Türkei
: Wählen im Ausnahmezustand

Kurz vor den vorverlegten Wahlen in der Türkei muss sich Präsident Recep Tayyip Erdoğan noch einmal richtig ins Zeug legen. Sein Ziel ist die mit der Wahl verbundene Einführung des Präsidialsystems.

Wahlkampf für Recep Tayyip Erdoğan in Istanbul: Weder die absolute Mehrheit im Parlament noch die Wiederwahl zum Präsidenten sind dem AKP-Politiker derzeit noch sicher. (Foto: EPA-EFE/Srdjan Suki)

„Wohlstand, Freiheit und Frieden stehen in der Türkei kurz bevor, lasst uns im Rosengarten der Politik besoffen werden“, spottet der Karikaturist Bahadır Boysal in einer seiner bissigen Kolumnen in der Satirezeitschrift „LeMan“. Der Präsidentschaftswahlkampf in der Türkei bringt erstaunliche politische Kapriolen hervor. Die im Ausland sitzende und in der Türkei gesperrte Nachrichtenplattform „Ahval“ berichtet in einer Serie von Online-Beiträgen mit der Überschrift „Angesichts der Wahlen“ über verlogene Wahlversprechen, die Behinderung des Wahlkampfs der Opposition und die Verwirrung der Wähler. mehr lesen / lire plus

Türkei
: Die Sorgen des Sultans

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat überraschend Neuwahlen angesetzt, die den Übergang zum Präsidialregime beschleunigen sollen. Ein Zeichen von Selbstsicherheit ist das nicht.

Stellt sich in die Tradition des laizistischen Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk (Bildhintergrund): Meral Aksener von der neu gegründeten „Iyi Parti“. Vorgezogen wurden die Neuwahlen in der Türkei wohl vor allem, weil Präsident Erdoğan fürchtet, die EU-orientierte nationalistische Partei könne seine Wiederwahl gefährden. (Foto: EPA-EFE/Tumay Berkin)

Die junge Innenarchitektin Ceyda Alay traut ihren Augen nicht. Schon am 24. Juni soll gewählt werden, liest sie im Netz. Am 17. April forderte der Vorsitzende Devlet Bahçeli der MHP (Partei der nationalistischen Bewegung) bei seiner wöchentlichen Fraktionsrede, die für den 3. mehr lesen / lire plus

Türkei
: Der Süperpräsident

Angesichts der knappen Mehrheit und diverser Unregelmäßigkeiten ist das Referendum eine schwache Legitimation für den grundlegenden Umbau des politischen Systems der Türkei. Präsident Recep Tayyip Erdoğan lässt sich davon nicht stören.

Verhöhnung seiner Gegner als präsidiale Geste: Präsident Erdoğan nach Ende des Referendums vor seinem Amtssitz am 17. April in Ankara. (Foto: EPA/Tumay Berkin)

„Wir haben in der Türkei ein Sprichwort“, sagt die Cartoonistin Ipek Özsüslü lachend. „Ein halbleeres Glas kann im Auge des Betrachters auch halbvoll sein.“ Die 32-Jährige arbeitet für den Verlag „LeMan“, der die Satire-Zeitschriften „LeMan“ und „Bayan Yanı“ herausgibt. Alle Zeichner haben vor dem Referendum für ein Nein gekämpft. mehr lesen / lire plus

Türkei
: Erfolgreich geputscht

Das türkische Militär ist mit seinem versuchten Staatsstreich gescheitert. Die autoritäre Regierung Erdoğans stellt sich als Retterin der Demokratie dar – und nutzt den Angriff zur Ausschaltung politischer Gegner.

