MALEREI UND FILM: Der Künstler als Heimkehrer

Der luxemburgische Künstler Nelson Neves besucht nach 23 Jahren zum ersten Mal wieder seine Familie auf den Kapverdischen Inseln. Der Dokumentarfilmer Henri Fischbach folgt ihm dabei mit der Kamera.

Kreative Freundschaft: der Dokumentarfilmer Henri Fischbach und der Maler Nelson Neves (rechts).
(Foto: Christian Mosar)

Die Idylle trügt. Zwischen all den Bananen, Papayas und Mangos muss Martim hart arbeiten. Bis der große Regen kommt, soll die Leitung fertig sein, damit er seinen Pflanzen Wasser zuführen kann. „Wenn das nicht funktioniert, haben wir nichts zu essen“, sagt Martim, der eine ganze Familie ernähren muss. Das Leben der Menschen auf der Insel Santo Ant°o ist voller Entbehrungen. mehr lesen / lire plus

JEAN-FRANCOIS POUILOT: La grande séduction

Die Komödie von Jean-François Pouliot bietet vor allem und zuerst beste Kinounterhaltung, garniert mit Sozialkritik. Außerdem enthält sie das, was vielen Filmen in den vergangenen Jahren fehlte und was ihr einen eigentümlich skurrilen Touch verleiht: Lokalkolorit.

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WIRTSCHAFT: Streicheln hier und Mahnen dort

Der Premierminister liefert eine Bestandsaufnahme zur Lage der Nation und erweist sich einmal mehr als Meister der politischen Psychologie. Einige heikle Themen bleiben jedoch außen vor.

Der Premierminister hat Frühlingsgefühle. „Wir sehen den Frühling ganz deutlich“, sagte Jean-Claude Juncker am Dienstag während seiner Rede zur Lage der Nation und meinte damit den Aufschwung der hiesigen Wirtschaft. Schließlich erwartet die EU-Kommission für Luxemburg ein Wachstum von 2,4 Prozent. Nach einer konjunkturellen Schwächephase also wieder alles bestens?

Von wegen! Während Juncker in der Chamber die Wirtschaftspolitik seiner Regierung schönredete, gingen in Düdelingen mehr als 2.000 Menschen auf die Straße, um gegen den Abbau von rund 1.000 Stellen zu demonstrieren. mehr lesen / lire plus

HANDWERK: Jobmaschine mit Imageproblemen

Woanders werden Arbeitsplätze vernichtet, im Handwerk entstehen welche. Doch SchulabgängerInnen interessieren sich nur wenig für eine Ausbildung in dem Boomsektor.

Sie kommen zu spät, erzeugen Lärm und Schmutz, sind zu teuer, und dann machen sie auch noch ihre Arbeit nicht so, wie die KundInnen sich es wünschen – die Liste der Vorwürfe ist lang, denen HandwerkerInnen ausgesetzt sind. Ob gerechtfertigt oder nicht, ohne HandwerkerInnen geht es nicht, vor allem nicht für in der luxemburgischen Wirtschaft.

Stellenabbau, Firmenpleiten, steigende Arbeitslosigkeit – Luxemburg ist in den Sog des europaweiten Konjunkturtiefs geraten. Angesichts des schwachen Wirtschaftswachstums sieht Zentralbank-Chef Yves Mersch sogar den Ruf des Landes in Gefahr. mehr lesen / lire plus

ARCELOR: Ende des Dornröschenschlafs

Der geplante Stellenabbau des Stahlkonzerns Arcelor kann als weiteres Signal für ein raueres soziales Klima im Großherzogtum gedeutet werden. Zweifel am Fortbestand des Luxemburger Modells sind wohl berechtigt.

Stahl made in Luxemburg? (Foto: Archiv)

Für die Stahlindustrie brechen glänzende Zeiten an. So sieht es zumindest Dieter Ameling. „Der Werkstoff Stahl ist gegenwärtig gefragt wie nie zuvor in seiner langen Geschichte“, stellt der Präsident der Düsseldorfer Wirtschaftsvereinigung Stahl fest und spricht sogar von einem „weltweiten Hunger nach Stahl“, ausgelöst durch den wirtschaftlichen Aufholprozess in vielen Schwellenländern. Nach einem Anstieg der globalen Rohstahlproduktion im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 964 Millionen Tonnen rechnen Branchenkenner dieses Jahr mit einem weiteren Zuwachs auf mehr als eine Milliarde Tonnen. mehr lesen / lire plus

THEATER: Die Grenzgängerin

Marion Poppenborg bewegt sich zwischen Regie und Schauspielerei hin und her, zwischen Stücken in deutscher und französischer Sprache. Erstmals steht sie mit der Gruppe Maskénada auf der Bühne.

