angenehm ist als das Leben?“ Der Chef: „Warum versuchen sie es nicht mit Verbrennen?“ – „Keine schlechte Idee. Alte Familientradition. Meine Mutter ist in Majdanek gestorben.“ Strenger, als in früheren Stücken stellt Tabori in „Requiem für einen Spion“ die Frage nach Wahrheit und Verrat – mit universeller Bedeutung. Die gut einstündige Inszenierung hat keinerlei Längen. Und obwohl die drei kaputten Gestalten sich gegenseitig die Wunden lecken und sich letztlich in der Tiefgarage gegenseitig therapieren, hört man angesichts der scharfzüngigen Dialoge und der überragenden Darstellung der drei nicht auf, zu lachen.
„Requiem für einen Spion“ wird noch einmal gespielt: am kommenden Samstag, dem 26. März um 20 Uhr im Grand Théâtre.


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