Ken Loach: The Navigators

Ken Loach wie in frühen Tagen: Fast authentisch und gänzlich unspektakulär zeigt er uns die Folgen der Eisenbahn-Liberalisierung in Großbritannien, die unter Thatcher begonnen hat und von Tony Blair weiterverfolgt wird. Da nimmt sich unser liberaler Transportminister mit seinen Milliardenprogrammen fast wie ein Kryptokommunist aus. Ein etwas fatalistischer Film, der uns weniger die Zusammenhänge erläutert, dafür aber Einzelschicksale herausarbeitet. Ohne hollywoodgerechtes Ende bleibt eine gewisse, durchaus gewollte Frustration bei den ZuschauerInnen zurück. Vielleicht präsentiert uns Loach in zehn Jahren eine Fortsetzung und zeigt uns, was aus seinen ProtagonistInnen geworden ist.

Im Utopia

Richard Graf

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GEWERKSCHAFTSSKANDAL: Spekulation statt Arbeiterkampf?

Auch moderne Gewerkschaften wollen mitmischen im kapitalistischen Finanzkrimi. Seit letztem Wochenende wissen wir: Das kann ins Auge gehen. Wichtiger ist jedoch die Frage: Hatte die FSFL wirklich nichts Besseres zu tun?

Ein Kommentar von Richard Graf und Danièle Weber

Hoch die kapitalistische Spekulation! Solide Fonds statt Arbeitersolidarität. So oder ähnlich könnten Forderungen moderner Gewerkschaften klingen. Jener Gewerkschaften, die endlich verstanden haben, nach welchen Regeln der Kapitalismus funktioniert. Die, statt sich um verstaubte Werte wie Arbeiterrechte zu kümmern, sich ganz offensiv neuen Aufgabengebieten stellen. Und dabei auch den Gang zur Börsenspekulation nicht scheuen. Wer wagt gewinnt, ein Leitspruch, den sich vor allem Börsenmakler gerne zu Eigen machen. mehr lesen / lire plus

2002: Da war doch was

Neben dem Euro sollten die Luxemburger eigentlich noch einem anderen Projekt mit hoch integrativer Wirkung entgegenfiebern.

Auch ohne den 11. September wäre 2001 ein wohl eher schlechter Jahrgang geworden. Die wirtschaftlichen Probleme haben weltweit zu einem Stimmungsknick geführt, der sämtliche Regierungen, die sich jetzt Wahlen stellen müssen, bangen lässt. Die portugiesische Regierung wurde in den letzten Tagen des vergangenen Jahres durch ihr katastrophal schlechtes Abschneiden bei den Kommunalwahlen so sehr aus der Bahn geworfen, dass sie auf halber Strecke Neuwahlen ausschreiben ließ.

Auch in Luxemburg, dessen wirtschaftlichen Probleme (noch) nicht so schwer wiegen, ist die Stimmung eher mies. Neben dem Paukenschlag, den die Veröffentlichung der PISA-Studie hierzulande auslöste, dürfte wohl auch der drohende Kollaps in Sachen Verkehrspolitik die politische Debatte, nicht nur am Biertisch, anheizen. mehr lesen / lire plus

PALÄSTINA: Arafat ist nicht das Problem

Israels Versuch, sich Arafats zu entledigen, wird keinen Frieden in Nahost bringen.

Kurz nach den Anschlägen des 11. September hatte es noch so ausgesehen, als würden die USA und der restliche Westen, in einer Art heilsamen Schock, ihre Nahost-Politik überdenken. Irgendetwas ist schief gelaufen – zu dieser Feststellung kamen viele, auch wenn sie die Anschläge gegen die USA verurteilten.

Mittlerweile hat sich die Stimmung gedreht, Israel, unter der Führung Ariel Sharons, kann wieder ungestraft die Rolle des Kolonialherren in Palästina übernehmen. Dass es soweit gekommen ist, hat sicherlich auch etwas mit den Schwächen des Palästinenser-Führers Arafat zu tun. Die Unfähigkeit, den radikalisierten Teilen der palästinensischen Bevölkerung eine Abkehr von den Terroraktionen nahe zu bringen, wiegt schwer. mehr lesen / lire plus

STEUERDUMPING: Armes reiches Luxemburg

Selbst Tony Blair will von Steuersenkungen nichts mehr wissen. Doch in Luxemburg sollen die Individual- und die Betriebssteuern so niedrig werden wie sonst kaum in Europa.

Was läuft schief?
(Foto: Christian Mosar)

Als Claude Wiseler als Budgetberichterstatter vergangene Woche den „wichtigsten Gesetzestext des Jahres“ vor versammeltem Haus (und erstmals auch vor laufender Chamber-TV-Kamera) kommentierte, fiel der Spagat weitaus schwieriger aus als in den Vorjahren.

