KULTURGESCHICHTE: Stiller Triumph unter der Trauerweide

Auch wenn sich die Bitburger Dr.-Hanns-Simon-Stiftung in ihrem Haus Beda zunehmend der Ausstellung moderner Kunst widmet, verwahrt sie doch in ihrer umfangreichen Sammlung auch zahlreiche Werke von Künstlern, die dem NS-Regime nahe gestanden haben.

Unkommentiert steht Arno Brekers „Prometheus“ im Garten des Haus Beda.

Vom „Drang zum Hässlichen, Krankhaften, Verrückten, Perversen, ja zur Pornografie“ in der Kunst ist die Rede. Von Dekadenz und Verfall. Und von Besuchern, die an „diesen so genannten modernen Kunstwerken verständnislos, kopfschüttelnd oder auch erbost und empört vorbeigehen“. Diese Sätze sind Ausschnitte aus einer Rede. Allerdings nicht etwa aus der Eröffnungsrede zur Münchener Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937, sondern aus der zu einer Veranstaltung rund 40 Jahre später. mehr lesen / lire plus

BLUES: Der Mann aus dem Haus der aufgehenden Sonne

Nach einem halben Jahrhundert Bühnenpräsenz, in dem sich Leidenschaft zur Musik und exzessiver Drogenkonsum immer wieder in die Quere kamen, hat Eric Burdon ihn nach wie vor: den Blues.

Hat den Rock ’n’ Roll aus der Nähe gesehen: Eric Burdon.

„Ein Hit genügt nicht“, schreibt die deutsche Jugendzeitschrift „Bravo“ in ihrer Ausgabe 44 aus dem Jahr 1964. Berichtet wird über einen Auftritt der „Animals“ im New Yorker Paramount-Theater, der allem Anschein nach kein Erfolg war.  50.000 Dollar Miese soll der amerikanische Agent gemacht haben. „Ein einziger Hit genügt eben nicht, um die Leute für solche Importsänger zu interessieren. Nicht einmal mit einem Knüller wie ,The House Of The Rising Sun‘ ist das zu schaffen“, so das Fazit des enttäuschten Agenten. mehr lesen / lire plus

THE PRODIGY: Tanzender Teufel -stolpernde Bässe

Mit „The Fat of the Land“ hat
The Prodigy Mitte der 90er Raver und Rocker auf dem Dancefloor vereint. Jetzt tourt die Band um Liam Howlett mit dem aktuellen Album „Invaders Must Die“.

Auf das Äußere kommt es an – dagegen lassen die Texte von The Prodigy schon etwas zu wünschen übrig.

The Prodigy ist ein Wunderkind – zumindest, wenn es aus dem Englischen ins Deutschsprachige übersetzt wird. Und Wunderkinder sind zum Beispiel solche, die im Alter von fünf Jahren die Gravitationstheorie plausibel widerlegen oder aber bereits mit vier Jahren den Klavierlehrer an seine Grenzen bringen. Liam Howlett scheint ein solches Wunderkind jedoch nicht zu sein. mehr lesen / lire plus

ROCK: Wer’s hört, wird selig

Mit ihrem vierten Album „Und endlich unendlich“ meldet sich Selig nach zwölf Jahren Funkstille wieder zurück. Am kommenden Freitag spielen die Hamburger Hippie-Metaller in der Rockhal.

Zwölf Jahre weg und doch wieder in den 90ern angekommen : Selig sind zurück.

Das Jahr 1994 ist schon ein äußerst sonderbares. Während Kurt Cobain mit einer dreifachen Überdosis Heroin und einem Kopfschuss sein Leben beendet, dröhnt aus deutschen Radios Helge Schneiders Katzenklo. Und mit Blick auf die Charts und die darin enthaltenen Produktionen des Nachbarlandes scheint so einiges diesem Katzenklo entsprungen zu sein. Die neue Deutsche Welle ist längst vorbei, kaum einer außer Nena hat sie überlebt und die Musikszene ist geprägt von einem Einheitsbrei aus Techno, Euro-Dance und Weichmachern US-amerikanischer Fließband-Produzenten. mehr lesen / lire plus

ENERGIE: Die Sonne kommt aus der Erde

Im deutschen Grenzort Roth an der Our entsteht derzeit Europas erstes CO2-freies Neubaugebiet. Mit Wärme versorgt werden die Häuser dabei über ein Solarheizkraftwerk. Entwickelt wurde das Projekt von einem kleinen Unternehmen in Berdorf.

Vom Dachgeschoss des Solarheizkraftwerks, wo schon bald die Fotovoltaikelemente installiert werden, blickt Ewald Schares auf sein CO2-freies Neubaugebiet.

„Die Sache funktioniert ganz einfach“, sagt Ewald Schares mit breitem Lächeln und zeigt in Richtung Sonne: „Was von oben kommt, kostet nichts.“ Der Mann hat recht. Die Sonne scheint auch an diesem Vormittag. Und das völlig umsonst. Doch wer von der Sonne mehr haben will als nur schönes Wetter oder einen Sonnenbrand, der muss zunächst ziemlich viel Geld aufbringen. mehr lesen / lire plus

POP: Betrunken und traurig macht glücklich

Texte voll großer Gefühle und melancholischer Momente: Mit dem aktuellen Album „Heureka“ ist die norddeutsche Band Tomte derzeit auf Tour.

Kann aber noch stehen :
Tomte-Sänger
Thees Ullmann live.

