Alternativ-Metal
: Helm auf!

Wieder mal so eine Band, ohne deren Einfluss die Musikentwicklung eine ganz andere Richtung eingeschlagen hätte: Helmet beehren Luxemburg nächste Woche mit einem ihrer raren Auftritte.

Lassen Nostalgikerherzen höher schlagen: Helmet. (Foto: © maineroadmanagement)

Am 13. Juni wird die amerikanische Band Helmet in der Kulturfabrik erwartet. Letztes Jahr veröffentlichten die Musiker um ihren Frontman Page Hamilton ihr aktuelles Album „Dead to the World“. Während des diesjährigen Festivalsommers bestreitet Helmet vier exklusive Clubshows in Luxemburg, der Schweiz und in Frankreich – dort auf dem Hellfest, das mit einem beeindruckenden Line-up zu überraschen weiß.

In ihrer Musikszene, dem Alternative Metal, sind Helmet Legende. Gemeinsam mit Bands wie Tool und Deftones, die Helmet als einflussreich für ihre eigene Entwicklung bezeichnen, prägten sie in den 1990ern eine Ära, in der laute dröhnende Rockmusik noch Massen bewegte. Bereits das zweite Album der Band, das den Titel „Meantime“ trägt, wurde von Interscope Records gesignt, einem Unterlabel von Universal, und konnte mit seiner Singleauskopplung „Unsung“ Erfolge feiern.

Das war 1992 – in dem vergangenen Vierteljahrhundert hat sich allerdings nicht nur die Musikindustrie, sondern auch der Musikgeschmack des Mainstream stark verändert. Doch die Musik von Helmet hat nie auf kommerziellem Erfolg aufgebaut. Geschätzt wurde die Band von Kollegen und Fans für ihre Musikalität, ihre vertrackten Rhythmen und spannungsgeladenen Harmonien – und daran hat sich nichts geändert. Diese Qualitäten sind mit Sicherheit die Konstante in der Musik einer Band, in der über die Jahre das Line-Up der beteiligten Musiker ständig wechselte. Von der Originalbesetzung ist nur noch der Gründer, Gitarrist und Sänger Page Hamilton dabei, der den Sound der Band weiterhin grundlegend prägt. Doch hat er sich nicht der Entwicklung verschlossen, und auch wenn das neueste Album noch klar als Werk von Helmet erkennbar bleibt, sind doch einige Veränderungen zu verzeichnen. Vor allem ist der Gesang melodischer geworden. „Dead to the World“ wirkt im Vergleich zu den Anfangsplatten weniger aggressiv und harmonischer. Nach über 25 Jahren Bandgeschichte, mit einer Unterbrechung zwischen 1998 und 2004, ist es eine erfreuliche Entwicklung, dass Hamilton auf diesem Album mehr singend als schreiend zu hören ist.

Als Songwriter nimmt Hamilton dabei nicht die Rolle des kopflosen Grungemusikers an, dessen Expressivität sich aus seiner Weltverdrossenheit speist. Vielmehr lassen die Gitarrenriffs erkennen, dass ein geschulter Jazzmusiker am Werk ist, der beim Komponieren um die konventionelle Harmonielehre weiß und sie darum gelegentlich aufbrechen kann. Vielleicht liegt auch gerade in dieser bewussten Haltung zur Musik die eigentliche Schwäche von Helmet: Die völlig verzerrten Gitarren und Bässe lassen die Harmonien nicht wirklich zur Geltung kommen, und die Songs sind zu verkopft, als dass sie auf eine einfache und ehrliche Art und Weise – zum Beispiel à la Kurt Cobain – berühren könnten.

Viele Weggefährten Hamiltons haben über die Jahre ihren Stil verändert, neue Bands gegründet und sich bereits bestehenden angeschlossen. Der erste Helmet-Schlagzeuger John Stanier spielt seit Jahren in der experimentellen Rockband Battles, wo er sein Drumspiel revolutionierte. Matt Flynn trat früher zusammen mit Page Hamilton in der Band Gandhi auf – nun ist er Drummer von Maroon 5.

Die Kulturfabrik ist der ideale Ort für Musiknostalgiker und Fans des alternative Metal. Mit Helmet wird ein Stück Musikgeschichte auf der Bühne stehen, und mit Page Hamilton ein Musiker, der sich über die Jahre hinweg treu geblieben ist, sich aber trotzdem weiterentwickelt hat.

Am 13. Juni in der Kulturfabrik Esch.

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