ZOMBIE FILM: Mit Bierflaschen gegen Untote

„Zombie Film“ heißt die neueste luxemburgische Filmkreation. Hinter dem Projekt stecken aber keine Profis, sondern begeisterte Amateure. Die woxx traf die Freizeit- Hollywoodianer.

Haben alles fest im Griff: „obskura“-Präsident Patrick Ernzer, Darsteller Steve Thull und Kameramann
Carlo Palucca (von links nach rechts) (Foto: lc)

Oktober 2005 in Luxemburg: unheimliche Plakate, Flyer und Prospekte tauchen in Cafés und Clubs auf: Sie kündigen einen geheimnisvollen „Zombie Film“ an. Und doch hat keiner der wenigen bekannten Regisseure des Landes ein neues Werk produziert, schon gar nicht den „First ever Zombiefilm made in Luxemburg“. Ins Leben gerufen wurde der blutige Streifen von der „obskura a.s.b.l.“ – deren Name bis jetzt ebenso obskur wie unbekannt war. Eine Bande Filmbegeisterter, die sich der „Do-it-yourself-Methode“ bedienten um ihren Traum zu verwirklichen. Die „no-budget“-Produktion (die trotzdem mehr oder weniger 13.000 Euro verschlang) ist dann auch eher ein überdurchschnittlich gut produzierter Amateurfilm, als eine seriöse Konkurrenz zu den Größen des Genres. Auch wenn die Plakate eher an Hollywood erinnern und die Pressemappe beeindruckender gestaltet war, als die vieler alteingesessener Institutionen.

Dass dem so ist, liegt vor allem an Patrick Enzer, dem Hauptverantwortlichen des Projekts und „obskura“-Präsident: er ist im PR-Bereich tätig und konnte seine Fähigkeiten auch für die Werbekampagne rund um den „Zombie Film“ einsetzen. Zum Teil wird es auch an seinen Werbetalenten liegen, dass der Film – wenn auch nur für kurze Zeit – sogar im Utopolis und in mehreren lokalen Sälen anläuft.

Zu wenig ins Lächerliche gezogen

Was ist denn eigentlich der „Zombie Film“? Letztendlich kann er auf zweierlei Weise beschrieben werden: entweder ist es eine totgeborene Initiative, oder ein netter Anfängerfilm, der vor allem das vermitteln soll was er seinen Schöpfern auch gemacht hat: Spaß. Auf jeden Fall nichts Abgeschlossenes.

Haben die ZuschauerInnen den grob geschnittenen ersten Teil hinter sich, kommt der ¬Zombie Film« zu keinem Höhepunkt. Es fehlt einfach an Dramatik im Storyboard und reine Blutorgien können diesen Mangel nicht beheben. Dem Publikum wird eine Soße serviert, die aus schlechten – oder einfach nicht existenten – Dialogen, zuwenig Logik und literweise Kunstblut besteht. ¬Der Schwachpunkt des Films ist sicherlich, dass er nicht genug ins Lächerliche gezogen wurde«, gibt Ernzer – aus dessen Feder zum Teil auch das Drehbuch stammt – zu. Und wirklich, die komischen Momente sind definitiv die Besten im Film. Wenn Pit – einer der beiden ¬Helden«, gespielt von Steve Thull, in letzter Sekunde noch einen Sechserpack Bier rettet, bevor ihm ein blutrünstig aufgetakelter Untoter zu Leibe rückt, oder wenn erklärt wird, warum Leute, die in der Armee waren, einfach besser mit Zombies umspringen können, dann übersieht man auch für ein paar Augenblicke die Unzulänglichkeiten des Drehbuchs.

Zudem gibt es eine Szene, die jetzt schon unter Kultverdacht steht: Der Gesichtsausdruck des scheuen und hilflosen Alain (Vincent Meyer), wenn er endlich begreift, dass die Leute die da bedrohlich schwankend auf ihn zukommen keine verlorengegangene Seniorengruppe, sondern Zombies sind. Aus der klassischen Position heraus – mit den Händen über dem Kopf, in der Ecke knieend – schreit er lauter und skurriler als der Rest der Zombie-Klientel.

Was außerdem noch positiv auffällt ist, dass die Macher aus ihrer Lust zu imitieren keinen Hehl machen, und so nicht einmal der Anspruch auf Originalität besteht. Die langen Einstellungen in der Einleitung des Films, die nur Puppen aus Action- oder Horrorfilmen zeigen, sprechen Bände. Hier wollen Menschen einfach das nachmachen was ihnen am Besten gefällt, ohne dabei unbedingt das Genre erneuern zu müssen.

