VERLAG EINAUDI: Der kritische Geist von Turin

Maike Albath hat den Werdegang des Turiner Verlags Einaudi aufgeschrieben. Warum dort ein revisionistisches Geschichtsbild hegemonial werden konnte, lässt sich indes nicht erklären, solange auf eine Auseinandersetzung mit den blinden Flecken des jahrzehntelang kultivierten antifaschistischen Selbstbildnisses der Linken verzichtet wird.

Von der kriegerischen Ästhetik eines Gabriele D’Annunzio oder Ernst Jünger angezogen, sympathisierte er nach der deutschen Besetzung Norditaliens für kurze Zeit mit den Nationalsozialisten:
Der Verleger Cesare Pavese.

Die italienische Nachkriegskultur hat ein Markenzeichen: den stolz aufgereckten Straußenvogel des Turiner Einaudi-Verlags. Er stand jahrzehntelang für schöne Literatur, gute Übersetzungen und engagierte Essays. Die Berliner Literaturwissenschaftlerin Maike Albath erinnert in einem schmalen, bibliophilen Bändchen an die Geschichte des berühmten Verlagshauses: „Der Geist von Turin“ soll nicht vom gegenwärtig vorherrschenden politisch-kulturellen Ungeist verdrängt werden. mehr lesen / lire plus

ITALIEN: Ein Postfaschist will die Zukunft gestalten

Die italienische Regierungskrise ist vertagt. Ministerpräsident Silvio Berlusconi bereitet sich auf vorgezogene Neuwahlen im Herbst vor, während die Oppositionsparteien die Möglichkeiten ausloten, sich zu einer „Übergangsregierung? zusammenzuschließen.

Seine neofaschistische Vergangenheit gerät immer mehr in Vergessenheit: Parlamentspräsident Gianfranco Fini.

Die erste Machtprobe im Parlament hat die Regierung von Silvio Berlusconi vergangene Woche bestanden. In der letzten Parlamentssitzung vor der Sommerpause gelang es ihr, die Abwahl des unter Korruptionsverdacht stehenden Justizstaatssekretärs Giacomo Caliendo zu verhindern. Der Misstrauensantrag der Opposition gegen Caliendo scheiterte allerdings nur deshalb, weil sich die neu konstituierte Fraktion „Zukunft und Freiheit? des jüngst aus Berlusconis Partei Volk der Freiheit (PDL) ausgeschlossenen Gianfranco Fini bei der Abstimmung enthielt. mehr lesen / lire plus

ITALIEN: Osteuropa im Mezzogiorno

Der Fiat-Konzern will 700 Millionen Euro in Süditalien investieren, aber nur, wenn die Beschäftigten schlechtere Arbeitsbedingungen akzeptieren. Darüber ließ das Unternehmen die Arbeiter abstimmen.

Wollen die Abwärtsspirale des internationalen Wettbewerbs um die miesesten Arbeitsbedingungen aufhalten: Arbeiter von Fiat bei einer Demonstration am 25. Juni in Neapel.

Im Kino der Sechzigerjahre war der Alfa Romeo Spider ein Symbol für Freiheit und Dolce Vita. Von dem Sportcoupé träumten damals auch viele junge Süditaliener, die in den Norden emigriert waren und dort in den Turiner Fiat-Werken für bessere Arbeitsbedingungen kämpften. Um die Abwanderung zu stoppen, beschloss die Regierung in jenen Jahren, in Pomigliano d’Arco bei Neapel die erste Autofabrik Süditaliens zu bauen. mehr lesen / lire plus

ITALIEN: Wo die Liebe siegen soll

Bei den Regionalwahlen am Sonntag fürchtet Silvio Berlusconi eine Niederlage. In der Provinz Rom und in Rom selbst hat es seine Partei versäumt, die Wahllisten rechtzeitig einzureichen, und wurde von der Wahl ausgeschlossen. Berlusconi probt indes neue Methoden der Beeinflussung.

