Pflegeversicherung
: Ein System, das abhängig macht?

Im Zuge der geplanten Gesetzes-
reform der Pflegeversicherung warnt die Patientenvertretung vor Einschnitten. Ein Stufensystem könnte den Charakter der Versicherung verändern.

Foto: Ulrich Joho / Flickr

Foto: Ulrich Joho / Flickr

Sie ist einer der letzten Bausteine des sozialen Sicherungssystems: die Pflegeversicherung. Mit dem Gesetz vom 19. Juni 1998 wurde eine Sozialleistung für alle geschaffen. Für einen Beitrag von 1,4 Prozent des Brutto-Einkommens steht jedem, der einen bestimmten Grad an Pflegebedürftigkeit aufweist, eine Unterstützung zu, die sich nach dem Luxemburger Modell flexibel gestalten lässt und dadurch die Autonomie des Einzelnen stärkt – entweder durch ambulante Pflege zu Hause oder in entsprechenden Einrichtungen. Darüber hinaus wurde mit dem Gesetz ein Rahmen geschaffen, der auch eine individuelle Betreuung durch Angehörige ermöglicht. mehr lesen / lire plus

Volksverhetzung: E Vull fir d’Kaz

Mit seinem Diskurs gegen „rumänische“ Bettler bricht der luxemburgische Star-Anwalt ein Tabu und schürt Fremdenhass.

Karikatur: Guy W. Stoos

Manische Selbstdarsteller wie Gaston Vogel sollte man vielleicht aus therapeutischen Gründen ignorieren. Jede öffentliche Debatte wird Vogel darin bestärken, sich mit polarisierender Unsachlichkeit und Vulgär-Sprache öffentlich zu produzieren. Seine zur Schau gestellte vermeintliche ‚political incorrectness’ ist dabei Teil der Inszenierung des eigentlich autoritätsgläubigen kleinen Luxemburger Mannes.

Bei seiner rassistischen Tirade gegen bettelnde Roma via offenen Brief an die Bürgermeisterin Lydie Polfer kommt einem aber diesmal echt die Galle hoch – auch angesichts der Reaktionen auf sein Pamphlet. Hätte Vogel Anwälte, seine Berufsparte – die er im übrigen mit seinen Aussagen diskreditiert – als überbezahlte, dreckige, stinkende Halsabschneider bezeichnet, sähe die Anwaltskammer dann auch keine Möglichkeit, disziplinarisch gegen ihn vorzugehen? mehr lesen / lire plus

Architektur
: Symbolträchtige Bauwerke?


„Bau-Zeichen: Unsere gebaute Umwelt lesen“, die Sonderausstellung der Architekturkammer als Ergänzung zur „Zeichen“-Ausstellung im Historischen Museum, ist eine Nabelschau mit kritischen Untertönen.

Schicker Rahmen, schnörkellose Schau ...  (Foto: MHVL, B. Fuge)

Schicker Rahmen, schnörkellose Schau … (Foto: MHVL, B. Fuge)

Keine Frage, Architektur spiegelt den Zeitgeist wider. Waren es einst die Kirchen, die die Topographie der Städte Luxemburgs bestimmten – wie man auf einem Kupferstich von 1649 unter der Überschrift „Zeichen des Urbanen“ sehen kann -, so sind es heute die Wassertürme, die in allen Teilen des Landes unübersehbar in die Höhe ragen und als Orientierungspunkte dienen. Wer die Ausstellung „Bauzeichen“ im Erdgeschoß des Historischen Museums der Stadt besucht, kann sich ein Plakat mit den Türmen als Souvenir mitnehmen. mehr lesen / lire plus

Sacha Polak
: Stille Totenklage

„Zurich“ ist das Porträt einer getäuschten Frau, die an dem Tod ihres Mannes und seinem Betrug zugrunde geht. Ein Roadmovie der besonderen Art.

Sucht in der Truckerszene Halt, bleibt aber mit ihrem Schmerz allein.

Sucht in der Truckerszene Halt, bleibt aber mit ihrem Schmerz allein.

