KOCHEN: Ohne Mampf kein Kampf

Wer nichts von guter Küche versteht, hat auch keine Vorstellung von Utopie und sozialer Gerechtigkeit. Ein nun auf Deutsch erschienenes Kochbuch zeigt: Die Überwindung der politischen Macht kommt aus den Töpfen.

Ob das schmeckt? Wenn die Kochkünste der Partei „Die Linke“ so fad sind wie ihre Politik, wird auch ein wenig „Bio“ das Ganze nicht genießbar machen.

Mit leichter Hand verwandelt Paul Klee ein Linienknäuel in ein Bild. Jedes Kunstwerk verändert die Welt. Für einige seiner Studenten, Mitglieder einer spartakistischen Zelle, sind die Visionen des „Meisters“ Aufrufe zur Insurrektion. Aus jeder Vorlesung ziehen sie einen revolutionären Aphorismus. So verbinden sich am Staatlichen Bauhaus in Weimar in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts nicht nur die Bereiche Kunst, Architektur und Design. mehr lesen / lire plus

DEUTSCHLAND: Wahrheit, verzweifelt gesucht

Noch einmal wird in einem Gerichtsverfahren untersucht, unter welcher Beteiligung Generalbundesanwalt Siegfried Buback 1977 von einem RAF-Kommando erschossen wurde. Doch während bei früheren Prozessen die politische Dimension noch deutlich wurde, sind heute die Perspektiven von Täter und Opfer zentral. Der gesellschaftliche Kontext der Ereignisse kommt nicht mehr in den Blick.

Verblasst, aber nicht vergessen:
Ein Plakat erinnert an
die getöteten Mitglieder der
Roten Armee Fraktion.

Während einer kurzen Prozesspause steht Michael Buback im ersten Stock des Stuttgarter Oberlandesgerichts auf dem Flur. Er versichert seinem Gesprächspartner mit lauter Stimme, es ginge ihm nicht um eine Verurteilung Verena Beckers, bloß „weil sie ein paar Briefmarken abgeleckt haben könnte“. mehr lesen / lire plus

ITALIEN: Der Pressefreiheit den Saft abgedreht

Wie in Luxemburg können auch in Italien viele Zeitungen nur dank staatlicher Pressehilfe überleben. Die wurde nun jedoch ausgesetzt. Nicht nur für die linke Tageszeitung „il manifesto“ bedeutet dies wohl das Aus.

Trotz berühmter Leser ist ihr weiteres Erscheinen fraglich: Der Schauspieler Dustin Hoffmann, vertieft in die Lektüre der italienischen Tageszeitung „il manifesto“.

Eigentlich wollte das Kollektiv der linken Tageszeitung „il manifesto“ auf der Pressekonferenz Anfang Februar Stärke demonstrieren und den Kampfgeist der Leserschaft beschwören. Doch die Veranstaltung erweckte eher den Eindruck einer vorweggenommenen Gedenkfeier.

Eingerahmt von Papptafeln, auf denen die Geschichte der 1971 gegründeten kommunistischen Tageszeitung museal präsentiert wurde, erklärte das Direktorium der Zeitungsgenossenschaft, dass infolge der anhaltenden finanziellen Misere ein Verfahren zur Zwangsliquidation eingeleitet worden sei. mehr lesen / lire plus

INTERVIEW: „Wir hätten von der Krise profitieren können“

Auch die Krise bei „il manifesto“ währt schon länger. Über die Ursachen sprach die woxx mit Ida Dominijanni. Sie gehört seit 1982 dem Zeitungskollektiv an. Mit ihren politischen Kolumnen zählt sie zu den originellsten Stimmen des italienischen Journalismus. Dominijanni lehrte mehrere Jahre Sozialphilosophie an der Universität RomaTre.

woxx: „il manifesto“ erlebt die schwerste Krise seiner vierzigjährigen Geschichte. Wird die Zeitung heute nicht mehr gebraucht?