Die neue Hoffnung der italienischen Linken: Nicki Vendola von der Rifondazione Comunista-Abspaltung „Sinistra, Ecologia e Libertà“. Unser Bild zeigt ihn (Mitte) auf einer Demonstration 2008 in Rom.

„Wir werden die Melancholie des Sonnenuntergangs besiegen“, versprach Silvio Berlusconi, als er vergangene Woche zum Abschluss einer Demonstration seiner Partei Volk der Freiheit (PdL) auf die Bühne trat. Die Anspielung auf das dämmrige Licht des späten Nachmittags geriet ihm unfreiwillig zur Metapher. mehr lesen / lire plus

ITALIEN: Das Verschwinden der italienischen Linken

Ein Gespräch mit dem linken Publizisten und Politologen Marco Revelli von der Universität Turin.

Marco Revelli

woxx: Für die italienische Linke ist der Ausgang der Wahl eine „Katastrophe“. Die Verantwortung für die Wahlniederlage wird vor allem Walter Veltroni, dem Vorsitzenden der Demokratischen Partei (PD), zugeschrieben. Welchen Einfluss hatte seine Kampagne, den PD als einzige Alternative zu Berlusconi darzustellen?

Marco Revelli: Mit diesen Wahlen verschwindet nicht nur die radikale Linke aus dem Parlament, sondern die gesamte italienische politische Linke. Alle im 20. Jahrhundert verankerten Traditionen, die verschiedenen Komponenten der ehemaligen italienischen Arbeiterbewegung, wurden ausgelöscht: vor allem die kommunistische, aber auch die sozialistische und die sozialdemokratische. mehr lesen / lire plus

ITALIEN: Die Angst der Patriarchen

Auch in Italien tobt der Kulturkampf, und der Abtreibungsparagraf wird vehement in Frage gestellt. Die Proteste dagegen sind erschreckend defensiv.

Hannibal Lecter beim Totentanz: Plakat der christlichen Miliz in Rom gegen das Recht auf Abtreibung.

Einem feministischen Slogan vergangener Tage zufolge sollte das erste und das letzte Wort den Frauen gehören. Doch in Rom ergriffen am 8. März vier Männer die Gelegenheit dazu. Einerseits die Vorsitzenden der drei großen italienischen Gewerkschaften CGIL, CISL und UIL. Sie hatten zum 100. internationalen Frauentag zur gemeinsamen Demonstration aufgerufen. In den von den Organisationen bereitgestellten Bussen waren jedoch nicht die in den Festtagsreden bedauerten prekär beschäftigten „jungen Frauen und Mütter“ und erst recht nicht die im Nachsatz erwähnten Migrantinnen in die Hauptstadt gereist, sondern vor allem altgediente Mitglieder, viele Pensionäre, mehr Männer als Frauen. mehr lesen / lire plus

ITALIEN: Rote Kraft und rote Schmerzen

Die neu gegründete „Partito Democaratico“ macht der italienischen Linken Dampf. Rufe zur Einheit finden jedoch nicht nur Zustimmung.

Die politische Ausrichtung der Anti-Bush-Demo im Juni sorgte in der italienischen Linken für Streit: Nur gegen Bush oder auch gegen die eigene Regierung? (Foto: Alfredo Mancia/flickr)

In diesem Sommer standen die italienischen Politiker unter Dauerstress, von Sommerpause keine Spur. Ende Juni hatte der populäre römische Bürgermeister Walter Veltroni angekündigt, für den Vorsitz des im Frühjahr gegründeten Partito Democratico (PD) zur Verfügung zu stehen. Seine medienwirksam inszenierte Kandidatur bescherte der neuen, aus linksliberalen und christdemokratischen Gruppierungen hervorgegangenen Partei einen beachtlichen Popularitätszuwachs, der nicht nur die Rechtskonservativen in Unruhe versetzte. mehr lesen / lire plus