Das schrille Pink der Namen im Vorspann lässt einen an Filme der 1980er Jahre denken. Grell springt einem das Wort „Zurich“ entgegen. Doch poppig sind in Sacha Polaks zweitem Drama allein die Farben. Sie stehen in Kontrast zu dem dominierenden Grau der Stimmung der Hauptfigur Nina (Wende Snejders), die um ihren bei einem Unfall umgekommenen Geliebten Boris trauert. – Ein Verlustschmerz, mit dem sie allein steht und zu dem sich noch der Schock über einen Betrug gesellt. mehr lesen / lire plus

Nur die Schweden machen es besser

Mit einem eher diskreten Kommuniqué gibt das Kooperations-Ministerium die Herausgabe des Jahresberichtes 2014 bekannt. Dabei braucht Luxemburg sich ob der geleisteten Entwicklungszusammenarbeit eigentlich nicht zu verstecken: Mit 318,3 Millionen Euro wurden 2014 1,06 % des Brutto-Nationaleinkommens für die öffentliche Entwicklungshilfe ausgegeben. Besser machten es nur die Schweden, die auf 1,10 % kommen. Bestimmt war das vergangene Jahr vor allem durch große Krisen wie den Ausbruch des Ebola-Virus aber auch durch politisch instabile Krisengebiete, in die auch Luxemburger Hilfsgelder flossen. 2014 war aber auch das Vorbereitungsjahr für die vielen internationalen Konferenzen, die für 2015 angesetzt sind oder waren, sowie für das Europäische Jahr der Entwicklung. mehr lesen / lire plus

Theater: Denk selbst nach!

„Schmock“ ist ein Kinderstück, beruhend auf einer Fabel des rumänischen Autors Ion Creanga. Die ausgefuchste Kreation wird im Rahmen der „Congés annulés“ im Carré Rotondes gespielt.

(Foto: Sven Becker)

(Foto: Sven Becker)

Es war einmal ein Fuchs, ein schicker, eben „schmocker“ Bursche, der ziemlich eingebildet war, sich für besonders prächtig und clever hielt. Er dachte, er könne den tolpatschigen Bären, der an nichts als an sein Futter denkt, hereinlegen, doch es kam anders. Denn der Gierige fiel auf die Nase, und der Klügere gewann. Die Erzählung gibt es in zahlreichen Varianten, Jean de La Fontaine hat sie als Fabel vom Fuchs und Ziegenbock überliefert, in Luxemburg ist sie als Märchen vom Wolf und Fuchs und bekannt. mehr lesen / lire plus

Asaf Kapadia
: Auf Amys Spuren


Anlässlich des 5. Todestages von Amy Winehouse läuft in den Kinos mit „Amy“ eine Film-Dokumentation, die nach Kassenschlager riecht.

1329_Filmrez.Amy_1Ihre besten Auftritte waren zweifellos die, an die sich heute kaum einer mehr erinnert. Da sang ein etwa 20-jähriges, pummeliges Mädchen in kleinen dunklen Londoner Clubs verschüchtert vor den anerkennenden Blicken von ein paar Jazz-Aficionados. Doch war dies eine Amy, die der Erfolg noch nicht überrumpelt hatte, eine andere, als die kaputte Amy, die wir später erleben sollten – auf dürren, staksenden Beinen mit ihrer unverkennbaren Beehive-Frisur, gezeichnet von zahlreichen Drogenexzessen und Alkoholgelagen, mitgenommen von depressiven Schüben und Bulimie, von Paparazzi verfolgt und in Boulevard-Medien und Talkshows gnadenlos als neurotische Zicke inszeniert. mehr lesen / lire plus

Stadtgeschichte: Im Pfaffenthal


„De Pafendall – Geschichten eines Stadtviertels“ im Historischen Museum ist eine Hommage an eines der ältesten Arbeiterviertel Luxemburgs.

(Foto: woxx)

(Foto: woxx)

Die rote Brücke, der Siechenhof oder der Mouvement écologique (Meco) sind heute Wahrzeichen Luxemburgs, die das Bild der Hauptstadt entscheidend prägen, zugleich sind es historische Wahrzeichen eines ihrer ältesten Arbeiterviertel: des Pfaffenthals.