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Erinnerungsfoto an die „Rettung der Demokratie“: Demonstranten posieren vor einem Panzer, der von den Putschisten in der Nacht zum 17. Juni nahe des Istanbuler Flughafens aufgegeben worden war. (Foto: Eser Karadag/Flickr)

Konvois hupender Anhänger der regierenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) touren seit dem Wochenende durch Istanbul. Besonders gern durchstreifen sie das Innenstadtviertel Beyoğlu. Wehende türkische Fahnen, Hupkonzerte, Sprechchöre für die Freiheit, religiöse Glaubensbekenntnisse und nationalistische Parolen flankieren sie. Die Bewohner des Szeneviertels sind entweder in den Ferien oder ziehen es in dieser Woche vor, wenig aus dem Haus zu gehen. mehr lesen / lire plus

Türkei: Der Bezwinger Istanbuls

Die Schuld für den Anschlag auf einen Polizeibus in Istanbul gibt der türkische Präsident ausländischen Unterstützern der PKK. Derweil bekämpft er weiter die Kurden und die prokurdische Opposition im Land.

Keine Sympathie für Despoten? Nach dem Putsch gegen die regierenden Muslimbrüder in Ägypten im Jahr 2013 durch das Militär bekundet der türkische Präsident mit dem „Rabia“-Zeichen seine Solidarität mit den Islamisten. (Foto: Wikipedia)

Keine Sympathie für Despoten? Nach dem Putsch gegen die regierenden Muslimbrüder in Ägypten im Jahr 2013 durch das Militär bekundet der türkische Präsident mit dem „Rabia“-Zeichen seine Solidarität mit den Islamisten. (Foto: Wikipedia)

Die Tageszeitung „Güneş“ (Sonne) ist eines der vielen Sprachrohre der islamisch-konservativen Regierungspartei für „Gerechtigkeit und Fortschritt“ (AKP) in der türkischen Medienwelt. Nach dem Bombenanschlag auf einen Polizeibus im Istanbuler Stadtteil Vezneciler am 7. Juni, bei dem elf Menschen ums Leben kamen und 36 verletzt wurden, titelte „Güneş“ am 8. mehr lesen / lire plus

TÜRKEI: Verschenkte Möglichkeiten

Die türkische Regierung plant den Bau von drei Atomkraftwerken. Das scheint machtpolitische Gründe zu haben, denn das Land verfügt eigentlich über optimale Bedingungen für die Nutzung alternativer Energien und könnte damit sogar zum Exporteur werden.

Fukushima am Mittelmeer: Bei einem durchaus im Bereich des Möglichen liegenden Tsunami wäre das Kernkraftwerk bei Akkuyu, das in knapp zehn Jahren ans Netz gehen könnte, von der Zerstörung bedroht. Unser Bild zeigt ein Modell der Anlage. (Grafik: Internet)

Um etwa halb elf ging am 31. März plötzlich das Licht aus. Ungewöhnlich ist das nicht in Istanbul. Doch kaum jemand in der Stadt ahnte, dass der Stromausfall fast das ganze Land lahmlegte. mehr lesen / lire plus

TÜRKEI: Antifeministische Leitkultur

Nach dem brutalen Mord an der Studentin Özgecan Aslan protestierten in der Türkei Zehntausende gegen frauenfeindliche Gewalt. Die Kritik an herrschenden misogynen Einstellungen und der konservativ-islamischen Politik der Regierung eint verschiedene politische Lager.

Frauenbewegung mit Tradition: Demonstrantinnen bei einem Protestmarsch in Istanbul nach
der Ermordung der Studentin
Özgecan Aslan.

Der Mord an der 20-jährigen Özgecan Aslan hat in der Türkei eine Welle der Empörung ausgelöst. Seit den Gezi-Protesten im Sommer 2013 gingen nicht mehr so viele Menschen im ganzen Land auf die Straße, Zehntausende demonstrierten an mehreren Tagen. Am 11. Februar war die Psychologiestudentin in Tarsus im Südosten der Türkei verschwunden. mehr lesen / lire plus

IRAK: Als Beute verkauft

Im Irak gehörten Entführungen von Frauen auch schon vor dem Vormarsch der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) zu den Strafaktionen zwischen rivalisierenden Clans. Nun manifestiert sich die Entrechtung von Frauen in den vom IS kontrollierten Gebieten durch Versklavung und Vergewaltigung.