Ein gern gesehener Gast in Luxemburg: Zurzeit spielt Marion Poppenborg mehrere Rollen in Frédéric Frenays
Inszenierung von „The Elephant Man“ in der Escher Kulturfabrik.

Mrs. Kendal weiß, dass sie Illusionen verkauft. Als Schauspielerin hat sie ein Gespür dafür, dass vieles im Leben nur Maskerade ist. In dem „Elefantenmenschen“ John Merrick entdeckt sie einen verletzlichen, sensiblen Menschen. In den Augen der anderen ist er dagegen ein Monster – oder das Objekt wissenschaftlicher Studien.

Mrs. mehr lesen / lire plus

FREDERIC SCHOENDOERFFER: Agents secrets

Der Film hält nicht was er zumindest am Anfang verspricht. Indem er unter anderem mehr die Arbeitsweise der Agenten beschreibt als die eigentliche Story in den Vordergrund stellt, versucht Regisseur Frédéric Schoendoerffer dem Agentenfilm-Genre etwas Neues abzugewinnen. Doch bis auf einzelne Passagen glückt ihm dieser Wiederbelebungsversuch nicht. Und das Glamour-Duo Vincent Cassel und
Monika Belucci bleibt zudem im Bereich seiner – begrenzten – schauspielerischen Möglichkeiten.

Im Utopolis

Stefan Kunzmann mehr lesen / lire plus

KONZERT: Nach dem Hörsturz die Sintflut

Die Einstürzenden Neubauten sind ruhiger geworden.
Statt Lärmattacken liefert die Berliner Band Soundexperimente am Rande der Hörbarkeit – kommende Woche auch in Luxemburg.

Immer unterwegs: Die Einstürzenden Neubauten auf der Suche nach Esch.

Wie ein gerupfter Vogel sah Blixa Bargeld aus. Die Haare standen ihm zu Berge. Seine Pupillen waren riesig und die Ringe unter den Augen dunkel. Dünn und ungesund blass wirkte der Sänger der Einstürzenden Neubauten, als ich die Band das erste Mal live erlebte, in der Münchner Theaterfabrik Mitte der 80er Jahre.

Bei seinen Auftritten trug Bargeld regelmäßig ein schwarzes Hemd und enge Lederhosen mit einem Gurt, der aussah wie eine Art Keuschheitsgürtel. mehr lesen / lire plus

ASYL: Der andere Blickwinkel

Schneller und effizienter sollen die Asylverfahren werden. Dies sieht das Gesetzesprojekt von Justizminister Frieden vor. Damit bewegt er sich auf der umstrittenen EU-Linie.

Doch das ist für Luc Frieden weniger entscheidend. Wie schon gesagt: Der luxemburgische Justizminister betrachtet die Asylfrage aus einem anderen Blickwinkel.

Der Justizminister zeigte sich zufrieden. Die Asylpolitik der Luxemburger Regierung bleibe konstant, sagte Luc Frieden am vergangenen Mittwoch gegenüber PressevertreterInnen und präsentierte ein von ihm eingebrachtes Gesetzesprojekt, das kürzere Asylprozeduren bringen soll. Und er betonte wiederholt, dass seine Initiative im Einklang mit dem internationalen Recht stehe.

Gegen beschleunigte Verfahren zur Anerkennung von AsylbewerberInnen ist eigentlich nichts einzuwenden. mehr lesen / lire plus

ISABEL COIXET: My Life Without Me

Die junge todkranke Ann holt bisher Versäumtes nach und probiert Dinge, die sie zuvor nicht wagte. Die Regisseurin Isabel Coixet vermeidet in ihrem Film Weinerlichkeit und Gefühlskitsch. Sarah Polley spielt die Hauptfigur nuancenreich und glaubhaft, und auch die Nebenrollen sind ideal besetzt. Ein ernstes Thema, aber kein trauriger Film.

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NAHOST: Ein furchtbarer Fehler

Der israelische Premierminister Ariel Scharon wollte Tabula Rasa machen. Doch nach der Tötung Scheich Jassins stehen die Zeichen auf noch mehr Gewalt im Nahen Osten.