Die Austellung im vierten Stock des Historischen Museums versammelt rund 50 Exponate, darunter Fotografien, Plakate, historische Objekte, Ton-Dokumente und Aquarelle (Sostène Weis) – etwas diffus angeordnet, aber mit Bedacht ausgewählt, anhand derer sich zahlreiche Pläne und Anekdoten rund um das Viertel nachvollziehen lassen.

Während für das späte Mittelalter die Bevölkerung des Vorstadtviertels von Historikern auf etwa 400 Einwohner geschätzt wird, leben heute knapp 1.200 Menschen aus rund 60 verschiedenen Nationen im Pfaffenthal. mehr lesen / lire plus

Denkmalschutz: Bewusstseinswandel?

Der Schutz des kulturellen Bauerbes, lange Zeit vernachlässigt, rückte in einer Parlamentsdebatte in den Mittelpunkt. Immerhin besteht nun auch auf politischer Ebene Einigkeit darin: Es bedarf dringend eines richtigen Denkmalschutzgesetzes und einer nationalen Schutzliste.

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Mahnwache der Denkmalschutz- organisationen „Luxembourg Patrimoine asbl“ und „Sauvegarde du Patrimoine“ am 1. Juli vor der Chamber.

Der Denkmalschutz rückt zwar peu à peu auf die politische Agenda, wird aber noch immer stiefmütterlich behandelt. Auch wenn die Tatsache, dass die Chamber-Debatte nun endlich stattgefunden hat, einen gewissen Fortschritt verspricht. André Bauler, der eine „Interpellation“ zu dem Thema veranlasst hatte, sprach am vergangenen Mittwoch zum letzten Tagesordnungspunkt vor einem sichtlich ermatteten Parlament. mehr lesen / lire plus

Mehrsprachigkeit im Theater: Die Bühne 
als Babylon

Zahlreiche Bühnenprojekte und grenzüberschreitende Festivals zeigen den Trend auf: Die Theater-
welt wird polyglotter. Welche Rolle spielt Mehrsprachigkeit auf der Bühne?

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Liegt der Schlüssel für die Zukunft des Theaters in der Mehrsprachigkeit?


Dienstag Abend, 18.30 Uhr: In den Bahnhofsrotunden findet ein Rundtischgespräch zum Thema „Mehrsprachigkeit im Theater“ statt, organisiert von dem Luxemburger Theaterkollektiv Independant Little Lies (ILL). Am selben Abend geht im Kasemattentheater die Premiere von „Die Torte“ über die Bühne, der letzten Produktion des kleinen Off-Theaters in dieser Spielzeit. Die gut einstündige Inszenierung, eine Collage aus mehreren Szenen (basierend auf Texten von Ionesco, Campbell und Tucholsky) ist ein Ausloten von Grenzen, das vor allem auf Gestik und Mimik setzt, fast ohne Sprache auskommt und so selbst frankophonen Zuschauern das Verstehen ermöglicht. mehr lesen / lire plus

Tanztheater
: Neue Bühnensprache?

„Dem Gina seng nei Welt“ ist ein Tanztheaterstück der APEMH, basierend auf einer Choreographie Sylvia Camardas. Ein Stück, das Beklemmung hinterlässt und einen zu dem Schluss bringen könnte: Inklusion auf der Bühne sei nicht möglich.

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Es ist schon ein Ärgernis mit der allseits beschworenen „Inklusion“. Der Modebegriff will uns weismachen, dass alle Menschen trotz aller Unterschiede und Einschränkungen in dieser Gesellschaft harmonisch zusammenleben können. Bei diesem seligen Miteinander soll jeder dazugehören, die liberale Chancengleichheit ist das imaginierte Ziel. Doch die Inklusionsbotschaft mag auf Weihnachtskärtchen ihre Wirkung tun – im wahren Leben erweist sie sich meist doch nur als Wunschtraum und muss offenbar gerade deshalb zwanghaft beschworen werden. mehr lesen / lire plus