Die Rekordjahre 1999 und 2000 im Rücken, eine ungewisse Zukunft in der Folge des „11. September“ vor sich, musste er der aufmerksamen Öffentlichkeit vorrechnen, warum es uns laut dem vorliegenden Zahlenmaterial so gut geht, auch wenn uns im Alltag an so vielen Stellen der Schuh drückt. mehr lesen / lire plus

PRESSEFREIHEIT: Rauchzeichen gegen Überwachung

Die Christ-Sozialen kontrollieren den eigenen CSV-Staat nicht mehr. Um den Schaden zu begrenzen, wird kurzum die Pressefreiheit über Bord geworfen.

Steuerstrafe wegen unerlaubter TVA-Ermäßigung gegen den Innenminister Wolter in Sachen nationales Tenniszentrum, „Plätterchers-Affär“ desselben Ministers, „amende“ wegen eines zu tief angesetzten Fiskalwertes einer Eigentumswohnung der Luxemburger EU-Kommissarin Reding und so weiter: Das „Flächenbombardement des Enregistrement-Direktors auf den CSV-Staat“, wie es ein Journalist aus der Bistumszeitung einmal bezeichnet hat, weitet sich aus und bleibt nicht ohne sich ausbreitende Kollateralschäden.

Eine Woche, nachdem Klage gegen den Journal-Chefredakteur Rob Roemen wegen „recel de secret professionnel“ erhoben wurde, ist es immer noch schwer zu verstehen, wie solch ein Vorgang im sonst so behäbigen Luxemburg überhaupt stattfinden konnte. mehr lesen / lire plus

PLATEAU DU KIRCHBERG: Luxtopia

Ohne breit angelegte und demokratisch abgestimmte Planung wird Luxemburg den eingeschlagenen Weg zum 700.000-Seelen-Staat kaum unbeschadet überstehen. Die Entwicklung des Kirchbergplateaus dürfte als mahnendes Beispiel dafür herhalten.

Kein Building ohne Tiefgarage!
(Foto: Christian Mosar)

Am 7. August 1961 wurde in Luxemburg sozusagen per Gesetz eine Art Revolution losgetreten: Das als Kirchbergplateau bekannte Areal östlich des Alzettetals sollte urbanistisch erschlossen und zu einem neuen Viertel der Europahauptstadt werden. Um dies zu ermöglichen, wurde damals der „Fonds d’Urbanisation et d’Aménagement du Kirchberg“ geschaffen. Die benötigten Flächen wurden zwangsenteignet und dem „Fonds“ übertragen.

Als sichtbarstes Zeichen einer sich anbahnenden neuen Epoche wurde eine knallrote (!) Brücke zwischen der bestehenden Stadt und dem neuen Viertel sowie das „Héichhaus“ errichtet. mehr lesen / lire plus

AFGHANISTAN: Kollaterale Hilfe

Einfach nur ungeschickt oder zynisch berechnend? Die Vermischung von humanitärer Hilfe und militärischem Einsatz in Afghanistan wird übernationale Konfliktlösungsstrategien auf Jahre hinaus diskreditieren.

Als nach den Wahlen von 1999 Luxemburg mit einem „Ministère de la coopération, de l’action humanitaire et de la défense“ ausgestattet wurde, waren zwar einzelne heftige Kritiken zu vernehmen, doch insgesamt schien sich die Öffentlichkeit kaum daran zu stören, dass hier nicht nur personell sondern auch institutionell Zuständigkeitsbereiche gebündelt wurden, die sich im konkreten Fall durchaus widersprechen können. Der Kosovo-Krieg wurde als praktisches Beispiel angeführt, wie die Militärs zunächst mit großem Aufwand ein Land zerstören können, um dann die sich daraus ergebende humanitäre Katastrophe aufzufangen und später auch noch den längerfristigen Wiederaufbau logistisch zu begleiten. mehr lesen / lire plus

SAARAUTOBAHN: Chamber auf der Kriechspur

An der Saarautobahn wird munter gebaut, auch wenn das entsprechende Gesetz auf sehr wackeligen Füßen steht und immer noch nicht verabschiedet wurde.

Die Autobahnbrücke in Richtung Saarland ist längst Realität. Doch das Gesetz, das den Bau der Saarverbindung eigentlich erst möglich machen soll, ist immer noch nicht gestimmt. (Foto: Christian Mosar)

Die Industriemülldeponie ‚Haebicht‘ und das Autobahnprojekt ‚Nordstrooss‘ – zwei Vorhaben, die nicht gerade ein Aushängeschild für den Umgang der Luxemburger öffentlichen Hand mit Großprojekten darstellen. Spätestens als sich ‚Haebicht‘ als größte Fehlplanung aller Zeiten entpuppte und klammheimlich per Gesetz wieder aus der Welt und den Köpfen geschaffen wurde, hätten wir annehmen können, dass es für unsere Gesellschaft, unsere Umwelt und unser Rechtsstaatsempfinden wohl besser wäre, in Zukunft etwas vorsichtiger mit größeren Planungen umzugehen. mehr lesen / lire plus

INTERVIEW: „Den Status des Weltkulturerbes nicht aufs Spiel setzen!“

Paul Helminger, Bürgermeister der Stadt Luxemburg, nimmt im woxx-Gespräch Stellung zur „cité judiciaire“, für die er einen Alternativstandort vorschlägt.

woxx: Welches sind die Hauptbedenken der Stadt Luxemburg hinsichtlich des Projektes einer „cité judiciaire“ auf dem Heilig-Geist-Plateau?

