KOLLEKTIVAUSSTELLUNG: Die Salzburg-Connection

„Salzburg-Luxemburg III“ ist die Frucht einer alten Zusammenarbeit zwischen der Universität Salzburg und dem ehemaligen „Cours universitaire“ – und eine gute Gelegenheit, junge Künstler der beiden Partnerstädte zu vernetzen.

Und sie bewegt sich doch … nicht:
Skulptur aus „Reassuring Inertia“ von Vera Kox.

Wer Ende der 1990er oder anfangs der 2000er Jahre Humanwissenschaften am „Cours universitaire“ – dem Embryo der heutigen Universität – studiert hat, kann sich vielleicht noch an die Extra-Kurse in österreichischer Kultur erinnern. Diese Crash-Kurse, die kaum mehr als zwei Wochen dauerten, waren nicht nur wegen der schnell eingeheimsten Noten beliebt, sondern auch weil sie ziemlich intensiv einen umfassenden Einblick in die Geschichte und die Kultur der Alpenrepublik erlaubten, die vielen Luxemburgern, die sich bis dahin fast ausschließlich mit deutscher Literatur befasst hatten, neu waren. Mit den „Salzburg-Luxemburg“-Ausstellungen ist diese Partnerschaft wieder aufgeblüht, allerdings in Form eines künstlerischen Dialogs.

Die Exponate, die momentan im Ratskeller des Cercle Cité zu sehen sind, berechtigen sicher zu dem Urteil, dass sich die lokalen KünstlerInnen zumindest nicht zu verstecken brauchen. Das gilt zum Beispiel für Marco Godinhos Installation „Nous“ – ein Haufen Papierschnipsel, in dem Leuchtioden abwechselnd die Wörter „No“, „Us“ und „Nous“ bilden. Eine vielschichtige aber einfach gehaltene Arbeit, die den Zuschauer sofort in Bann zieht. Auf österreichischer Seite sind es vor allem die Bilder von Lavinia Lanner. Einige Blätter aus ihrer Serie „Nulla dies sine linea“ tragen den Titel „Brushstroke“ – also Pinselstrich. Aber bei näherem Hinsehen stellt sich heraus, dass diese vermeintlichen Pinselstriche in Wirklichkeit hauchfein mit dem Bleistift gezeichnet wurden – also eigentlich falsche Pinselstriche sind. Die Frage nach der Repräsentativität und der Authentizität in der Kunst stellt die Künstlerin ebenso wie die, wie man sich überhaupt mit Kunst auseinandersetzt. Auch hier also: einfaches Konzept und vielschichtiger Ausdruck.

Für Luxemburg nimmt auch die Künstlerin Sophie Jung teil und zeigt neben anderen Werken ihre „Easy Jet“-Fotoserie mit aus dem Flugzeug geschossenen Fotos, auf denen man außer wechselnden Hintergrundfarben nur das Logo der Billig-Airline erkennen kann – eine Meditation über den Sinn des Reisens, wenn man so will. Etwas langweiliger sind dagegen die Zeichnungen der österreichischen Künstlerin Petra Buchegger geraten. Über das Niveau von Illustrationen führen sie nicht wesentlich hinaus. Was aber auch nicht verwundern kann, denn Petra Buchegger versteht sich nicht unbedingt als Künstlerin, sondern vor allem als Grafikerin und Fotografin.

Den Boden des Ratskellers – und zum Teil dessen Wände – bevölkern die eigentümlichen Skulpturen der luxemburgischen Künstlerin Vera Kox. Aus der „Reassuring Inertia“-Serie herausgenommen, illustrieren sie vielfältig und auf drastische Weise die expliziten Ideen der Künstlerin. Kox erinnert in ihrer Arbeit an ihre österreichische Kollegin Sarah Pilchkostner, die allerdings die Reduzierung noch weiter treibt – was ihre Herangehensweise aber nicht unbedingt interessanter macht.

Die Bilanz von „Luxemburg-Salzburg III“ ist durchwachsen. Man ist beeindruckt von einigen sehr interessanten Werken, muss im Ganzen aber feststellen, dass der Trend zum ewigen Kopieren und Verbleiben in sehr minimalistischen und formalistischen Konzepten auch in der jungen Gegenwartskunst anhält. Was aber niemanden daran hindern sollte, im Ratskeller hineinzuschnuppern.

Im Ratskeller der Cercle Cité, bis zum 19. April.


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