Agnostic Front
: Dumpf und laut

Mit Agnostic Front ist am 17. Juli eine der bekanntesten – und ältesten – Hardcore-Bands der Welt zu Gast in Luxemburg.

1327eventWer an Hardcore denkt, denkt an Agnostic Front. Als eine der ältesten, noch aktiven Hardcore-Punk-Bands hat die Formation um Frontman Roger Stiret und Gitarrist Vinnie Stigma vor allem die Geschichte des „New York Hardcore“ mitgeschrieben.

Rasend schnelle Beats, harte Gitarrenriffs, aggressives Gebrüll – wer Hardcore liebt, muss die Musik von Agnostic Front lieben. Wer eher auf sanfte Musik und nuancierte Texte steht, sollte sich besser die Ohren zuhalten.

1982 vom Gitarristen Vinnie Stigma gegründet – in New YorkCity, versteht sich -, definiert sich die Band vor allem über kurze, schnell gespielte Stücke, die weitgehend ohne Solopassagen auskommen. Es ist in erster Linie der „Gesang“ von Frontman Rogerfsocial just Stiret, der den Tracks von Agnostic Front einen einzigartigen Stempel aufdrückt: Eine Mischung aus Oi-typischem Gegröle und dem im Hardcore verbreiteten „Shouting“. Bei einigen wenigen neueren Songs sind in Stirets Gesang sogar Rap-Einflüsse herauszuhören. Charakteristisch für den Hardcore-Stil, den Agnostic Front pflegt, sind eher aus dem Streetpunk stammende „Singalongs“, also Mitsing-, beziehungsweise Mitgröl-Passagen.

Den musikalischen Stil von Agnostic Front auf Hardcore zu resümieren, würde zu kurzgreifen. Von Anfang an fanden sich auch Oi-Punk-Einflüsse darin. Nachdem man in den 1980er Jahren zunehmend mit Metal-Einflüssen experimentiert hatte, kehrte man Anfang der Neunziger wieder zum ursprünglichen Genre zurück. Bis heute kann man Oi- und Streetpunk-, aber immer wieder auch Metal-Elemente heraushören.

Agnostic Front ist aber auch eine Band, die polarisiert. Aus der Skinhead-Szene kommend, wurde die Formation von Anfang an kritisch beäugt.Dafür verantwortlich ist nicht nur das Cover des Debütalbums, das eine Hinrichtungsszene in einem KZ zeigt: Vor allem zu Anfang ihrer Karriere geriet Agnostic Front durch offensichtlich sozialdarwinistische und teilweise reaktionäre Lyrics ins Fadenkreuz der eher links geprägten europäischen Hardcore-Szene. So hieß es in „Public Assistance“ vom Album „Cause for Alarm“ (1986) in Bezug auf Sozialhilfeempfänger: „You birth more kids to up your checks. So you can buy more drugs cash in food stamps and get drunk. Uncle Sam takes half my pay. So you can live for free.“

Das letzte Album von Agnostic Front, „The American Dream Died“, im April diesen Jahres bei „Nuclear Blast“ erschienen, scheint aber einen Gesinnungswandel der Band anzudeuten. Eher sozialkritische und persönliche Texte sind auf der Platte zu finden. Polizeigewalt wird ebenso verurteilt – „Cops are supposed to protect us – But who can protect us from the cops?“- wie der Umgang der amerikanischen Gesellschaft mit Kriegsveteranen oder Gentrifizierung in New York. Allerdings sticht der Track „Social Justice“ negativ hervor, der Lynchjustiz gegenüber Pädophilen fordert, beziehungsweise glorifiziert.

Agnostic Front völlig in der rechten Ecke anzusiedeln, wäre wahrscheinlich übertrieben. In dem Track „Fascist Attitudes“ aus dem Jahr 1984 distanziert sich die Band sogar recht deutlich von rechtsradikalen Bestrebungen in der Szene. Intelligentes, fortschrittliches Liedgut sollte man dennoch nicht erwarten. Wie die meisten Hardcore-Bands spielt Agnostic Front mit Gesellschaftskritik und Underdog-Image, allerdings – im Gegenteil zu anderen Bands – auf eine ziemlich dumpfe Art und Weise. Nichtsdestotrotz: Die Tracks sind mitreißend, die Musik ist vielfältig. Eine starke Band also, aber mit Vorsicht zu genießen.

Am 17. Juli in der Kulturfabrik in Esch.

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