Wer nach einer durchzechten Nacht morgens um halb sechs mit Neil Youngs „Out On the Weekend“ mit der Hand im Aschenbecher auf der Couch einschläft, ist bei Tomte genau richtig. Und wenn es auch nicht die Musik ist, die verbindet, dann ist es zumindest die gemeinsame Erkenntnis. „Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören!“, sagen die Jungs von Tomte und widmen dieser Tatsache sechs Minuten ihres aktuellen Albums „Heureka“. mehr lesen / lire plus

AUSSTELLUNG: Der Mann mit dem Kopf eines anderen

Am 2. Juni öffnet Trier die Museumstüren für die bisher größte Ausstellung zu Ehren des Kaisers Konstantin. Einen Tag später beginnt das Pendant dazu in der Tufa.

Entdeckte die Vorzüge des Christentums im Blutrausch: Kaiser Konstantin.
(Foto: Dombauarchiv Köln, Matz und Schenk)

Würde der große Konstantin heute noch leben, so wäre er kommende Woche beim G8-Gipfel im deutschen Ostseebad Heiligendamm mit Sicherheit dabei. Protestierende Globalisierungsgegner würde er den Löwen zum Fraß vorwerfen, und des Weiteren würde er dafür sorgen, dass die Zusammenarbeit enger wird. Und zwar so eng, dass nach ein paar Tagen Heiligendamm aus dem G8 ein G1-Gipfel würde. Ja, Konstantin hat in gewissen Situationen nicht lange gefackelt, und vielleicht ist das der Grund, warum er so viele Nachahmer gefunden hat – doch zu Bush später mehr. mehr lesen / lire plus

THEATER: Auftritte zwischen Anspruch und Anarchie

Als eine Plattform für Handgemachtes abseits des Mittelstroms sieht sich die „Sparte4“ aus Saarbrücken, das so genannte vierte Programm des saarländischen Staatstheaters.

Bietet ein permanentes Off-Programm: sparte4-Chef Christoph Diem. (Foto: www.qlt-online.de)

Es war ein langer Weg. Ein tragischer Weg. Ein Weg voller Widersprüche mit einem merkwürdigen Ziel, das nie wirklich erreicht wurde. Und wenn doch, so hat es keiner bemerkt. Zumindest keiner von denen, die auf diesem Weg aufgesammelt werden sollten. Denn die waren längst abgebogen, waren unterwegs in jede Richtung. Nur eben nicht auf dem Weg zur Kirche, weshalb diese versuchte, vor allen den jungen Menschen auf dieser Strecke entgegen zu kommen. mehr lesen / lire plus

FLORIAN HENCKEL VON DONNERSMARK: Stasi-Akten-Einsicht für Ostalgiker

Authentisch, spannend und erdrückend: Der mehrfach preisgekrönte deutsche Film „Das Leben der Anderen“ setzt sich mit den radikalen Überwachungsmethoden in der ehemaligen DDR auseinander.

Ein klärender Blick auf die Realität des SED-Regimes.

Ostberlin, November 1984, fünf Jahre vor dem Fall der Mauer. Mit einem erbarmungslosen Kontroll-System sichert die DDR ihren Machtanspruch. Wer verdächtig sein könnte, wird überwacht, und wer sich verdächtig macht wird nach der Überwachung verhört und weggesperrt. Für Ordnung in der sozialistischen Zone des geteilten Deutschlands sorgt die Staatssicherheit und mit ihr Stasi-Offizier Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) – linientreu und in seiner Funktion als „Schild und Schwert“ der Partei emotions – und skrupellos. mehr lesen / lire plus

MARGARETHE VON TROTTA: Ich bin die Andere

„Ich bin die Andere“ ist ein Melodram mit spannenden Passagen aber auch ungewolltem Hang zur Selbstironie.

Ein Paar, und doch sind sie drei: Gespaltene Persönlichkeiten und dunkle Geheimnisse liegen dieser Liebesgeschichte zu Grunde.

Sie ist schizophren, ihr Vater ein Tyrann und dazwischen er – ein Ahnungsloser, der zum Besessenen wird. Eigentlich läuft für Robert Fabry (August Diehl) alles bestens. In seinem Beruf als Ingenieur hat er Erfolg, und mit Lebensgefährtin Britta (Bernadette Heerwagen) ist er seit Jahren glücklich liiert. Dennoch lässt Robert sich auf einer Geschäftsreise von der aufreizenden Prostituierten Carlotta (Katja Riemann) verführen. Als er am Morgen darauf erwacht, ist Carlotta verschwunden – geblieben ist nur ihr rotes Kleid und das vereinbarte Honorar. mehr lesen / lire plus

LITERATURFESTIVAL: Gratwanderung zwischen Küblböck und Kertész

Hochkarätiges liegt in der Landluft: Nach einigen Streitigkeiten hat sich das Eifel-Literatur-Festival inzwischen zu einer der bedeutendsten Autorenveranstaltungen in Deutschland gemausert.

Bruder eines bekannten Sängers, Experte für Rückenschmerzen und Autor: Dietrich Grönemeyer liest am 27. Oktober in Wittlich.

Alice Schwarzer kommt. Senta Berger auch. Und Peter Scholl-Latour. Martin Walser jedoch nicht. Der schreibt derzeit an seinem neuen Buch und will dabei nicht gestört werden. Doch wenn er es fertig hat, kommt er bestimmt. Wer schon zwei Mal dabei war, ist es sicher auch ein drittes Mal – nur eben nicht dieses Mal. Dafür aber Professor Dietrich Grönemeyer, Bruder eines bekannten deutschen Musikers, Vater der Mikrochirurgie und „Man of the Year“ (2000) in den USA. mehr lesen / lire plus