Ida Dominijanni: Es wäre ein historisches Paradox, wenn „il manifesto“ ausgerechnet jetzt zumachen müsste, da das neoliberale Gesellschaftsmodell in die Krise geraten ist und sich in Italien und auf internationaler Ebene Widerstand organisiert. Die aktuellen Diskussionen um anti-kapitalistische Gegenentwürfe verweisen zurück auf unsere Anfangsjahre: „il manifesto“ entstand als kommunistische, anti-kapitalistische Tageszeitung. mehr lesen / lire plus

DEUTSCHLAND: Korpsgeist, der nie vergeht

Neues Bildmaterial erweist nicht nur, dass Benno Ohnesorg gezielt erschossen wurde, sondern wie umfassend das Lügengebäude zum Schutz des Polizisten Kurras war. Seine Schüsse auf den Studenten führten nach dem 2. Juni 1967 zu einer Radikalisierung der Protest-
bewegung.

Leider ohne Erfolg: Plakat der Studentenbewegung als Reaktion auf den – wie nunmehr fest steht – völlig zu Recht geäußerten Vorwurf der publizistischen Schützenhilfe des Springer-Verlags bei der Ermordung des Studenten Ohnesorg bzw. deren Vertuschung.

In Westdeutschland begann die 68er-Revolte am 2. Juni 1967. An jenem Tag wurde in Berlin bei einer polizeilich angeordneten „Fuchsjagd“ auf Demonstranten, die vor der Deutschen Oper gegen den Staatsbesuch des Schahs von Persien protestiert hatten, der Student Benno Ohnesorg von einem Schuss aus der Waffe des Kriminalobermeisters Karl-Heinz Kurras tödlich verletzt. mehr lesen / lire plus

ITALIEN: Die Sphäre der Revolte

Seit vielen Jahren ist die italienische Linke zersplittert und wird politisch immer bedeutungsloser. Fausto Bertinotti plädiert daher für eine Öffnung der Linksparteien hin zu den sozialen Bewegungen. Er war von 1994 bis 2006 Generalsekretär der Partei „Rifondazione Comunista“ und von 2006 bis 2008 Präsident des italienischen Parlaments. Heute gibt er die Zeitschrift „Alternative per il Socialismo“ heraus. Die woxx sprach mit ihm über möglichen Widerstand gegen die Austeritätspolitik in Italien und Europa.

Erinnert daran, dass der so genannte Sozialstaat erkämpft worden ist: Der italienische Politiker Fausto Bertinotti.

woxx: Sie haben den Regierungswechsel in Italien einen kalten Putsch genannt. Wer waren die Putschisten? mehr lesen / lire plus

FAKTEN & FIKTION: Balsam der Frustrierten

Mit seinem neuen Roman will Umberto Eco zeigen, wie Verschwörungstheorien entstehen und worin ihre Wirkungsmacht besteht.

Will sich mit seinem neuesten Werk gegen die Verschwörer verschwören: der italienische Schriftsteller und Semiologe Umberto Eco.

Für die italienischen Rechtsextremen ist die Wirtschafts- und Finanzmisere das Werk einer internationalen Verschwörung: „Der wahre Grund für die Krise ist die weltweite Freimaurerei!“, ist auf Plakaten in den Straßen von Rom zu lesen. Ministerpräsident Mario Monti gilt den Neofaschisten aufgrund seiner Teilnahme an den geheimnisumwölkten Bilderberg-Konferenzen und seiner Beratertätigkeit für die US-Investmentbank Goldman Sachs als „gefährlicher Geheimbündler“ und professioneller „Spekulant“. Während er sich als Retter Italiens inszeniere, betreibe er in Wahrheit ein „doppeltes Spiel“ und organisiere den Ausverkauf staatlicher Unternehmensanteile zugunsten seiner „anglo-jüdisch-amerikanischen Logenbrüder“. mehr lesen / lire plus

EUROPA: Die Nation ist der Freiheit Feind

Er war der Vordenker der europäischen Einheit: der italienische Intellektuelle und einstige Kommunist Altiero Spinelli. Mit der politisch-ökonomischen Realität der EU haben seine Ideen, die aus einer radikal antinationalen Perspektive resultierten, indes nicht viel gemein.

Denker der europäischen Einheit: Altiero Spinelli.

Der Beschluss der europäischen Staats- und Regierungschefs auf dem Brüsseler Gipfeltreffen Anfang Dezember, zur Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise einen neuen zwischenstaatlichen Vertrag über eine strengere europäische Haushaltsaufsicht abzuschließen, hätte Altiero Spinelli nicht überzeugt: „Die europäischen Angelegenheiten, die doch nur noch gemeinsam, mittels gemeinsamer Gesetze und einer gemeinsamen Regierung geregelt werden können, bleiben trotz aller europäischen ?Verträge` in den Händen der Nationalstaaten. mehr lesen / lire plus

ITALIEN: Bloß keine Wahlen!