Bleiben nur noch die technischen Mängel: Neben dem Blut spritzen vor allem die Pixel von der Leinwand und ein Teil der recht düsteren Atmosphäre ist eher der schlechten Beleuchtung zuzuschreiben, als den Qualitäten des Streifens. Das liegt aber auch an der billigen Postproduktion des Films.

Denn die Effekte im Film sind, angesichts der bescheidenen Mittel, sehr gelungen. Die Zombie-Masken sind allesamt „glaubhaft“ gruselig und das kleine Plastikhaus, das am Ende explodiert ist irgendwie niedlich und erinnert an japanische Godzilla-Filme der 70er Jahre.

Geopferte Urlaube

Trotzdem: Wer mehr erwartet hätte von einer Crew die – fast – keinerlei professionelle Erfahrung hat, und die lediglich aus Liebe zum Genre sich in ungeheure Strapazen geworfen, Urlaube geopfert und Geld investiert hat, der glaubt womöglich selbst an Zombies. Keiner der Schauspieler hat jemals in einem Film mitgespielt, die meisten von ihnen wurden letztes Jahr bei einem Casting im Utopolis ausgewählt oder kamen schon vorher – am Arbeitsplatz etwa – in Kontakt mit dem ¬Zombie Film«-Team. Es gab keine
bezahlte Arbeit, und alle – vom Kabelschlepper bis zum Hauptdarsteller – investierten ihre Zeit und ihre Kraft vollends in das Projekt.

Der Einzige der schon Erfahrung im Filmbereich gesammelt hat ist Mike Tereba, Co-Drehbuchschreiber, Co-Regisseur, Cutter, Make-up Experte und Schauspieler (Jean-Yves der Sunnyboy) in einer Person. Mit seiner eigenen a.s.b.l. „Pyrrhus“ hat er schon einen Kurzfilm abgedreht und arbeitet noch an ein paar anderen Projekten. Auch Carlo Palucca, der Kameramann, hat die Regeln der Kameraführung in seiner Freizeit kennengelernt, was beachtlich ist, da die Einstellungen allesamt sehr gut gehalten sind. Es gibt wahrscheinlich wenige Hobbykameramänner in Luxemburg die die Arbeit mit einem Kamerakran so gut beherrschen.

Die Erfahrungen der drei Wochen Drehzeit sind auch was die Mitwirkenden am meisten beeindruckt hat. Die gute Atmosphäre hat wahrscheinlich so manche Krise verhindern können „Trotzdem waren die meisten glücklich, nach den drei Wochen wieder an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren“, erzählt Patrick Ernzer im Rückblick auf
die erlittenen Strapazen. „Wir mussten schnell feststellen, dass es unmöglich sein würde alles durchzukriegen was wir uns vorgenommen hatten. Das hat uns dazu gezwungen recht viel zu improvisieren“ so der „obskura“-Präsident und Regieneuling. Er sieht das Ganze realistisch: es sei eben ein Prozess von „learning by doing“. Verbunden mit einer grossen Dosis Spaß und Engagement dem Film gegenüber.

Zusammenarbeit mit der lokalen Musikszene

Ein weiterer Aspekt des Gesamtprojekts „Zombie Film“ ist die Zusammenarbeit mit lokalen Musikgruppen, meist Rockbands. Ein Grund dafür waren auch die teuren Musikrechte , die wahrscheinlich das Budget gesprengt hätten. Während einige Gruppen wie Toxkäpp!, Last Millenium Suckers oder Thousand Lakes gleich spezifische Songs nur für den Film schrieben und aufnahmen, wurden in anderen Fällen alte Lieder gezielt eingesetzt. Etwas schnelle Rockmusik gehört in jeden Zombiestreifen und das können die Luxemburger allemal so gut wie irgendwelche andern Rockgruppen. Die Filmmusik selbst wurde von dem szenebekannten Allroundtalent und Toxkäpp!-Gitarristen Patrick Yves Kleinbauer komponiert. Als Vorlage diente ihm dabei lediglich das Drehbuch, der Film selbst wurde später teilweise auf seine Musik zugeschnitten. Als richtige PR-Profis planen „obskura“ die Songs als Soundtrack oder wenigstens mit der DVD in die Regale zu bringen.

Der „Zombie Film“ beweist dass es auch in Luxemburg noch unbeschrittene Wege gibt um auf ungewöhnliche Art und Weise Kino zu machen: fernab der internationalen Koproduktionen und der alteingesessenen luxemburgischen Regisseurriege.


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