STRAFVOLLZUG: „Jedem Fisch sein Becken“

Seit vielen Jahren steht der Luxemburger Strafvollzug in der Kritik: Überbelegung des Gefängnisses, gemeinsame Verwahrung, unzureichende Resozialisierung. Justizminister Biltgen möchte den Strafvollzug umfassend reformieren. Dies ist angesichts der misslichen Situation dringend geboten.

„Wenn man einen Fisch in einem Aquarium kauft, kann man ihn nicht einfach in ein anderes Becken setzen, denn da wird er eingehen.“ Vielmehr müsse man ihn an das neue Becken gewöhnen, um den letalen Schock zu vermeiden. Vergangene Woche illustrierte Justizminister Biltgen (CSV) die Problematik des Luxemburger Strafvollzugs am Beispiel von Fischen.

Die chronische Überbelegung des Gefängnisses in Schrassig ist in Luxemburg immer wieder Gesprächsthema, denn der Missstand besteht schon seit Jahren, und auch die NGOs beanstanden ihn seit langem. mehr lesen / lire plus

THEATER: Wahnsinn Web 2.0

Was für jüngere Generationen längst „Kult“ ist können Neugierige dieser Tage im Kasemattentheater erfahren. Entschlüsselt wird der ganz alltägliche Wahnsinn virtueller Welten des Web 2.0 und seiner Inszenierungsgesetze. Basierend auf einem Stück von Falk Richter, setzt die junge Luxemburger Regisseurin Anne Simon die Abhängigkeiten der Internet-Communities kunstfertig in Szene.

So nah und doch so fern: Das Web 2.0 stellt unser eigenes Menschenbild in Frage.

Ein unkonventionelles Bühnenbild, in dem ein transparenter Kasten bereits die Durchlässigkeit des Internets andeutet, dient dem Stück als Kulisse. Giftgrün, die hippe Frühjahrsmodefarbe von C&A und IKEA, dominiert. Kissen liegen im Raum verstreut, junge Menschen in schicken Klamotten tummeln sich darin wie in einem der vielen Szene-Clubs in Berlin-Prenzlauer Berg. mehr lesen / lire plus

MALEREI: Dick aufgetragen

Selten erschließt sich Kunst dem Betrachter auf den ersten Blick. Allein der Kunstkenner unterscheidet zwischen Original und Fälschung, während der Laie meist sofort einen Kunststil zu erkennen meint. Doch oft ist auch der nicht eindeutig zu benennen. So verhält es sich mit Eric Cornes Ölmalerei. Die Galerie Nosbaum & Reding zeigt derzeit unter dem Titel „Lost Lights“ eine sehr überschaubare Werkauswahl bestehend aus 15 Bildern Cornes.

Seine Ölgemälde leben von Gegenüberstellungen. Gegensätzliche Motive wie grell kontrastierende Farben laufen meist in einem Bild zusammen. So wird etwa eine Schneelandschaft der, wie ein glühender Ball am Himmel hängenden, Sonne entgegengesetzt, wird das Bild wie mit dem Lineal in die drei Bereiche Wasser, Land, Himmel aufgeteilt. mehr lesen / lire plus

FATIH AKIN: Wie ein Astra-Bier

Mit „Soul Kitchen“ präsentiert Deutschlands Regisseur für Multi-Kulti-Dramen Fatih Akin seine erste Komödie.

Schöne Zeiten: Als man in Kneipen noch ungestraft rauchen durfte … Moritz Bleibtreu in „Soul Kitchen“.

„Ich hatte Bock, eine Komödie zu machen. Ich hatte Bock zu lachen. Und wenn die Leute den Film auch noch mögen, freut mich das natürlich total“, so Fatih Akin in einem Interview. Dass er mit seinem neuen Filmprojekt „Soul Kitchen“ einen solchen Erfolg haben würde, hätte der Regisseur angeblich nicht gedacht. Auf den letzten Drücker fertig gestellt, räumte sein Beitrag bei den 66. Filmfestspielen von Venedig den Spezialpreis der Jury ab.

Dabei haben die Filme des in Hamburg geborenen, deutsch-türkischen Regisseurs, schon lange Kultstatus. mehr lesen / lire plus

MICHAEL HANEKE: Die Farbe der Unschuld

Michael Haneke zeichnet in „Das weiße Band“ ein archaisches Gemälde einer streng protestantischen Dorfgemeinschaft am Vorabend des Ersten Weltkrieges

Wer als Untertan aufwächst, kann sich später nur in einer kranken Beziehung zur Außenwelt ausleben.

Der Film beginnt lautlos. Kursiv wird im Vorspann der programmatische Untertitel eingeblendet: Eine deutsche Kindergeschichte. Später wird den Kindern des Pfarrers ein weißes Band ins Haar gebunden. Als Zeichen der Unschuld soll es ihnen emblematisch als Warnung dienen und sie vor Sünden schützen.

Rätselhafte Unfälle ereignen sich scheinbar zufällig: Eine Schnur wurde zwischen zwei Bäume gespannt, der Dorfarzt fällt bei seinem täglichen Ausritt darüber und verletzt sich schwer. mehr lesen / lire plus

ULI EDEL: Gewaltige Bebilderung

„Der Baader Meinhof Komplex“ scheitert genau so wie die originale RAF an den Verhältnissen. Nur, dass es diesmal vorhersehbar war.

Ein bisschen rumballern reicht eben nicht aus um eine historische Debatte auszulösen.

Die über 20 Millionen teure Produktion, ein Polit-Drama mit sexy Terroristinnen und viel Ballerei um den Deutschen Herbst hat das Zeug zum Hollywoodstreifen. Mit einem gewissen Instinkt für polarisierende Themen nach „Der Untergang“, hat sich Produzent Bernd Eichinger auf das Buch von Ex-Spiegelredakteur Stefan Aust, „Der Baader Meinhof Komplex“ gestürzt. So erstaunt es nicht, dass der Spiegel nach Versuchen des Verleihs kritische Vorberichterstattung zu verhindern, Anfang September mit der großen Titelstory zum Film aufwartete. mehr lesen / lire plus