Nicht wegen der Skandale, die er produziert hat, musste er weichen: Berlusconi wurde untragbar, weil er keine stabile Mehrheit beschaffen konnte, um die von EU und IWF geforderte Politik umzusetzen. Mit Mario Monti an der Spitze sollen nun die wirtschaftspolitischen Technokraten ans Ruder.

Zu früh gefreut: Schon zweimal war Berlusconi vor seinem
jetzigen Rücktritt weg vom Fenster – ein Ereignis, das 2006 sogar mit einer Filmkomödie gefeiert wurde.
Ob der Vorhang für ihn nun definitiv zum letzten Mal gefallen ist?

Der Ausgang der italienischen Regierungskrise bescheinigt den Bankrott der parlamentarischen Opposition und den Verlust der politischen Handlungsfähigkeit der Linken. Deshalb reagierte die Bevölkerung vergangene Woche nicht überwiegend mit ausgelassener Freude, sondern mit hasserfülltem Ressentiment: Als Silvio Berlusconi bei Staatspräsident Giorgio Napolitano vorfuhr, um seinen Rücktritt einzureichen, wurde er von wütenden Sprechchören begleitet. mehr lesen / lire plus

JUNGE LITERATUR IN ITALIEN: Der Kosmos der Familie

Was ist italienische Literatur heute? Was ist aus diesem von politischen und sozialen Krisen zerrissenen Land zu erwarten? Der Berliner Wagenbach Verlag, seit Jahrzehnten für die Entdeckung und Übersetzung der italienischen Nachkriegsliteratur bekannt, ging diesen Fragen nach.

Eine im Berliner Wagenbach Verlag veröffentlichte Anthologie zeitgenössischer Erzählungen markiert einen doppelten Neubeginn: Da die meisten der jungen Autorinnen und Autoren bisher noch nicht übersetzt worden waren, entschied sich der Verlag, die Texte ebenso jungen Übersetzern anzuvertrauen. Das war ein Wagnis, wie Susanne Schüssler in einem überraschend offenen Vorwort gesteht. Und es klingt wie eine Vorankündigung, denn tatsächlich werden die Zweifel der Verlegerin von der Sammlung kurzer und kürzester Erzählungen nicht widerlegt, sondern bestätigt. mehr lesen / lire plus

„Jede Bewegung hat eine generationenspezifische Prägung“

Christian Raimo gehört zu den Mitbegründern von „TQ“, der Bewegung der Dreißig/Vierzigjährigen. Er ist Mitarbeiter des unabhängigen Verlags „minimum fax“ in Rom, hat dort zwei Bände mit Erzählungen veröffentlicht und schreibt regelmäßig für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Blogs.

Spuckt in den Teller,
aus dem er isst:
Der Schriftsteller Christian Raimo.

woxx: Warum die starke Betonung der Generationenzugehörigkeit?

Christian Raimo: Jede politische Bewegung hat eine generationenspezifische Prägung, wir haben diese Prägung einfach nur explizit gemacht. Der Protest von TQ hat seinen Ursprung nicht an den Universitäten, er geht nicht von zwanzigjährigen Studenten aus, sondern von Kulturschaffenden, die inzwischen seit zehn Jahren im Arbeitsleben stehen – oder eben auch nicht. mehr lesen / lire plus

KULTURPREKÄRE: Theater als Gemeingut

Nach dem erfolgreichen Volksentscheid gegen die Privatisierung der öffentlichen Wasserversorgung herrscht in Italien eine enorme Aufbruchstimmung. Mitte Juni haben Schauspieler und Techniker das von der Schließung bedrohte „Teatro Valle“ in Rom besetzt. Inzwischen hat sich das älteste noch bespielte Schauspielhaus der Hauptstadt zu einem festen Treffpunkt nicht nur der prekären Kulturschaffenden gemausert.

„Wie traurig ist doch die Vorsicht!“ Der Wahlspruch der Besetzer prangt nicht nur im Innenraum des Schauspielhauses, sondern drückt sich auch in ihren Aktionen aus.

