25 JAHRE BIOLANDBAU: Druck vom Handel

Nicht nur konventionelle Lebensmittel standen in den vergangenen Tagen in der Kritik, auch bei Bio gab es Probleme. Ein Grund mehr, Fragen zu stellen – auch anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der organisierten Biolandwirtschaft in Luxemburg.

Woxx: Nach dem Pferdefleisch-Skandal gibt es jetzt auch Täuschungen bei der Etikettierung von Bio-Eiern. Wie steht es um die Landwirtschaft?

Daniela Noesen: Nach dem Krieg bestand die Notwendigkeit, billige Lebensmittel zu produzieren, und nach diesem Prinzip sollten sich die Betriebe aufstellen. Im Laufe dieses Prozesses haben wir jedoch immer mehr den Bezug zur Landwirtschaft verloren. Die Landwirtschaft hat eine Wendung zur Industrialisierung genommen – auch durch die unumgängliche Technisierung. mehr lesen / lire plus

AGROKRAFTSTOFFE: Alternativen zur Zapfsäule

Agrokraftstoffe sind kein Heilmittel gegen den Klimawandel. Um den Energieverbrauch im Verkehrssektor zu senken, ist ein grundlegender Wandel in der EU-Transportpolitik gefordert. Vorschläge hierzu enthält eine Studie, die diese Woche vorgestellt wurde.

Die Agrokraftstoffe haben nur den Effekt, der Autoindustrie die ungestörte Fortsetzung der Produktion von Spritfressern zu ermöglichen.

Die Benzinpreise steigen, aber nicht nur deswegen, sondern auch aus Gründen der Ökologie, ist es notwendig, sich aus der Abhängigkeit vom Rohöl zu befreien. Einen Schritt auf dem Weg dahin sehen die Verantwortlichen in Europa in der Beimischung von Agrokraftstoffen. Öko ist das jedoch nicht, worauf schon letztes Jahr eine Reihe von Luxemburger Umweltverbänden und Entwicklungsorganisationen aufmerksam gemacht hatten. mehr lesen / lire plus

BIENEN: Das Ende der Bestäubungsmaschinen?

Von der Bedeutung der Bestäubungsleistung der Bienen hat man kaum einen Begriff, und auch auf die Abnahme der Biodiversität in der Landschaft wird zu wenig reagiert. Im Vorfeld der Filmpremiere von „More than Honey“ sprach die Woxx mit dem Imker und Naturschützer Marc Thiel.

Woxx: Worin sehen Sie das Hauptproblem der Imkerei?

Marc Thiel: Im Film „More than Honey“ wird auch die Thematik der Bestäubung aufgegriffen. Wenn jemand an die Imkerei denkt, dann meint er damit in der Regel den Honig – das Wichtigere ist jedoch die Bestäubung. Schweizer Studien besagen, dass der Wert der Bestäubungsleistung 10 bis 30 Mal so hoch ist wie der des Honigs. mehr lesen / lire plus

ZEITGESCHICHTE: Frauen der Resistenz

Da sind etwa Léonie Schammel-Stoffel und ihre Schwester Aline, Gastwirtinnen aus Mertzig. Die Gastwirtschaft ermöglichte es der Familie während der deutschen Besatzungszeit, heimlich Lebensmittel zu organisieren. Diese verteilten die beiden Schwestern an mehrere Deserteure und Wehrdienstverweigerer, die sich in der Nähe von Mertzig versteckt hielten. Auch halfen sie, in Zusammenarbeit mit der „Lëtzebuerger Vollekslegioun“, Deserteuren über die Grenze. Bis sie am 14. Dezember 1943 verhaftet und in das Frauengefängnis in Luxemburg Grund gebracht wurden. Hier begann ihre Odyssee durch verschiedene Strafanstalten: Zwei Monate später wurden Léonie und Aline in das Frauenstraflager Flussbach verlegt und dann weiter nach Oberemmel bei Konz gebracht, wo sie in der Landwirtschaft und in den Weinbergen arbeiten mussten. mehr lesen / lire plus

NACHHALTIGKEIT: Stadtentwicklung selbst gemacht

Von neuen Wohnmodellen und reduziertem Individualverkehr reden viele. Aber wo sind die Städte, die damit ernst machen? Ein Musterbeispiel ist Tübingen.

Identifikation mit dem Lebensraum schafft neue Möglichkeiten.

„Die Stadt sollte sich nicht aus der Liegenschaftspolitik zurückziehen, sondern aktiv Grundstücke erwerben und nicht darauf vertrauen, dass ein großer Projektentwickler kommt, bei dem die Stadt nach fünf Jahren einen fertigen Stadtteil abholt“, betont Cord Soehlke, Baubürgermeister der Stadt Tübingen in Baden-Württemberg. Und: „Unsere Erfahrung ist, dass man über den Grundstücksbesitz sehr viel steuern kann, was soziale und ökologische Kriterien sowie städtebauliche Qualitäten anbelangt.“

Unter dem Titel „Neue Wege gehen in der Gemeindeentwicklung und der Planung von Siedlungen“ fand diese Woche eine vom Mouvement Ecologique organisierte Konferenz statt, bei der das Tübinger Modell vorgestellt wurde. mehr lesen / lire plus

EU-KRISE: Strukturreformen, gewusst wie

Eine Folge der Krise ist, dass nicht der Markt, sondern der Staat an Einfluss verliert. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, müssen die Staaten in die Lage versetzt werden, zu investieren, folgert Peter Bofinger.