Mitleid hat Scheich Ahmed Jassin nicht verdient. Der Hamas-Gründer rief nicht nur zur Tötung unschuldiger Israelis auf, sondern hieß sogar den Einsatz von Kindern als Selbstmordattentäter gut. Anfang dieser Woche ist Jassin ein Opfer jenes Terrors geworden, den er unter anderem selbst gesät hatte.

Trotzdem ist seine Ermordung zu verurteilen. Statt den Scheich für seine Hetzkampagne vor ein Gericht zu bringen, wie es sich in einem Rechtsstaat gehört, ist er zusammen mit ein paar Anhängern nach der Devise „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ liquidiert worden. mehr lesen / lire plus

UTOPAIA S.A.: Das langsame Sterben

Die Zeit der luxemburgischen Traditionskinos
gehört längst der Vergangenheit an. Utopia S.A. beherrscht die Szene.

Nur noch der Name erinnert an alte Zeiten: Das ehemalige „Victory“ im Luxemburger Bahnhofsviertel ist längst eine Ruine.

Ein Kinobesitzer hat sich das Leben genommen – und auf der Leinwand läuft „Red River“ von Howard Hawks. „Royal“ heißt das Kino, ein prahlerischer Name in einer Kleinstadt wie dem texanischen Anarene.

„Die letzte Vorstellung“ heißt der Film und er wird oft zitiert, wenn es um das Kinosterben geht. Das schon
seit mehr als 30 Jahren, denn Peter Bogdanovichs Film stammt aus dem Jahr 1971. Das tatsächliche Sterben dauert aber noch länger. mehr lesen / lire plus

PETER WEBBER: Auf den Spuren der Schaffenskraft

Peter Webber zeigt in „Girl with a Pearl Earring“, wie ein Kunstwerk entsteht. Die britisch-luxemburgische Koproduktion überzeugt als atmosphärisch dichtes Sittengemälde mit hervorragenden SchauspielerInnen.

Ein Hauch von Berührung. Vermeer weiht die Magd in die Geheimnisse der Camera obscura ein.

Als Griet zum ersten Mal in das Atelier ihres neuen Herrn geführt wird, betritt die junge Frau eine magische Welt voller Geheimnisse. Ihre Eltern hatten sie zur Familie des Malers Jan Vermeer geschickt, um dort zu arbeiten. Während sich Vermeer ganz seiner Malerei widmet, leitet seine Schwiegermutter die finanziellen Geschicke des Hauses. Sie ist es auch, die den reichen Kunstmäzen van Rujven einlädt, um neue Aufträge für den Maler zu ergattern. mehr lesen / lire plus

EASY RIDER, RAGING BULLS: Porträt einer Filmepoche

Das Ziel aller Träume war die Traumfabrik selbst: Doch die Hollywoodstudios standen gegen Ende der 1960er Jahre am Rande des Bankrotts – finanziell und erst recht künstlerisch. Da begannen ein paar junge Regisseure Filme zu drehen. Sie brachen mit den bestehenden Konventionen der Studios und nahmen das Heft auf ihre Weise in die Hand – und zwar radikal. Peter Bogdanovitch, Francis Ford Coppola, Dennis Hopper, Mike Nichols, Arthur Penn und Martin Scorsese sind nur einige von ihnen. Das New Hollywood Cinema war geboren. Peter Biskind hat die Geschichte dieser neuen Generation aufgeschrieben. In „Easy Riders, Raging Bulls“ erzählt er von dieser Epoche des amerikanischen Kinos vom Anfang bis zu ihrem Ende. mehr lesen / lire plus

KINDESMISSBRAUCH: Der Dutroux-Effekt

Der Fall Dutroux hat den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Der Großteil der Kindesmisshandlungen spielt sich jedoch nach wie vor innerhalb
der Familien ab.

Jean-Marie Heitz ist wütend. Gemeinsam mit anderen AktivistInnen des „Weißen Komitees“ aus Bastogne wartet er vor dem Justizpalast in Arlon vergeblich darauf, in den Gerichtssaal
hineingelassen zu werden. Er möchte dabei sein, wenn dem Kinderschänder Marc Dutroux und seinen Komplizen der Prozess gemacht wird. „Da werden fünf Millionen Euro für das Verfahren und für Dutroux‘ Schutz ausgegeben – und wir dürfen nicht einmal zuschauen“, regt sich Heitz auf, während ein anderer Mitstreiter des Komitees ein Herz aus Pappe hoch hält: Darauf sind die Fotos von zwei Dutroux-Opfern geklebt. mehr lesen / lire plus