Medusen aus pink und azurblauem Tüll treiben vor dem Theater im Abendwind. Ihre langen Tentakeln verfangen sich in bunten, über die Gasse gespannten Girlanden. mehr lesen / lire plus

RADIKALISIERUNG DER KRITIK: Mehr als nur Empörung

Nichi Vendola ist der hoffnungsvollste Aspirant der Linken auf das Amt des italienischen Ministerpräsidenten. In seinem programmatischen Buch für ein „besseres Italien“ präsentiert der christliche motivierte Politiker jedoch vor allem eine moralisierende Ideologie der Vergemeinschaftung. Indes setzt ihn eine sich radikalisierende Protestbewegung unter Druck.

Vielbeschworener Hoffnungsträger der italienischen Linken: Der Philosoph und Politiker Nichi Vendola.

Als Nichi Vendola in einem Interview zu Beginn des Sommers den Wunsch ausplauderte, sich gerne aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, um als Schriftsteller durch die Welt zu reisen, schreckten seine Anhänger auf: Apuliens Regionalpräsident ist der Hoffnungsträger der italienischen Linken. Seit er im Frühjahr letzten Jahres zunächst in koalitionsinternen Vorwahlen den Kandidaten der Demokratischen Partei deklassiert und später mit deutlicher Mehrheit gegen seinen rechten Herausforderer gewonnen hat, gilt er als einzige linke Alternative für das Amt des Ministerpräsidenten. mehr lesen / lire plus

DEUTSCHE GRÜNE – GRÜNE DEUTSCHE: Im Südwesten nichts Neues

Was darf man von der ersten deutschen Landesregierung mit einem grünen Ministerpräsidenten erwarten? In ihrem jüngsten Buch „Krieg ? Atom – Arbeit“ klopft Jutta Ditfurth noch einmal Anspruch und Wirklichkeit grüner Politik anhand der drei Titel gebenden Themenfelder ab.

„Soziale Ungleichheit macht diejenigen, die an ihrer Verschärfung mitarbeiten und von ihr profitieren, bösartig“: Die linksradikale Autorin Jutta Ditfurth, Gründungsmitglied der deutschen Grünen, hat sich ihre einstigen politischen Weggefährten noch einmal vorgeknöpft.

Aus Anlass der ersten grün-roten Landesregierung in Stuttgart bangt das bürgerliche Lager Südwestdeutschlands um den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg. Die Konservativen sehen das Ende einer „Erfolgsgeschichte“ und warnen ernsthaft vor der Einführung der „Planwirtschaft“. mehr lesen / lire plus

DEUTSCHLAND: Die echten Konservativen

Der designierte grüne Minister-präsident Winfried Kretschmann favorisierte lange eine schwarz-grüne Koalition für Baden-Württemberg. Doch mit dem Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 fiel diese Option weg – für dieses Mal.

Haben sich bereits in der Schlussphase des Wahlkampfs als Team präsentiert: Der designierte baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (GRÜNE) und der SPD-Spitzenkandidat Nils Schmid (links).

Noch bevor das vorläufige amtliche Endergebnis feststand, wurde auf dem Stuttgarter Schlossplatz ausgelassen gefeiert. Die Gegner des Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 hatten zur „Mappschiedsparty“ geladen und bereits nach den ersten Hochrechnungen keinen Zweifel mehr: Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) ist abgewählt. Nach 58 Jahren war die christdemokratische Herrschaft in Baden-Württemberg endlich gebrochen. mehr lesen / lire plus

AUSFLUG IN DEN MEZZOGIORNO: Betörendes Stimmengewirr

In der nun erschienenen deutschen Fassung von Fabrizia Ramondinos letztem Roman „La Via“ zeigt sich einmal mehr ihre große Erzählkunst. Dass die Virtuosität der 2008 verstorbenen Autorin auch in der vorliegenden Übersetzung zur Geltung kommt, ist der Übersetzerin Maja Pflug zu verdanken, die Anfang März für ihr Lebenswerk geehrt wurde.

„Alles geschah hier immer wegen der Straße“: Sie war die wichtigste Verbindungsstrecke des Römischen Reiches, auf ihr gelangte man aus der Hauptstadt in die Campagnia bis in den Süden des Imperiums. Auf der Via Appia ereignete sich Geschichte, sie bestimmte über das Schicksal von Ortschaften. So entstand aus einer Tempelstätte zu Ehren des Gottes Äskulap, von dem sich die erschöpften Reisenden Kraft und die verwundeten Krieger Heilung erhofften, im Laufe der Jahrhunderte zwischen Rom und Neapel ein Kleinstädtchen, „von den Einheimischen Acraia genannt“. mehr lesen / lire plus

ITALIEN: Blinde Wut

In Italien bildet sich eine Front der Entrüstung gegen das Treiben von Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Die politische Konstellation, die das System Berlusconi überhaupt möglich gemacht hat, steht indes nicht zur Debatte.