Albtraum der Gotteskrieger: Kämpferinnen der PKK, hier in der rückeroberten kurdisch-irakischen Stadt Makhmur, kämpfen Seite an Seite mit irakischen Peschmerga, um die Jihadisten des Islamischen Staates zurückzudrängen.

Gleißende Hitze liegt über der Zeltstadt. Am Horizont flirrt eine Windhose aus heißem Sand. Bei fast 50 Grad Celsius braucht der Körper drei bis vier Liter Wasser am Tag. Die Flüchtlinge im größten Camp von Dohuk sitzen apathisch in ihren von den Vereinten Nationen gestellten Zelten. mehr lesen / lire plus

TÜRKEI: Streit unter Frömmlern

Unter den islamistisch geprägten Kräften in der Türkei ist ein Machtkampf ausgebrochen, der die weitere Entwicklung des Landes nicht unerheblich beeinflussen könnte.

Hat, wie sich derzeit zeigt, entscheidenden Einfluss auf die machtpolitischen Entwicklungen in der Türkei: Islamistenführer Fethullah Gülen.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu ist international kein sonderlich erfolgreicher Politiker. Seine neo-osmanische außenpolitische Doktrin hat ihn trotz oder gerade wegen des Hochhaltens der Hamas-Flagge bei jeder Gelegenheit längst auch im Nahen Osten viele Sympathien gekostet. Die Türkei entfernt sich unter anderem wegen der Unterstützung jihadistischer Rebellen in Syrien immer weiter von ihrem Ziel, als islamische Führungsmacht im Nahen Osten Anerkennung zu finden. mehr lesen / lire plus

TÜRKEI: Juristisches Gerangel

Formal ist die Generalstaatsanwaltschaft im Verbotsverfahren gegen die Regierungspartei AKP korrekt vorgegangen, doch Experten fürchten nicht nur um die außenpolitische Wirkung. Die AKP wiederum will dem Urteil nun mit einer Reform des Verfassungsgerichts vorgreifen.

Die türkische Generalstaatsanwaltschaft möchte der Partei von Präsident Erdogan gerne ein Ticket in die Illegalität verschaffen. Unser Bild zeigt einen Werbebus der AKP vor den Parlamentswahlen im vergangenen Juli.

Als „zivilen Putsch“ bezeichnen selbst erklärte Gegner von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogans Kabinett das Verbotsverfahren gegen die Regierungspartei AKP. Doch das könnte ebenfalls juristische Schritte der Generalstaatsanwaltschaft nach sich ziehen.

Am 3. April kursierte eine in einem bedrohlichen Tonfall gehaltene Presseerklärung, die freilich eher an einen Aprilscherz erinnerte. mehr lesen / lire plus

TÜRKEI: Weihnachten in Istanbul

Nicht nur für die Armenisch-apostolische Kirche, die größte christliche Gruppe der Türkei, geht ein schwieriges Jahr zu Ende. Mit Erfolg versuchen Ultranationalisten, die Beziehungen des Landes zu Europa zu stören.


Nicht gerade dezent: Der Weihnachtsmann auf seinem Weg durch das Istanbuler Stadtviertel Beyoglu.

An Heiligabend wird die St. Antuan-Kirche auf dem Istiklal-Boulevard im Innenstadtviertel Beyoglu vor Besuchern aller Religionszugehörigkeiten überquellen. Die christliche Minderheit achtet tunlichst darauf, ihrer Religion dezent nachzugehen. Unter etwa 70 Millionen Türken nehmen sich schätzungsweise 100.000 Christen recht bescheiden aus. Dabei erlebte das Christentum seine erste Blüte auf dem Gebiet der heutigen Türkei. In Antiochia nannte man die Jünger von Jesus von Nazareth erstmals „Christen“. mehr lesen / lire plus