„Die Krise war ein globales Phänomen und sie ist ein Problem der Bankenaufsicht. Sie ist aber auch ein Problem der Wirtschaftswissenschaft: In den Standardlehrbüchern der Wirtschaftswissenschaften haben die Banken oft nur eine reine Durchleitungsfunktion; dass sie aber im großen Stil Kredite schaffen und damit riesige Blasenprozesse in Gang setzen, kommt nicht vor“, so Peter Bofinger, Mitglied im Rat der Wirtschaftsweisen der Bundesregierung. Er gilt als der führende Vertreter einer nachfrageorientierten Wirtschaftswissenschaft in Deutschland und vertritt damit eine Minderheitenposition. mehr lesen / lire plus

WOHNUNGSNOT: Spenden und bewenden lassen

Wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirkt der Mietzuschuss, den Marco Schank diese Woche vorstellte. Vor allem jedoch wird mit ihm das eigentliche Problem gar nicht berührt: die Preistreiberei bei den Mietwohnungen zu stoppen.

Seit Jahren steigen die Mietpreise in Luxemburg. Der „Observatoire de l’habitat“ stellte bei einer Analyse der in den Tageszeitungen angegebenen Mietpreise fest, dass zwischen 2005 und 2012 die Mieten für Häuser um 11,5 Prozent und diejenigen für Wohnungen um rund 20 Prozent gestiegen sind. Die Mietpreise für Einzimmerwohnungen legten sogar um 27 Prozent zu. Zugleich befanden sich im Jahr 2010 54 Prozent der Haushalte, die ein auf dem privaten Immobilienmarkt gemietetes Studio bewohnen, unter der Armutsgrenze. mehr lesen / lire plus

Jake Bugg

Er hat zwar kaum einen richtigen Bart und doch schon einen Vermerk bei Wikipedia. Seit letzten November überschlugen sich die Musikkritiker in seiner britischen Heimat vor Lob, als sein selbstbetiteltes Debütalbum erschien. 2013 scheint auf jeden Fall sein Jahr zu werden: Die Rede ist von dem gerade mal 18-jährigen Jake Bugg, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Jacob Edwin Kennedy heißt. Kurz nachdem ein Song von ihm für eine Bierwerbung benutzt wurde, schoss sein erstes Album auf Platz eins der britischen Charts. Mittlerweile wird Jake Bugg gar als neuer Bob Dylan gehandelt und mit dem frühen Donovan verglichen. Bugg, der ursprünglich aus Nottingham stammt, begann im Alter von zwölf Jahren Gitarre zu spielen und schuf melancholische und nachdenkliche Songs auf seiner Gibson. mehr lesen / lire plus

WOHNEN: Objekt der Begierde

Dass Menschen mit niedrigem Einkommen auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert werden, wird einfach hingenommen. Allzu halbherzig sind die Maßnahmen zur Dämpfung der Preise und zur Erhöhung des Wohnungsangebots. Die Macht der Immobilienagenturen und Wohnungseigentümer ist ungebrochen.

Die fetten Jahre sind vorbei.

„Je tiens tout d`abord à vous remercier pour le vif intérêt que vous portez à notre logement qui saura sans doute vous convenir une fois que vous l`aurez visité? Pour que le rendez-vous soit effectif, une dernière formalité reste à remplir pour nous garantir que vous êtes réellement intéressé à louer notre appartement. Dès l`instant votre dossier de location doit être au complet, et ce qui est du dépôt de garantie (?) pour des raisons de sécurité et également pour nous rassurer de la disponibilité des fonds, on voudrait que (…) vous irez faire le dépôt de deux mois de caution ce qui fait 1.100? mehr lesen / lire plus

ERZIEHUNG: Educateur – auf Profilsuche

Ein Gespräch über den Berufsstand des „éducateur gradué“ macht einen weitreichenden Reformbedarf sichtbar.

Eine fehlende Deontologie, Mobbing und nicht umgesetzte Ergebnisse aus Weiterbildungen sind Themen, die Sozialpädagogen zu schaffen machen. Während Marc Pletsch schon länger als Sozialpädagoge aktiv ist, steigt René Clemens dagegen erst in den Beruf ein.

woxx: „Il nous faut dorénavant une éducation personnelle, et non pas une attitude morale inculquée“, heißt es in einem Zitat. Was hat sich im Laufe der Zeit in der Erziehung verändert, und wie definiert sich der Beruf des „Educateurs“ heute?