Gender & Migration
: „Emanzipation soll her
beigebombt werden“

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Nikita Dhawan, geboren 1972, 
ist seit Oktober 2014 Professorin für Politische Theorie mit thematischer Akzentuierung im Feld der Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Innsbruck. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Transnationaler Feminismus, Globale Gerechtigkeit, Menschenrechte sowie Demokratie und Dekolonisierung. 
Sie ist Co-Autorin des Standard-Werkes „Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung“.
 (Foto: woxx)

Im Gespräch mit der woxx warnt die indische Feministin Nikita Dhawan vor pauschalen Lösungsansätzen und erklärt, wie der Westen unter dem Vorwand der Emanzipation die Situation von Migrantinnen nicht selten verschlimmert.

woxx: In Ihrem Vortrag anlässlich der 15. Internationalen Genderkonferenz erwähnten Sie Alice Schwarzer ironisch als Ihre „Lieblingsfeministin“. Wer eignet sich in der transnationalen Genderforschung tatsächlich als Vorbild?
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Theater: Knisterne Grissini-Momente

Mit „Die Torte“, der letzten Produktion dieser Spielzeit im Kasemattentheater, erkunden drei Schauspieler sowohl ihre eigenen Grenzen wie auch die der Bühne. Ein kreatives Experiment …

1325_Event_Die_Torte_GUTEs sind lautlose Szenen, die den Blick des Betrachters ganz auf die Mimik der Schauspieler lenken, aber im Nu umschlagen in stürmische, leidenschaftliche Aktion, in die man wie in einen Strudel hineingezogen wird. Ein junges Paar feiert im Restaurant seine langjährige Beziehung, aber kennen die beiden sich überhaupt? Haben sie sich je getroffen, oder leben sie am Ende zwar miteinander, aber doch aneinander vorbei?
„Die Torte“ ist eine Collage, basierend auf Texten von Ionesco, Campbell und Tucholsky, und am Ende doch ein Schauspieler-Stück. mehr lesen / lire plus

Tram und Wohnungsbau: Erfolgsprojekte?

Vergangenen Freitag präsentierten die Minister Nagel und Bausch ihre Pläne zum Wohnungsbau und zur Tram auf Kirchberg, wohl um nach dem gescheiterten Referendum Handlungsfähigkeit auf diesem Feld zu demonstrieren. Ab Herbst 2017 soll die Tram (Kirchberg-Paffenthal) rund 10.000 Passagiere im Drei-Minutentakt befördern. Daneben stellten die Minister den Neubau von bis zu 6.500 Wohnungen auf Kirchberg in Aussicht, wovon rund 1.600 innerhalb der nächsten fünf Jahre entstehen sollen. Der Kaufpreis – gegenwärtig bei 7.150 €/m2 – soll auf 4.200 €/m2 fixiert werden, also um rund 40 Prozent sinken. In den drei neuen Wohngebieten (Quartier du Kiem, Réimerwee, J. F. K. Sud), die bis 2020 geplant sind, sollen die Baumaßnahmen zu 50-70% von der SNHBM und zu einem geringeren Teil vom Fonds du Logement realisiert werden. mehr lesen / lire plus

Monodrama-Festival: „Wie Luxemburgs Lebensrealität“ 


Zum 6. Mal findet in diesem Jahr das Fundamental Monodrama-Festival statt. 17 Produktionen in fünf Sprachen bilden einen künstlerischen Kontrapunkt zum Ausgang des Referendums. Zur Halbzeit des Festivals zieht dessen Direktor Steve Karier eine erste Bilanz.

(© Damien Valette)

(© Damien Valette)

woxx: Was war die Idee des Festivals? Und wie hat es sich seit seiner Gründung verändert? Es wird ja auch an ungewöhnlichen Orten gespielt …


Steve Karier: Entstanden ist es 2010. Zuerst wurde es nur in Niederanven veranstaltet. Es ist eine Weile umhergewandert und findet jetzt im dritten Jahr in der Banannefabrik statt. Und es kommt drauf an, da ist „TaTi – Take Time“ – eine Reihe, die im öffentlichen Raum gespielt wird oder aber im Museum. mehr lesen / lire plus