Diffuse Angelegenheit: Demonstration gegen das „System Berlusconi“ im Oktober vergangenen Jahres in Rom.

Silvio Berlusconi regiert weiter. Auch nachdem vergangene Woche das Mailänder Untersuchungsgericht der Anklage der Staatsanwaltschaft stattgegeben hat und sich der italienische Ministerpräsident Anfang April aufgrund eindeutiger Beweislage in einem Schnellverfahren wegen Amtsmissbrauch und Prostitution Minderjähriger zu verantworten hat. Dass Berlusconi persönlich vor Gericht erscheint, ist unwahrscheinlich, um seine Verteidigung kümmern sich zwei Abgeordnete seiner Partei.

Die Strategie der Anwälte Niccolò Ghedini und Piero Longo zielt bisher darauf, die Zuständigkeit des Mailänder Gerichts in Frage zu stellen. mehr lesen / lire plus

BRIEFWECHSEL: Fragile Freundschaft

Der Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und dem jüdischen Religionsphilosophen Gershom Scholem berührt drängende Fragen des europäischen Judentums und die verzweifelte Suche nach einer Antwort auf das Scheitern der Assimilation.

Hannah Arendt und Gershom Scholem fanden durch Walter Benjamins Tod zusammen. Sie waren sich zwar schon vor dem Krieg in Paris begegnet, doch erst in der Trauer um den gemeinsamen Freund, begannen sie sich regelmäßig zu schreiben. Für beide waren diese Briefe „dünne, feste Fäden“ mit denen sie Reste ihrer verlorenen Welt zusammenzuhalten suchten. Wie schwierig der Dialog zwischen dem Kabbala-Gelehrten und der Philosophin des Politischen werden sollte, deutet sich jedoch bereits im ersten Brief an. mehr lesen / lire plus

ITALIEN: Lebenslänglich für Italien

Das gescheiterte Misstrauensvotum hat die Krise der Regierung von Silvio Berlusconi nicht beendet. Seine Koalitionspartner fordern Neuwahlen, gleichzeitig radikalisiert sich der soziale Konflikt.

Nicht die blinde Wut einiger weniger, sondern das Bewusstsein unzähliger Demonstrationsteilnehmer, der Arroganz der Regierung entgegenwirken zu müssen, führte zu den Straßenkämpfen in Rom: Polizeikräfte rücken am 14. Dezember auf Barrikaden der Protestierenden vor.

„Wir brauchen eine präventiveAktion!“ Maurizio Gasparri, Fraktionsvorsitzender der rechtskonservativen Regierungspartei Volk der Freiheit (PDL) im italienischen Senat, geht der Vorschlag, den sein Innenminister zuvor gemacht hatte, nicht weit genug. Roberto Maroni hatte angeregt, ähnlich dem Stadionverbot für Hooligans, auffällig gewordenen Demonstranten die Teilnahme an Protesten zu verbieten. mehr lesen / lire plus

MAFIA IN ITALIEN?: Im Einklang mit der Kirche

Anlässlich eines Kurzbesuchs Anfang Oktober in Sizilien warnte Papst Benedikt XVI. vor der Mafia: man dürfe ihren „Suggestionen“ nicht folgen, ihre Machenschaften seien „unvereinbar mit dem Evangelium“. Isaia Sales, Dozent für die Geschichte der organisierten Kriminalität in Neapel, hat das Verhältnis der Katholischen Kirche zu den süditalienischen Mafias in den letzten 150 Jahren untersucht und kam zu einem anderen Ergebnis. Für sein Buch „I preti e i mafiosi“, das die Verstrickung von Klerus und Mafia behandelt, wird er diesen Samstag mit dem Preis „Feudo di Maida“ ausgezeichnet.

„Zu den kulturellen Wurzeln, die den Mafiosi mit seinem gesellschaftlichen Umfeld verbinden, gehört zweifellos der katholische Glaube“: Mafia-Forscher Isaia Sales, hier auf einer Konferenz im Jahr 2007.

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