Marc Pletsch: In den letzten fünfzehn Jahren, also der Zeit, in der ich in diesem Bereich aktiv war, hat sich vieles verändert. mehr lesen / lire plus

WERBEGRAFIK: Im Farbenrausch

Die Grafiken des Atelier Weyer sind wahre Eyecatcher und haben das visuelle Bewußtsein gleich mehrerer Generationen geprägt. Eine gute Auswahl aus dem Schaffen der Familie Weyer – rund 70 Plakate – ist zurzeit im Historischen Museum der Stadt Luxemburg zu sehen. Die ausgestellten Plakate sind Teil einer bedeutenden Schenkung der Familie an das Historische Museum aus dem Jahr 2011. Sie geben nicht nur einen guten Einblick in die Entwicklung der Kunst- und Werbegrafik in Luxemburg über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren, sondern auch über die Art wie sich verschiedenen Auftraggeber selbst definierten oder gesehen werden wollten, sie sind Spiegel einer gewissen Zeitepoche. mehr lesen / lire plus

Pandaman-Style

Der deutsche HipHop-Newcomer „Cro“ macht Karriere, bedient sich dabei der üblichen Macho-Klischees mit einem fetten Lächeln – und bleibt an der Oberfläche hängen.

RAP/POP

„Baby, bitte mach dir nie mehr Sorgen um Geld, gib mir nur deine Hand ich kauf dir Morgen die Welt. (…) Nur noch Kaviar Champagner oder Champus, Baby ich erfüll` dir wirklich jeden Wunsch mit Handkuss. Frühstück in Paris und danach joggen auf Hawai und um das ganze noch zu toppen gehen wir shoppen in LA“ – heißt es in Cros chilligem Sommerhit „Einmal um die Welt“, der in den vergangenen Monaten im Minutentakt auf allen Radiostationen lief. mehr lesen / lire plus

PONT ADOLPHE: Sanierung beschlossen

Kurz vor Jahresschluss wurde in der Chamber das Gesetzesprojekt „portant réhabilitation du Pont Adolphe à Luxembourg“ angenommen. Ein Startschuss hoffentlich auch für eine neue Verkehrspolitik.

„Schauen Sie sich den Pont Adolphe noch einmal genau an, bald wird er nicht mehr da sein“, erinnert sich Bautenminister Claude Wiseler in der Chamber kurz vor Jahresschluss an die erste Unterredung mit der Straßenbauverwaltung zur Zukunft der Brücke. Die Behörde hätte die renovierungsbedürftige hundertjährige Brücke am liebsten gleich komplett abgerissen.

Dazu soll es nun aber nicht mehr kommen. Damit die Brücke ihren Charakter behält, wurde mit dem von der Chamber verabschiedeten Gesetzesprojekt 6468 zur Renovierung des Pont Adolphe und seiner Verbreiterung um 1,5 Meter in der Sitzung Ende Dezember beschlossen, dass die ursprüngliche Steinstruktur der Brücke als bedeutendes Werk des französischen Eisenbahn-Ingenieurs Paul Séjourné und als urbanistisches Wahrzeichen der Stadt in ihrer Authentizität weitestgehend erhalten bleiben soll. mehr lesen / lire plus

THOMAS VINTERBERG: Über die Wirkungsmacht von Vorurteilen

„Kindermund tut Wahrheit kund“ – oder auch nicht. Thomas Vinterbergs „Jagten“ führt die Folgen einer Falschbeschuldigung in aller Eindringlichkeit vor.

Von der Jagd auf Tiere zu
der Jagd auf Menschen.
Mads Mikkelsen in „Jagten“

Von der Jagd auf Tiere zu der Jagd auf Menschen, oder wie schnell ein Vorurteil – denn Kindergärtner können ausnahmsweise auch einmal nicht pädophil sein – eine mächtige Wirkung entwickelt und einen Menschen an den Rand der Existenz treiben kann, das ist in etwa das Thema von Thomas Vinterbergs neuem Film „Jagten“.

Dabei beginnt der Film ganz harmlos in einer kleinen dänischen Ortschaft, in der nicht viel los ist, außer den gelegentlichen Trinkgelagen der Männer. mehr lesen / lire plus

INDUSTRIEKULTUR: Mechanische Energie aus Abfallgas

Das Stahlwerk in Differdingen ist einer der prominenten Standorte der früher einmal bedeutenden Gewinnung von mechanischer Energie aus Gas. Diese Vergangenheit soll in einem Mitmachmuseum wiederbelebt werden. Ein Besuch in Differdingen informiert über den Fortgang der Planungen.

Das monumentale neo-klassizistische Bauwerk der Differdinger Gaszentrale 2, erbaut 1905, besteht heute noch. Zukunft jedoch ungewiss.

„Wat is ’ne Dampfmaschin? Da stelle ma uns mal janz dumm und sagen, en Dampfmaschin‘ is ne jroße, runde, schwarze Raum mit zwei Löchern. Durch dat eine kommt der Dampf rein, un dat andere krieje ma später …“, so Lehrer Bömmel in dem deutschen Filmklassiker „Die Feuerzangenbowle“, der mittlerweile zur Vorweihnachtszeit gehört wie Zimt-sterne und Adventskränze. mehr lesen / lire plus