Paul Helminger: Wir teilen zum großen Teil die Sorgen, die jetzt auch die UNESCO zum Ausdruck gebracht hat. Da wir selber nicht über die nötige Kompetenz verfügen, haben wir von Anfang an darauf gedrängt, entsprechende Gutachten einzuholen. Es ist bedauerlich, dass das Vorhaben so lange vorangetrieben wurde, ohne dass mit der UNESCO Rücksprache gehalten wurde.

Das ursprüngliche Projekt bedeutet einen wesentlichen Eingriff in die Silhouette der Festungsstadt Luxemburg. mehr lesen / lire plus

TERRORANSCHLÄGE IN DEN USA: Deeskalation ist der einzige Weg

Die schlechteste Antwort auf die Attentate von Washington und New York wären militärische Gegenschläge, die weitere Unschuldige treffen.

„Dritter Weltkrieg“, „Kriegserklärung an die zivilisierte Welt“, „Pearl Harbour des 21. Jahrhunderts“… die Superlative in den offiziellen Stellungnahmen zu den terroristischen Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington klingen auch am dritten Tag danach nicht ab. Tatsächlich übertrifft die Tat in ihrer zielgenauen Ausführung und in ihrem Ausmaß an materiellem Schaden und besonders an menschlichem Leid wohl alles bisher da Gewesene.

Die restlose Zerstörung des berühmtesten Symbols der amerikanischen Wirtschaftskraft und die Ermordung zig-tausender Menschen auf einen Schlag, sie werden das politische Gesicht der Welt verändern. mehr lesen / lire plus

ANTI-RASSISMUS: Sie kommen, sie kommen nicht, sie kommen …

Die Rassismus- Konferenz in Durban wird nur zum Erfolg, wenn die historische und die tagespolitische Dimension gleichberechtigt behandelt werden.

Internationale UN-Konferenzen genießen nicht den besten Ruf. Entweder sie plätschern konfliktfrei vor sich hin und bringen wohlklingende Abschlusserklärungen hervor, die niemanden zu nichts verpflichten, oder aber sie scheitern bereits im Vorfeld, weil wichtige Teilnehmerstaaten die Konferenz einfach boykottieren und sich so etwaigen unangenehmen Verpflichtungen entziehen.

Zweimal haben sich die USA innerhalb von wenigen Monaten aus der internationalen Staatengemeinschaft ausgeklinkt – oder zumindest damit gedroht, es zu tun. Während es beim Klimagipfel in Bonn handfeste wirtschaftliche Argumente waren, die die Bush-Regierung dazu verleitet haben, sich als einzige keinem CO2-Reduzierungsziel zu verschreiben, so sind es im Falle der heute beginnenden Anti-Rassimus-Konferenz im südafrikanischen Durban eher außenpolitische Argumente, die ins Feld geführt werden, um sich aus einem langjährigen Prozess zurückzuziehen. mehr lesen / lire plus

DIE NATO IN MAZEDONIEN: Den Bock zum Gärtner gemacht

Wie schon im Kosovo-Konflikt soll die NATO in Mazedonien für dauerhaften Frieden sorgen. Ein weiteres Scheitern ist absehbar.

Der schwedische Friedensforscher Jan Oberg bezeichnete es als ein Wunder, dass Mazedonien den Kosovokrieg vor zwei Jahren physisch und politisch überhaupt überlebt hat. Ungefragt war das Land von der NATO zur Militärbasis und zum Flüchtlingslager umfunktioniert worden. Die gegen „Restjugoslawien“ verhängten Sanktionen trafen Mazedonien härter als irgendein anderes Land in der Region. Weil der Handel mit Belgrad fortan nur noch illegal betrieben werden konnte, entwickelte sich der Nährboden für eine kriminalisierte Außenhandelswirtschaft, kombiniert mit einer Veräußerung von Gemeineigentum. Konsequenz: Auch ohne direkte Kriegseinwirkung ist die mazedonische Wirtschaft „nachhaltig“ erledigt. mehr lesen / lire plus

architecture: Auto-liquidation

25 ans après sa constitution, „Vieux Luxembourg S.A.“ vient de constater qu’elle a bel et bien accompli sa mission, à savoir „la préservation du patrimoine architectural et historique du Grund tout en favorisant sa réhabilitation“. En conséquence elle va se mettre en liquidation et rembourser le capital social à son actionnariat. En un quart de siècle la „réhabilitation“ du Grund semble effectivement achevée: face à une rénovation de luxe, la population initiale a rapidement compris qu’elle n’avait aucun rôle à jouer dans cette „success story“. VL l’avoue d’ailleurs ouvertement: „de nouveaux propriétaires ont choisi le Grund comme leur lieu de résidence, de nouveaux logements ont été créés, de nouvelles entreprises se sont implantées dans le quartier.“ Certes un mouvement d’opposition a pu se mettre en place et, au cours des années ’80 l’Etat a commencé à s’intéresser un peu plus au sort du Grund. mehr lesen / lire plus